15-Jährige von Wiener Polizisten verletzt

15. Juni 2009, 13:29
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Amtshandlung im Zuge einer Fahrscheinkontrolle - Angeklagter Kriminalist bestreitet Vorfall

Wien - Von der gewalttätigen Seite hat eine 15 Jahre alte Schülerin die Wiener Polizei kennengelernt. Ein Kriminalbeamter musste sich am Montag wegen Körperverletzung im Straflandesgericht verantworten, weil er die 15-Jährige heftig an den Armen gepackt und geschüttelt, dann in einen Überwachungsraum der Wiener Linien gestoßen und dort in eine Ecke geschubst und niedergebrüllt haben soll. Der Angeklagte bekannte sich "nicht schuldig".

Die Mutter der Schülerin und die 15-Jährige waren am 4. Dezember 2008 bei der U-Bahn-Station Reumannplatz in eine Fahrscheinkontrolle der Wiener Linien geraten. Die Frau konnte kein gültiges Ticket vorweisen, wollte nach ihren Angaben aber gerade an der Vorverkaufsstelle eine Monatskarte kaufen. Die Diskussion mit den Kontrolloren der Wiener Linien führte zu nichts, diese forderten schließlich Verstärkung an, worauf mehrere Kriminalbeamte in Zivil die Szene betraten.

Eine wegwerfende Handbewegung in seine Richtung, möglicherweise auch ein Schimpfwort der 15-Jährigen dürften einen korpulenten, groß gewachsenen Polizisten wütend gemacht haben. Eine völlig unbeteiligte Zeugin schilderte nun jedenfalls dem Gericht, wie dieser ohne für sie nachvollziehbaren Grund das Mädchen von der Mutter wegzerrte, in den Wachraum "abführte" und wie der Mutter der Zutritt in diese Räumlichkeit verwehrt wurde.

"Gepackt und geschüttelt"

"Er ist auf mich losgegangen, hat mich gepackt und geschüttelt", erinnerte sich das kleingewachsene, eher zierliche Mädchen. Im Überwachungsraum habe sie der Mann "ins Eck geschleudert und angeschrien, weil er gesagt hat, ich hätt' ihn beschimpft. Aber das stimmt nicht". Sie sei dabei an einen Tisch angestoßen, erzählte die Schülerin: "Vor Angst konnte ich nichts sagen." Erst nach rund zehn Minuten habe sie den Raum wieder verlassen dürfen.

Die Verletzungen des Mädchens sind objektiviert. Im Spital, das sie nach dem Zwischenfall aufsuchte, wurden Zerrungen und Rötungen an Rücken, Schulter und am linken Fuß festgestellt.

Der Angeklagte behauptete, den inkriminierten Zwischenfall habe es nie gegeben. Möglich, dass ihn das Mädchen verwechsle. Er sehe die 15-Jährige zum ersten Mal. Diese und ihre Mutter erkannten ihn allerdings "hundertprozentig" wieder, wie sie versicherten.

Auf die Frage, ob sie sich dem Strafverfahren als Privatbeteiligte anschließen und auf diesem Weg Schmerzensgeld geltend machen wolle, meinte die Schülerin: "Es reicht, wenn er sich bei mir entschuldigt." Die Verhandlung wurde zur Einvernahme weiterer Zeugen auf unbestimmte Zeit vertagt. (APA)

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