Iran: Warten in Washington

15. Juni 2009, 18:30
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Obama bleibt vorerst nichts übrig, als abzuwarten

Alles ist in Bewegung in Teheran, und vor allem die politischen Beobachter in Washington können noch keinerlei Basis finden, auf der sich die neue Situation halbwegs verlässlich bewerten ließe. Wie fortfahren mit Barack Obamas Strategie des Engagements auch in Weltgegenden, deren Regierungen den Amerikanern politisch nicht zu Gesicht stehen? Wer wird, nachdem sich die Nebel im Iran einigermaßen gelichtet haben, der Ansprechpartner für die neue amerikanische Realpolitik sein?

Noch weiß das niemand. Aus heutiger Sicht lässt sich wohl nur das mit Sicherheit sagen, was auch schon vor der Wahl galt: Wer immer an der Macht ist in Teheran, über das iranische Atomprogramm - und das ist der Punkt, der für Washington vor allem zählt - wird niemand etwas kommen lassen. Auch der in der nun offensichtlich gefälschten Wahl unterlegene Mir-Hossein Mussavi wird den Teufel tun, das Projekt, das bei vielen im Iran gleichermaßen für Nationalstolz wie für Modernisierung steht, zu kippen.

Die Fragen für die Außenpolitiker in Barack Obamas Regierung sind also weiterhin: Gibt es im Iran in absehbarer Zeit eine Führung, mit der ein Deal in der Sache zu machen ist? Welche Interessen haben diejenigen, die dann an der Macht sein werden? Und was darf es politisch kosten, ein nukleares Wettrüsten in der Region zu verhindern?

Die Antworten könnten sowohl ein weiter im Amt bleibender Mahmud Ahmadi-Nejad geben als auch ein - theoretisch - neu gewählter Mir-Hossein Mussavi. Obama bleibt vorerst nichts übrig, als abzuwarten. (Christoph Prantner/DER STANDARD, Printausgabe, 16.6.2009)

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