"Brüno"-Charakter spaltet Homosexuellen-Verbände

15. Juni 2009, 13:38
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Sacha Baron Cohens provokante Satire eines österreichischen Modejournalisten wird schon vor dem Filmstart am 10. Juli geklagt

Wien/New York - Mit seiner Darstellung eines offensiv homosexuellen österreichischen Modejournalisten namens "Brüno" spaltet Sacha Baron Cohen ("Borat") noch vor dem - auch österreichischen - Filmstart am 10. Juli die US-amerikanischen Homosexuellen-Verbände. Der Versuch, in seinem Film die amerikanische Homophobie satirisch aufzuzeigen, sei "wohlmeinend", meinte etwa ein Vertreter der "Gay and Lesbian Alliance Against Defamation" zur "New York Times", "aber an vielen Stellen problematisch oder sogar geradewegs beleidigend".

Positives Echo bei ersten Vorführungen

Gerade jenes Publikum, dessen Vorurteile im Film aufs Korn genommen werden, könnte sich in ihnen noch bestätigt sehen, so die Befürchtung. "'Brüno' benutzt provokante Comedy um ein Licht auf die Absurdität von Intoleranz und Ignoranz wie der Homophobie zu werfen," lautet das offizielle Statement der Produktionsfirma Universal. Erste Vorführungen des noch unfertigen Films vor Mitgliedern von Homosexuellen-Verbänden hätten ein sehr positives Echo erfahren. "Ich glaube, von allen Minderheiten-Gruppen sind Homosexuelle am meisten in der Lage, über sich selbst zu lachen", meinte auch die Aktivistin Cathy Renna.

Ärger bei Wohltätigkeits-Bingo

In Hotpants, Leoparden-Bikini und nackt auf einem Einhorn reitend wird "Brüno" in den Vorschauen gezeigt, im Film konfrontiert er seine - wie Universal versichert - unwissenden "Opfer" mit der aggressiven Auslebung seiner sexuellen Neigungen. So interviewte er etwa den texanischen Politiker und ehemaligen republikanischen Präsidentschaftskandidaten Ron Paul unter dem Vorwand, über österreichische Wirtschaft sprechen zu wollen, und zog sich letztlich bis auf die Unterwäsche aus. Auch die erste Klage hat "Brüno" bereits am Hals - wegen einer Szene bei einem Wohltätigkeits-Bingo-Turnier, wo er das schon ältere Publikum mit vulgären Sprüchen verärgerte. Für Kontroversen sorgte auch eine Szene, die ihn beim Sex in der Badewanne zeigt, während ein Baby unmittelbar danebensitzt.

Rascher Einstellungswechsel

"Ich glaube nicht, dass irgendeine konservative Gruppe 'Brüno' benutzen würde, um zu zeigen, wie schrecklich schwule Menschen sind", sagte Homosexuellen-Rechtler Frank Voci zur "New York Times". Vielmehr stelle er die überschießend heftigen Reaktionen auf solches Verhalten bloß. "Der Film macht etwas sehr wichtiges, nämlich zu zeigen, dass sich die Haltung der Leute in sekundenschnelle ändert, wenn sie merken, dass man schwul ist", lobte auch Aaron Hicklin, Chef des "Out"-Magazins gegenüber der "New York Times", wo Baron Cohen auch auf dem Cover der August-Ausgabe prangen wird. "Die Multiplexx-Masse würde sich normalerweise nicht hinsetzen und sich eine zweistündige Vorlesung über Homophobie anhören - aber genau das wird passieren." (APA)

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    Sacha Baron Cohen nach "Borat" als neuer Charakter "Brüno".

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