Baxter beginnt mit Impfstoff-Herstellung

15. Juni 2009, 15:39
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Österreich hat Vorvertrag über Lieferung - Präparat könnte schon im Juli lieferbar sein - Gesundheitsministerium: "Es gibt keinen Auftrag zur Produktion"

Wien - Der US-Pharma- und Biotech-Konzern Baxter hat mit der Produktion eines Impfstoffes gegen die Schweinegrippe, die neue A(H1N1)-Influenza, in Bohumil in Tschechien begonnen. Dies teilte das Unternehmen Montagnachmittag mit. Österreich hat mit dem Unternehmen einen Vorvertrag für rund 16 Millionen Dosen einer Pandemie-Vakzine abgeschlossen. Die Technik stammt aus Vorarbeiten, die bereits bei der Immuno AG abliefen. Dieses Unternehmen wurde vor Jahren von Baxter übernommen. Das Biotech-Zentrum steht in Orth/Donau in Niederösterreich.

"Baxter International Inc. gibt bekannt, dass das Unternehmen die Untersuchungen und Tests des A/H1N1 Influenza-Virus abgeschlossen hat und die Produktion eines A/H1N1-Impfstoffs auf Grundlage der Vero-Zell-Technologie begonnen hat. Baxter hatte bereits Anfang Mai 2009 einen A/H1N1 Stamm von den U.S. Centers for Disease Control and Prevention, einem Referenzlabor der Weltgesundheitsorganisation WHO erhalten und arbeitete seitdem zügig daran, einen pandemischen Impfstoff bereits im Juli liefern zu können", hieß es Montagnachmittag in einer Aussendung.

Die WHO hat am vergangenen Donnerstag die Pandemie-Warnstufe 6 und damit eine globale Influenza-Pandemie mit dem 2009 A/H1N1 Viren-Stamm ausgerufen. Damit stellt sich auch die Frage der Bereitstellung von Impfstoffen. Daran arbeiten mehrere Pharmakonzerne weltweit. Am vergangenen Freitag hat der Schweizer Pharmakonzern Novartis bekanntgegeben, dass man die ersten zehn Liter einer Pandemie-Vakzine mit einem Wild-Virus hergestellt hätte.

Mit WHO in Kontakt

"Baxter steht bezüglich der Pandemie mit der WHO und anderen globalen Gesundheitsbehörden in Kontakt. Eine Reihe von nationalen Gesundheitsbehörden haben Pandemie-Übereinkommen mit Baxter abgeschlossen. Diese ermöglichen es ihnen jetzt - in der WHO Pandemie-Warnstufe 6 - H1N1 Impfstoffe bei Baxter zu bestellen", hieß es in der Aussendung weiter.

Die nationalen Gesundheitsbehörden würden ihren Bedarf evaluieren und den Umfang ihrer festlegen. "Neben diesen bestehenden Vereinbarungen, fühlt sich Baxter auch verpflichtet, mit der WHO zu kooperieren um einen Teil seiner Produktionskapazitäten für besonders dringliche Bereiche der öffentlichen Gesundheit auf globaler Ebene einzusetzen", hieß es in der Aussendung weiter.

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMEA hat Baxter für den Modell-Pandemie-Impfstoff "Celvapan", der mittels Vero-Zell-Technologie produziert wird, die Zulassung erteilt. Die Qualifikations-, Entwicklungs- und Herstellungsprozesse, die bei der Erlangung einer Modell-Registrierung zum Einsatz kommen, gelten auch für die Verwendung des neuen A/H1N1-Virenstamms zur Entwicklung und Produktion eines Pandemie-Impfstoffes. Das ermöglicht eine schnelle Zulassung für einen A/H1N1-Impfstoff. Das Unternehmen: "Baxter wird den A/H1N1 Impfstoff nach Abschluss des ersten Produktionsdurchgangs zur Zulassung einreichen."

Rekordzeit möglich

Ist die neue Vakzine wirklich im Juli bereits lieferbar, könnte das - ähnlich wie die Projekte anderer Pharmakonzerne mit Zellkultur-Impfstoffen gegen die neue Influenza - eine Rekordzeit darstellen. Bekanntgeworden ist das Auftreten der Schweinegrippe erst Ende April. Eine Zeitraum innerhalb von drei Monaten galt bisher mit der Technologie der Impfstoffherstellung auf Hühnerembryonen als nicht erreichbar.

 

Die Mitteilung von Baxter, dass die Produktion bis Juli möglich ist, ändert nichts an der Prävention in Österreich. Vom Gesundheitsministerium gibt es keinen Auftrag für eine Versorgung mit dem Impfstoff, weiterhin aufrecht ist allerdings ein Vorvertrag über eine Versorgung mit dem Vakzine im Bedarfsfall. Dies erklärte die Sprecherin des Ressorts.

"Es gibt keinen Auftrag zur Produktion", betonte Sigrid Rosenberger, Sprecherin von Gesundheitsminister Alois Stöger (S) am Montag. Man sei gut gewappnet durch den Vorvertrag, das ständig tagende Expertenteam beurteile die Lage aktuell. "Was im Herbst ist, das ist jetzt einfach viel zu früh", so die Antwort auf die Frage zu Vorbereitungen für die Grippewelle in der kalten Jahreszeit. In dieser ist laut Experten ein Anstieg der Infektionen in der nördlichen Hemisphäre möglich. Die nächste Sitzung der Experten findet am Dienstag statt. "Das Ministerium kommentiert nicht, was Baxter macht", so Rosenberger zur Bekanntgabe der Impfstoff-Produktion durch die Pharmafirma bis Juli. "Das ist die Sache des Unternehmens", fügte sie hinzu. (APA)

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