Meditationen aus dem Karst

15. Juni 2009, 16:40
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Der Pasolini-Freund und Dichter Giuseppe Zigaina gastierte im Salzburger Literaturhaus

Giuseppe Zigaina ist in verschiedenen Künsten daheim. Bald nach Ende des Zweiten Weltkriegs nahm der heute 85-jährige Maler und Schriftsteller das erste Mal an der Biennale in Venedig teil. Seit den 1940er-Jahren war er ein enger Freund und Mitarbeiter des italienischen Jahrhundertdichters Pier Paolo Pasolini, der wie Zigaina im Friaul aufwuchs. So wirkte Zigaina etwa an den Filmen Teorema, Decameron oder Medea mit. Zum bis heute nicht restlos aufgeklärten grausamen Mord an Pasolini, dessen entstellter Leichnam am 2. November 1975 im römischen Hafen von Ostia gefunden wurde, vertritt Zigaina eine ebenso radikale wie provokante These: Der streitbare Regisseur habe seinen Tod nicht nur prophezeit, sondern auch selbst, quasi im Vollzug eines letzten, ultimativen kulturellen Aktes, organisiert und inszeniert.

Beeinflusst wurde das Schaffen des Dichtermalers vor allem von der Anatomie - und der friulanischen Landschaft zwischen Karst und Lagune, der er meditative Qualitäten abgewinnt. Genau dorthin kehrt der Sohn einfacher Handwerker mit seinem 2008 erschienenen Erzählband Mein Vater, der Widder (Folio Verlag) zurück: In dem Buch dominieren Erinnerungen ans Elternhaus, an Schiffsreisen und das Pfeifen des Orient-Expresses oder an die Begegnung mit einem desertierten österreichischen Soldaten der Deutschen Wehrmacht, der sich in den Wäldern versteckt hält. (dog, DER STANDARD/Printausgabe, 16.06.2009)

Salzburg, Literaturhaus, 16.6. 20.00

Die Lesung des Autors wird mit einer Einführung versehen und durch die famose deutschen Übersetzung von Karin Fleischanderl zusätzlich veredelt.

  • Giuseppe Zigaina
    foto: folio

    Giuseppe Zigaina

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