Georg Pölzl

15. Juni 2009, 18:43
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Als Sanierer aus Bonn zurückbeordert

So kommt zum Ende doch wieder alles zusammen, quasi die Auferstehung der guten alten Post- und Telegrafendirektion von einst, zumindest in der Laufbahn des designierten Post-Generaldirektors Georg Pölzl. Denn mit der gelben Post hatte der gebürtige Steirer bisher so gar nichts am Hut, weder einen Ferialjob als Briefträger, während er in Graz die HTL für Maschinenbau und Elektronik besuchte, noch einen der bei Studenten früher so beliebten Schalterjobs, als er in Leoben Erdölwesen studierte.

Dafür war er das letzte Jahrzehnt eher auf der Seite der schleichenden Postkiller tätig, denn wer verschickt denn noch Postkarten und Briefe, wenn es SMS und E-Mail gibt, viele Jahre die eigentliche Domäne von Pölzl. Zuerst als Chef von Maxmobil, das er in T-Mobile Austria verwandelte und der er in Folge Telering einverleibte. Dann als oberster Sparmeister der T-Mobile-Mutter Deutsche Telekom, als "Sonderbeauftragter für das Effizienzprogramm", wie das im deutschen Konzern so effizient hieß. In dieser Funktion hob er in weniger als zwei Jahren drei Milliarden Euro "Einsparungspotenzial", auch eine schöne Umschreibung für Jobabbau.

Eher ist es also wohl dieser Ruf als erfolgreicher Sanierer, mit dem sich Pölzl sein Rückflugticket nach Wien sicherte. Denn ganz so nach Plan schien sich das Wegrationalisieren von Jobs in Bonn auch nicht mehr zu entwickeln. Zwar krönte er seine Laufbahn zu Jahresbeginn mit dem Posten als "Sprecher des Vorstands" von T-Mobile. Nur dass sich der oberste Konzernchef René Obermann dazu entschloss, Fest- und Mobilnetz zusammenzulegen und einem Holländer statt Pölzl den Spitzenposten zu geben.

Pölzl scheint das aber nicht weiter zu kränken, denn richtig heimisch war der Familienmensch und Vater dreier Kinder in Deutschland ohnedies nicht geworden: Das Zuhause blieb in Mödling, der Katamaran am Neusiedler See, der Lebensmittelpunkt in Österreich. Da erscheinen wohl selbst die postalischen Minenfelder von Postämterschließungen bis Personalabbau als lohnende Herausforderung.

Solche sucht Pölzl, gerade 52 geworden, nicht nur als "absoluter Leistungsmensch, der das auch von seinen Mitarbeitern erwartet", sondern auch privat: als Segler ebenso wie als Trialfahrer am Motorrad. Und wer weiß, vielleicht kann er wie beim Domenig'schen Architekturdenkmal T-Mobile-Center auch bei der Post seiner Liebe zur Architektur wieder frönen: wenn bald über den künftigen Posthauptsitz zu entscheiden ist. (Helmut Spudich, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.6.2009)

  • Vom Mobilfunk zum künftigen Post-General: Georg Pölzl.
    foto: post ag

    Vom Mobilfunk zum künftigen Post-General: Georg Pölzl.

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