"Public Enemy No. 1": Kriminelle Leistungsschau

15. Juni 2009, 17:24
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Gangsterleben als Kino-Zweiteiler: "Public Enemy No. 1" von Jean-François Richet

Wien - Kinozweiteiler haben Saison: Neben Steven Soderberghs Che ist Public Enemy No.1 von Jean-François Richet das zweite Biopic, welches die Vita seines Helden in epischer Breite, in rund vier Stunden und zwei Kinofilmen, abhandelt. Dies - und der Umstand, dass die jeweiligen Fortsetzungen mit Verzögerung in die Kinos kommen - ist allerdings schon die einzige Gemeinsamkeit. Wo es Soderbergh darum geht, eine mythische Figur wieder auf Lebensgröße herunterzuholen, da scheint seinem französischen Kollegen eher daran gelegen, an einem Mythos mitzubauen.

Rufmord einmal anders

Der Mann, um den es sich dreht, ist der französische Bankräuber Jacques Mesrine, dessen kriminelle Karriere nach seiner Rückkehr aus dem Algerienkrieg Ende der 50er-Jahre begann und erst 1979 mit seinem Tod endete. "Die Leute mögen Tempo. Action." Nach dieser Prämisse gestaltet der PR-bewusste Held noch zu Lebzeiten seine Autobiografie - mit Ausschmückungen, die seiner Anwältin nicht behagen. Ihr Klient schreibt sich großspurig 40 Morde zu, das schadet der Verteidigung. Aber als Staatsfeind Nummer eins hat man eine Reputation zu pflegen.

Die markige Vorgabe seines Protagonisten haben sich auch dessen Darsteller Vincent Cassel und der Regisseur zum Vorbild genommen: Cassel absolviert eine Starschauspielerleistungsschau - Höhepunkt:die Isolationshaft in einem kanadischen Gefängnis. Richet ist über weite Strecken vor allem an Stilübungen interessiert: Public Enemy Nr. 1 - Mordinstinkt und Todestrieb melken die Coolness von Multiperspektiven und Split-Screens oder den räudigen Look von rasant montierten Wackelbildern. Sie operieren gern mit schrägen Blickwinkeln, Spiegeleffekten, viel farbigem Licht.

Dieser Akzent aufs Vordergründige stört in den Actionsequenzen weniger. In den besten Momenten fühlt man sich an Klassiker des französischen Gangsterfilms erinnert, grundsätzlich ist Public Enemy Nr.1 aber mehr mit Alain Corneaus quietschbuntem, verunglücktem Remake von Jean-Pierre Melvilles Le deuxième souffle (2008) vergleichbar. Der Blick auf Mesrine bleibt insgesamt anekdotisch, und der relativ atemlose Parcourslauf (mit Kostümwechsel) von einer Lebensstation zur nächsten wird schnell einmal ermüdend:Mehr als von der Exekutive, so scheint es, wird dieser Mann von seinem Regisseur gehetzt. (Isabella Reicher, DER STANDARD/Printausgabe, 16.06.2009)

Teil 1 jetzt im Kino, Teil 2 ab 26. 6.

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    foto: senator
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