Entführung: Tod dreier Geiseln bestätigt

15. Juni 2009, 21:58
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Zwei Deutsche und eine Süd­koreanerin - Suche nach übrigen Entführten fortgesetzt

Sanaa - Das jemenitische Innenministerium hat den Tod von zwei Deutschen und einer Südkoreanerin bestätigt. Berlin bestätigte am Dienstag, dass es sich bei zwei der Toten um Deutsche handelt. Die Leichen der drei entführten Frauen seien gefunden worden, teilte das Innenministerium am Montag auf einer Internetseite des Verteidigungsministeriums mit, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete. Nach Berichten der AFP wurden sieben Entführte getötet, laut AP sogar alle neun.

Die sterblichen Überreste der drei Frauen sind mittlerweile am Dienstag per Hubschrauber in die Hauptstadt Sanaa gebracht worden. Das berichteten Augenzeugen am Flughafen. Die Leichname der zwei deutschen Pflegehelferinnen und der koreanischen Lehrerin sollten nach Angaben des Gesundheitsministeriums zunächst zur Autopsie gebracht und dann in ihre Heimatländer übergeführt werden.

Suche nach Überlebenden

Die jemenitischen Behörden haben die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben, Überlebende des Entführungsdramas in der Provinz Saada zu finden. Ein Sicherheitsbeamter sagte in der Hauptstadt Sanaa, den Behörden lägen Erkenntnisse vor, wonach die noch vermissten Ausländer - ein deutsches Ehepaar, ein vierjähriger Bub und ein Brite - am Montagabend noch am Leben gewesen seien. Es sei unklar, ob sie sich noch in der Hand der Entführer befänden.

Am Sonntag hatten die Behörden mitgeteilt, unter den neun entführten Ausländern seien sieben Deutsche: ein Paar, ihre drei Kinder und zwei Krankenschwestern. Zudem waren demnach ein britischer Ingenieur und eine südkoreanische Lehrerin verschleppt worden. Den Angaben zufolge gehörten die Entführten einer internationalen Hilfsorganisation an, die seit 35 Jahren ein Krankenhaus in der an Saudi-Arabien grenzenden Provinz Saada betreibt.

Krankenhaus-MitarbeiterInnen

Die Ausländer, die für die niederländische Hilfsorganisation Worldwide Services arbeiteten, waren in einem Krankenhaus in Saada beschäftigt gewesen. Britische und niederländische Angehörige der medizinischen Hilfsorganisation Worldwide Services waren 1999 von Stammesangehörigen nördlich von Sanaa verschleppt worden. Sie kamen damals nach 17 Tagen Geiselhaft frei. Die jemenitische Regierung bezahlte damals nach Angaben der Kidnapper Lösegeld.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes erklärte in Berlin, das Ministerium könne die Berichte vorerst nicht bestätigen. Der Krisenstab in Berlin und die Botschaft in Sanaa bemühten sich mit Hochdruck um Aufklärung. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte in Berlin, die Angaben aus dem Jemen würden "eilig" überprüft. "Im Augenblick kann ich keine Bestätigung seitens der Bundesregierung geben."

Ein Stammesführer in der Region sagte, hinter der Tat stehe das Terrornetzwerk Al Kaida. Die jemenitischen Behörden gaben am Sonntag an, Mitglieder der Rebellenorganisation Huthi Saidi hätten die Ausländer entführt. Ein Sprecher der Organisation bestritt dies kategorisch und sprach von einer "Schmutzkampagne" der Regierung. In einer Erklärung auf der Website der Rebellen war von "inszenierten Entführungen" die Rede, auf die niemand hereinfallen werde.

In den vergangenen 15 Jahren wurden im Jemen mehr als 200 Ausländer entführt. Oft geht es dabei um Auseinandersetzungen mit der Regierung, in anderen Fällen wollen die Geiselnehmer inhaftierte Stammesmitglieder freipressen. Die Entführungen gingen im Gegensatz zum jetzigen Geiseldrama bisher meist glimpflich aus.

Erst am Freitag ließen Stammeskämpfer 24 einheimische und ausländische Helfer frei, die in einem von Saudi-Arabien finanzierten Krankenhaus arbeiteten und 24 Stunden zuvor entführt worden waren.

Al-Kaida-Finanzboss gefasst

Hassan Hussein Alwan, ein mutmaßlicher Finanzchef der Extremistenorganisation Al-Kaida, soll am Freitag festgenommen worden sein. Ein Vertreter der Sicherheitsbehörden berichtete am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters, dass der Saudi-Araber in der Ost-Provinz Marib, 190 Kilometer nordwestlich von Sanaa, aufgegriffen wurde. Er sei für die Finanzierung der Organisation in Saudi-Arabien und im Jemen verantwortlich gewesen und einer der "gefährlichsten Al-Kaida-Terroristen" .

In den letzten Monaten kam es im Jemen zu mehreren terroristischen Anschlägen: Im März fielen vier koreanische Touristen einem Selbstmordattentat in Shibam zum Opfer, ebenfalls im März starb ein Terrorist bei einem versuchten Selbstmordangriff auf der Straße zum Flughafen Sanaa. Am 17. September des Vorjahres wurde auf die US-Botschaft in Sanaa ein Terroranschlag verübt, bei dem zehn Menschen getötet wurde. (red/ APA/AFP/AP/Reuters/dpa)

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