Das schlechte Ende des guten Lebens

15. Juni 2009, 17:47
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Prozess gegen 30-Jährige, die in Bosnien ihre Nebenbuhlerin mit WC-Reiniger fast getötet haben soll

Wien – Zwei plus eins ist in einer Beziehung eine ungute Gleichung. Jasmina K. hat diese am Montag vor das Wiener Landesgericht gebracht. Die 30-jährige gebürtige Bosnierin soll ihre Nebenbuhlerin schwer misshandelt, mit WC-Reiniger verätzt und mit dem Auto überfahren haben, wirft ihr Staatsanwalt Michael Radasztics vor. Sie selbst bestreitet jede Mordabsicht und beschuldigt ihren Cousin.

Alles habe so gut angefangen, schildert sie. Mit 18 hatte sie in Wien geheiratet, der Sohn war schon unterwegs, beide hatten Arbeit. "Wir haben so ein gutes Leben geführt" , erzählt sie dem Geschworenengericht unter dem Vorsitz von Brigitte Zeilinger. Bis sie erfuhr, dass sich der Mann ein besseres Leben versprach – mit Sanja St., einer Kellnerin aus seinem bosnischen Heimatort. Er reichte die Scheidung ein.

Die Angeklagte wollte kämpfen. Fuhr im April 2005 zu ihrem Cousin nach Bosnien. Der rief Sanja St. an, versprach ihr einen Job und lockte sie auf einen Parkplatz. Dort saß Jasmina K. im Auto, zerrte das Opfer in den Wagen. "Ich habe sie gefragt: Warum tust du mir das an?" Ein paar Schläge und Tritte habe sie der Geliebten ihres Mannes dann schon verabreicht, aber wirklich verletzt sei sie dabei nicht worden. Woher der Kieferbruch und die Prellungen ihrer 27-jährigen Kontrahentin stammen?Sie weiß es nicht.

Stundenlang kreuzten Jasmina K., ihr Cousin und Sanja St. durch Bosnien. "Die Frau St. wollte sich ja auch nicht bei mir entschuldigen" , empört sich die Angeklagte. Aber Angst hätte das Opfer nicht gehabt. Im Gegenteil:"Sie hat mich um eine Kopfwehtablette gebeten." Nein, Schlafmittel sei es keines gewesen. Warum Sanja behauptet, sie sei nach Einnahme der Tabletten bewusstlos geworden und daher niemanden belasten kann? Sie weiß es nicht.

"Eine ungute Geschichte"

Bis zu diesem Zeitpunkt sei alles nur "eine ungute Geschichte" gewesen, versucht Verteidiger Elmar Kresbach darzulegen. Ein "Exempel" hätte die gehörnte Ehefrau statuieren wollen. Eigentlich wollte sie die Nebenbuhlerin schon nach Hause bringen, als ihr Cousin plötzlich eine Idee gehabt haben soll: "Er hat zu ihr gesagt: ,Trink das!‘ und ihr eine Flasche Danclor angesetzt. Dann hat er den Rest über sie geschüttet" , behauptet Jasmina K.

Sie selbst habe damit nichts zu tun gehabt. Es sei der Cousin (der wegen Beihilfe zum Mord in Bosnien rechtskräftig verurteilt worden ist) gewesen, der die Kellnerin überfuhr und einfach liegen ließ. Aber die sei gar nicht schwer verletzt gewesen, war sie überzeugt.

Die Bilder, die Vorsitzende Zeilinger zeigt, sagen anderes: schwere Verätzungen in Gesicht, Brust, Bauch und Rücken. Die Speiseröhre ist so beschädigt, dass das Opfer nur noch Babynahrung zu sich nehmen kann. Psychisch ist sie schwer gezeichnet, wohnt bei den Eltern, traut sich alleine nicht mehr aus dem Haus.

Worte des Bedauerns findet Jasmina K. während ihrer Vernehmung dafür nicht. Schwört dagegen immer wieder, die Wahrheit zu sagen – sie habe nur ein wenig zugeschlagen, um ihren Mann wiederzubekommen, für den Rest sei der Cousin verantwortlich. Der am Dienstag aussagen soll, auch das Urteil könnte da fallen. Der 30-Jährigen, die mittlerweile geschieden ist, drohen bis zu zwanzig Jahre Haft. (Michael Möseneder/DER STANDARD-Printausgabe, 16.6.2009)

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