Verhaftungen und Störsignale

15. Juni 2009, 18:07
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Regime in Teheran schränkt Journalisten massiv ein

Mit jedem Tag kommen weniger Nachrichten und weniger Bilder aus dem Iran: Das Regime geht nicht nur gegen Demonstranten vor, sondern behindert auch ausländische Journalisten bei ihrer Arbeit. Berichte über Einschränkungen kamen am Montag von fast allen großen internationalen Fernsehstationen.

ARD-Korrespondent Peter Metzger beispielsweise konnte nur per Videohandy berichten, offiziell wurde es ihm untersagt, die Proteste zu filmen. Ein ARD-Techniker der am Sonntag verhaftet wurde, ist inzwischen wieder frei. Von ähnlichen Schikanen berichtete auch das ZDF.

Wie üblich waren es vor allem lokale Mitarbeiter der ausländischen Medien, die am meisten zu fürchten hatten: Auch ein lokaler Mitarbeiter der englischen Times wurde am Rande einer Demo in Teheran verhaftet. Als die Journalisten ihn auf einer Wache fanden, beschimpfte der diensthabende Beamte Ahmadi-Nejad, berichtete der Times-Reporter im Internet. Nachdem der Mann alle Bilder von Protesten löschte, wurde er freigelassen. Andere hatten weniger Glück: Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) meldet am Montag zehn Journalisten als vermisst.

Neben Verhaftungen und der Beschlagnahme von Kameras arbeitet die iranische Führung aber auch mit technisch versierteren Mitteln. Die BBC bat bei Zusehern im Iran, Nahen Osten und sogar Europa wegen auftretender Bildstörungen um Entschuldigung. Als Grund gab der Sender an, dass ein Störsignal aus dem Iran die Übertragung auf den Satelliten störe. Das Störsignal aus dem Iran werde seit Freitag gesendet, habe aber am Montag aber an Stärke zugenommen.

Der Nachrichtenstrom versiegte natürlich dennoch nicht, wozu auch das Internet beitrug. Im Onlinealbum Flickr fanden sich aktuelle Fotos, auf Youtube gab es neue Videoaufnahmen von den Proteste. Die Aktualität der Beiträge war nicht überprüfbar. Zudem gründeten sich zahlreiche Onlineforen, wie etwa "Where is my vote?" , eine Plattform, die aber aus dem Ausland organisiert wird. Das harte Vorgehen der iranischen Sicherheitskräfte ging aber auch im Internet nicht spurlos vorbei: Auf dem Facebook-Eintrag der Künstlerin Parvin stand etwa die Aufforderung, ihr keine Botschaften zu schicken. Die Meldung war eine Warnung, die Künstlerin wurde verhaftet.

Die Bedeutung des Internets bei der Erlangung von Informationen wird wohl weiter steigen: Zahlreiche ausländische Journalisten, die nur für zehn Tage Visa für ihre Berichterstattung über die Präsidentenwahlen bekamen, müssen den Iran wohl in den nächsten Tagen verlassen. (szi/DER STANDARD, Printausgabe, 16.6.2009)

 

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