"Wer dopt, trifft nicht öfter ins Tor"

15. Juni 2009, 20:43
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Volleyballpräsident Kleinmann ist empört, weil Ex-Radler Bernhard Kohl be­hauptet hat, dass in allen Sport­arten mit Wachstumshormonen gedopt wird

Standard: Bernhard Kohl war gedopt und gibt derzeit viele Interviews. Warum die Aufregung über gerade diese seine Aussage zu den Wachstumshormonen im "Profil" ?

Kleinmann: Weil es erstens ein Blödsinn und zweitens eine Frechheit ist, zu behaupten, dass in allen Sportarten gedopt wird. Und weil so dumme Sager vielleicht lässig daherkommen, aber unglaublichen Schaden anrichten.

Standard: In welcher Form?

Kleinmann: Wir haben im Verein 400 Kinder. Ich muss mich fragen lassen, ob das wahr ist mit dem Doping. Tatsache ist, dass nur 40 Prozent unserer Jugendlichen regelmäßig, also dreimal in der Woche, Sport betreiben. Tatsache ist, dass Österreich die fetteste Jugend hat, die meisten Raucher und Trinker unter den Jugendlichen. Unser Problem ist nicht das Doping, unser Problem ist der Alkohol, sind Drogen, ist das Nikotin.

Standard: Trotzdem ist Doping im Sport offensichtlich weit verbreitet.

Kleinmann: 80 Prozent dopen auch im Spitzensportbereich nicht. Man komme mir nicht mit Marathonläufern oder Triathleten. Wie viele sind das? Weltweit spielen 800 Millionen Menschen Volleyball. Auch im Fußball, Handball oder Tischtennis nimmt keiner Wachstumshormone oder dopt, um zu gewinnen. Weil es auch gar nichts bringt. Im Mannschaftssport ist das nicht machbar. Ich bei den hotVolleys oder ein Peter Pacult bei Rapid könnten gar kein Doping verordnen, selbst wenn wir wollten. Einerseits ist das viel zu teuer, wenn die Summen stimmen, die Gedopte jetzt immer wieder angeben. Andererseits hat sich das in einer Gruppe sehr schnell erledigt. Und zwar spätestens dann, wenn einer unzufrieden ist, weil er nicht spielt, obwohl er brav gedopt hat.

Standard: Kann man das wirklich so vereinfacht behaupten? Es gab auch schon genug positive Tests in Mannschaftssportarten.

Kleinmann: Wer dopt, trifft nicht öfter ins Tor. Oder beim Service ins Feld. Wo der Anteil an Technik und Taktik jenen der Athletik übertrifft, gibt es kein systematisches Doping. Da gibt es nur einzelne Idioten.

Standard: Im Volleyball gibt es also keine positiven Tests?

Kleinmann: Ich bin 47 Jahre dabei und habe drei positive Tests erlebt. Einer hat Marihuana geraucht, einem wurde das jetzt nicht mehr auf der Liste stehende Coffein zum Verhängnis, weil er drei Energy Drinks intus hatte. Und einer hat ein falsches Schmerzmittel genommen, weil er Aspirin C nicht vertragen hat. Man kann sagen, dass alle drei blöd waren. Aber von massivem Doping kann man nicht reden.

Standard: Vielleicht wird im Mannschaftssport nur zu wenig getestet.

Kleinmann: Es wird sogar recht intensiv getestet, obwohl es reine Zeit- und Geldverschwendung ist. Mein Sohn wurde zum Beispiel auch daheim zweimal getestet.

Standard: Da haben Radfahrer ganz andere Erfahrungen.

Kleinmann: Zu Recht. In der Bundessportorganisation sind 58 Sportarten registriert. In nur zehn gibt es aber Dopingfälle. Und da ist noch Schach mitgezählt, obwohl die, die da erwischt wurde, sicher nichts vorsätzlich genommen hat. Es betrifft immer dieselben. Da gehört eingegriffen, gehören Förderungen gestrichen. Aber man soll nicht den gesamten Sport verunglimpfen, nur weil es offenbar schick ist. (Mit Peter Kleinmann sprach Sigi Lützow - DER STANDARD PRINTAUSGABE 16.6. 2009)

Zur Person: 

Der Wiener Peter Kleinmann (61) spielte 88-mal im österreichischen Volleyballteam, ist Präsident des Volleyballverbandes und Chef der hotVolleys.

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