Schuss auf Polizei bei Hausdurchsuchung

15. Juni 2009, 20:43
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Schütze aus Indien in Rudolfs­heim-Fünfhaus festgenommen - mit Video

Wien - Nach der Schießerei in einem Wiener Gebetshaus einer indischen Glaubensrichtung, bei der am 24. Mai ein Prediger getötet wurde, hat die Polizei am Montag neun Hausdurchsuchungen im Raum Wien durchgeführt. Dabei wurde in Rudolfsheim-Fünfhaus ein Inder festgenommen, der beim Eintreffen der Kräfte von Wega und Cobra einen Schuss auf die Beamten abgab, sagte Polizeisprecher Michael Takacs. Getroffen wurde niemand, der Mann sei sofort überwältigt und festgenommen worden.

Schüsse durch die Türe

Bei dem Mann handelt es sich um den 26-jährigen Amrit S., österreichischer Staatsbürger indischer Abstammung. Der Mann bemerkte offenbar, wie sich gegen 13.00 Uhr ein Cobra-Team vor seiner Haustüre im Parterre positionierte und gab zwei Schüsse durch die geschlossenen Holztüre ab, sagte Polizeisprecher Michael Takacs. Die Kugeln segelten zwischen den Beamten durch das Fenster in den Innenhof und blieben dort in einer frei stehenden Mauer stecken. Zum Glück wurde niemand getroffen.

Unmittelbar danach wurde der 26-Jährige von den Beamten überwältigt und festgenommen. "Warum er geschossen hat, ist derzeit noch unklar", so Takacs. Die Durchsuchung wurde durchgeführt, da man Verbindungen zu den bereits verhafteten Tätern vermutete. "Hier liegen wir offenbar richtig", so der Polizeisprecher. Es habe einen Kontakt zu den sechs inhaftierten Verdächtigen gegeben, der genaue Zusammenhang müsse noch geklärt werden. Der Anhänger der indischen Glaubensströmung Sikh hatte für die Waffe, eine Glock 9 mm, einen österreichischen Waffenschein. In der Wohnung wurden zahlreiche weitere Schuss- und Stichwaffen sichergestellt. Amrit S. war in der Wohnung gemeldet und alleine anwesend. Bei den restlichen Hausdurchsuchungen gab es laut Polizei keine Gegenwehr.

Ziel der Hausdurchsuchungen war es, weitere Beweise gegen die sechs unmittelbar nach der Tat festgenommenen Inder zu erlangen, erklärte Takacs. Was der am Montag festgenommene Mann mit der Tat zu tun haben könnte bzw. warum er auf die Polizei das Feuer eröffnet hatte, muss noch ermittelt werden. Sichergestellt wurden in den durchsuchten Wohnungen unter anderem Schusswaffen und Messer, Details werden erst nach einer weiteren Untersuchungen bekanntgegeben. Fest steht jedenfalls, dass eines der Fahrzeuge der mutmaßlichen Täter gefunden wurde - ein roter Nissan Almera. Mehrere Spuren, die auf mindestens dreier Täter hinweisen, wurden in dem Wagen gefunden.

U-Haft für bereits entlassenen Inder

Einer der kurz nach der Tat festgenommenen mutmaßlichen Täter wurde am 5. Juni mangels Tatverdacht vorübergehend enthaftet, am Sonntag wurde über den 33-Jährigen erneut die U-Haft verhängt. In der Zeit dazwischen befand sich der Verdächtige in Schubhaft. Die Beweislage gegen den Mann hat sich laut Polizei durch die Fortführungen der Erhebungen erhärtet. Über das Motiv der Bluttat gebe es nach wie vor keine gesicherten Aufschlüsse. Dass möglicherweise ein Mordauftrag vorgelegen habe, könne man nicht bestätigen, betonte Polizeisprecher Michael Takacs. "Wir schließen gar nichts aus."

Acht von der Staatsanwaltschaft angeordneten Hausdurchsuchungen fanden laut Polizei am Montag um 13.00 Uhr zeitgleich in ganz Wien, unter anderem in der Leopoldstadt und in der Donaustadt statt. Zusätzlich wurde in einer weiteren Wohnung eine freiwillige Durchsuchung durchgeführt. Neben den offiziellen Wohnorten der bereits inhaftierten mutmaßlichen Täter durchsuchten Kräfte der Wega und der Cobra mit AGM-Beamten unter Leitung des Landesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) weitere Aufenthaltsorte der sechs Männer bzw. weiterer Verdächtiger. Der Haupttäter, der auf die Prediger geschossen haben soll, liegt nach wie vor in einem Wiener Spital im künstlichen Tiefschlaf. Einer der Gebethausbesucher dürfte ihm im Tumult aus der eigenen Waffe einen Kopfschuss zugefügt haben.

Die für den Fall zuständige Ermittlergruppe wird mittlerweile als eigene Soko "Punjab" geführt. Ravi Dass, die Glaubensrichtung des betroffenen Gebetshauses, wird vor allem in dem indischen Bundesstaat Punjab ausgeübt. Die Verdächtigen stammen direkt aus der Region oder der näheren Umgebung.

Am 24. Mai war während einer Predigt in einem Ravi Dass-Gebetshaus in der Pelzgasse in Rudolfsheim-Fünfhaus der in seiner Heimat bekannte indische Prediger Sant Rama Anand (Nand) getötet worden. Der ebenfalls aus Indien angereiste Führer der Glaubensströmung Sant Niranjan Dass wurde durch zwei Schüsse lebensgefährlich verletzt, zehn weitere Anwesende - darunter vor allem die mutmaßlichen Täter - erlitten zum Teil ebenfalls schwere Verletzungen. Sechs Verdächtige wurde unmittelbar nach der Tat festgenommen. Der Prediger Dass konnte das Spital am 3. Juni verlassen, er kehrte am selben Tag gemeinsam mit dem Leichnam von Anand zurück nach Indien. (APA)

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