Polizei verprügelt Demonstranten und Reporter

15. Juni 2009, 19:41
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Schlagstöcke und Fußtritte gegen Protestierende - Kameras mehrerer Fotografen beschlagnahmt

Moskau/Tiflis - In der Kaukasus-Republik Georgien sind bei schweren Ausschreitungen zwischen der Polizei und Gegnern von Präsident Michail Saakaschwili zahlreiche Menschen verletzt worden. Laut Augenzeugen ging die Polizei am Montag mit Schlagstöcken gewaltsam gegen die Demonstranten sowie Journalisten in Tiflis vor. Unter den Verletzten war auch ein Reporter der European Pressphoto Agency epa, wie das Büro der Bildagentur in Moskau der Deutschen Presse-Agentur dpa bestätigte. Es gab knapp 40 Festnahmen. Das Innenministerium in Tiflis entschuldigte sich für das gewaltsame Vorgehen gegen Journalisten. Die EU hatte zuvor mehrfach die Unterdrückung der Pressefreiheit in Georgien gerügt.

Die georgische Opposition warf Staatschef Saakaschwili erneut autoritäre Tendenzen vor. Sie fordert seit Monaten dessen Rücktritt und appellierte an den Westen, den umstrittenen Politiker nicht weiter zu unterstützen. Saakaschwili sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, das Land im August 2008 in einen Krieg mit Russland geführt zu haben. Infolge des Blutvergießens verlor Georgien die Kontrolle über die abtrünnigen Regionen Abchasien und Südossetien, die Russland als unabhängige Staaten anerkannt hat.

"War unser Fehler"

Das georgische Innenministerium verteidigte den Polizeieinsatz gegen Saakaschwilis Kritiker. Die meist jungen Regierungsgegner hätten eine Straße vor der Polizeizentrale blockiert und seien deshalb mit Gewalt entfernt worden. Hingegen berichteten Journalisten, die Demonstranten seien friedlich am Rand der Straße gestanden. Vize-Innenministerin Eka Sguladse bedauerte, dass die Reporter an der Arbeit gehindert worden seien. "Wir entschuldigen uns. Das war unser Fehler", sagte Sguladse nach Angaben des Internetportals civil.ge.

Der Bildjournalist Surab Kurzikidse erlitt nach Angaben seines Moskauer Büros Prellungen am Kopf und am Rücken. Seine Ausrüstung sei beschlagnahmt worden, hieß es in Moskau. Nach einer Stunde in Polizeigewahrsam kam der Journalist wieder auf freien Fuß. Die Opposition kündigte eine Verstärkung ihrer seit Monaten mit wechselndem Zulauf organisierten Proteste an. Am Abend versammelten sich viele Anhänger erneut vor dem Parlament. Die oppositionsnahen Fernsehsender Maestro TV und Kavkasia TV unterbrachen ihr Programm und verurteilten in einer schriftlichen Stellungnahme auf dem Bildschirm die Polizeigewalt gegen Medien in Georgien. (APA/dpa)

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    Polizeieinsatz gegen Demonstranten in Tiflis

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    Die Beamten stürmten aus der Polizeistation und schlugen die Demonstranten krankenhausreif.

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    Drei Schlagstöcke gegen einen Demonstranten.

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