EZB sieht für Euro-Banken Anstieg der Kreditausfälle

15. Juni 2009, 17:24
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EZB rechnet mit 280 Milliarden Dollar weiterer Abschreibungen bis Ende 2010, Kreditausfälle könnten auf Mutterbanken in Österreich durchschlagen

Wien/Frankfurt - Die Europäische Zentralbank (EZB) warnt vor einem massiven Anstieg der Kreditausfälle bei einer weiteren Verschärfung der Krise in den neuen EU-Ländern. Davon könnten auch Banken, die über ihre Töchter in Osteuropa aktiv sind, in Mitleidenschaft gezogen werden.

"In Volkswirtschaften mit großen Fremdwährungsanteilen könnte eine weitere Währungsabwertung zu schweren Kreditausfällen führen, die zu einer Verschlechterung der Kapital- und Assetqualität der Mutterbanken und deren Beteiligungen führen würde", schreibt die EZB in ihrem am Montag veröffentlichen halbjährlichen Finanzmarktstabilitätsbericht.

Österreichs Banken große Kreditgeber

Österreichs Banken gehören mit rund 200 Mrd. Euro zu den größten Kreditgebern in Mittel- und Osteuropa. Die italienische UniCredit hat über ihre Tochter Bank Austria das größte Engagement in Osteuropa, gefolgt von den österreichischen Banken Raiffeisen International Bank Holding AG sowie Erste Group Bank. Die Verflechtung mit Osteuropa hatte bereits zu einer Rückstufung der Bonitätsnoten durch Ratingagenturen geführt.

Im schlimmsten Fall rechnet die EZB für die Banken der Euro-Zone durch die Aktivitäten in Osteuropa mit einer Belastung des Kernkapitals (Tier 1) von sieben Prozent. Je nach Region und Größe der Aktivitäten im Osten könnten die Verluste bei der Kernkapitalquote bei einigen Banken bis zu einem Drittel ausmachen. Im Vergleich zu potenziellen Verlusten der gesamten Eurozone-Banken sei das Osteuropa-Risiko aber gering.

Krise noch nicht vorüber

Die seit gut zwei Jahren andauernde Finanzkrise ist nach Einschätzung der EZB noch keineswegs vorüber. Ungeachtet einiger weniger Anzeichen einer Stabilisierung und der Gegenmaßnahmen von Zentralbanken und Regierungen, bleibe die Finanzbranche sehr anfällig, weitere Milliardenabschreibungen seien wahrscheinlich. "Die größten Risiken liegen im weiteren Vertrauensverlust innerhalb des Finanzsystems und in der weiteren Erosion der Kapitalbasis der Banken und der Bewertung von Papieren in deren Bilanzen. Außerdem darf man das Risiko, dass die ohnehin schon schwere Rezession tiefer ausfällt und länger dauert als bisher erwartet nicht außer Acht lassen", sagte EZB-Vizepräsident Lucas Papademos am Montag in Frankfurt.

"Es gibt keinen Grund für Selbstgefälligkeit, denn die Risiken für die Stabilität des Finanzsektors bleiben hoch, besonders weil der Kreditzyklus sein Tal bisher noch nicht erreicht hat", schreibt die EZB in ihrem am Montag in Frankfurt veröffentlichten halbjährlichen Bericht zu Lage und Perspektiven des Finanzsektors (Finanzstabilitätsbericht).

Risiken auch für Versicherungen

Die EZB erklärte, Risiken bestünden in erster Linie für Banken, aber auch für Versicherungen und andere Akteure, wie zum Beispiel Hedgefonds. Trotz positiver Meldungen seitens einer ganzen Reihe von Kreditinstituten in den vergangenen Monaten müsse auch in Zukunft mit milliardenschweren Abschreibungen und Verlusten gerechnet werden. Die Notenbank erwartet, dass in diesem und im kommenden Jahr noch Abschreibungen von gut 280 Mrd. Dollar (202 Mrd. Euro) nötig sein dürften, um die Bilanzen der Banken von toxischen Papieren und faulen Krediten zu befreien. Die EZB ist damit deutlich optimistischer als der Internationale Währungsfonds (IWF), der für die Euro-Zone den künftigen Abschreibungsbedarf der Banken bis Ende kommenden Jahres zuletzt auf 585 Mrd. Dollar schätzte. Die EZB prognostiziert die Gesamtsumme der Abschreibungen vom Ausbruch der Krise 2007 bis Ende kommenden Jahres auf rund 650 Mrd. Dollar, der IWF auf rund 900 Mrd. Dollar.

Insgesamt habe sich die Lage an den Finanzmärkten und damit auch an den Refinanzierungsmärkten für die Banken zuletzt zwar verbessert, schreibt die EZB. Die meisten Banken könnten auch über genügend finanzielle Puffer verfügen, allerdings seien immer noch einige Banken in hohem Maße von der Liquidität der Zentralbanken abhängig. Es scheine, dass die meisten Banken derzeit ausreichend kapitalisiert seien, sagte Papademos. Da jedoch weitere Erschütterungen des Finanzsystems - vor allem durch Rückkoppelungseffekte durch die schwere Rezession weltweit - nicht ausgeschlossen werden könnten, müssten die Banken weiterhin auf der Hut sein. (APA)

 

 

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