Pölzl neuer Post-Chef

15. Juni 2009, 17:56
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Der T-Mobile-Manager wurde mit den Stimmen der Kapitalvertreter bis 2014 bestellt, die Betriebsräte haben gegen ihn gestimmt

Auf Georg Pölzl, ab Oktober neuer Post-Chef, warten keine leichten Aufgaben. Der T-Mobile-Manager wurde mit den Stimmen der Kapitalvertreter bis 2014 bestellt, die Betriebsräte haben gegen ihn gestimmt.

 

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Wien - Wenn Georg Pölzl, derzeit Chef des deutschen Mobilfunkers T-Mobile, am 1. Oktober seinen neuen Job als Chef der Österreichischen Post AG antritt, warten gleich mehrere Baustellen auf ihn: Der Steirer muss die mehrheitlich in Staatsbesitz stehende Post (53 Prozent gehören der ÖIAG, der Rest ist im Streubesitz) auf die Liberalisierung des Briefmarkts am 1. Jänner 2011 vorbereiten.

Es gilt, wieder Ruhe ins Unternehmen mit seinen 27.000 Beschäftigen und in den Vorstand zu bringen. Pölzl wird eine Gesprächsbasis zu den wortgewaltigen und mächtigen Personalvertretern suchen, genauso zu den politischen Vertretern in Ländern und Gemeinden. Und in Südosteuropa gilt es, für die Beteiligungen Strategien zu entwickeln.

Ganz zentral ist aber eine Lösung für die überzähligen Mitarbeiter. Weil 60 Prozent der Post-Mitarbeiter unkündbare Beamte sind, wird sich Pölzl gemeinsam mit Telekom und ÖIAG wohl zu einem Schulterschluss durchringen müssen. Schließlich muss er den Spagat zwischen den dringend notwendigen Investitionen und den für den Bund notwendigenDividendenzahlungen schaffen. Auch der künftige Sitz der Post steht zur Debatte. Derzeit residiert sie in derWiener Innenstadt in einem Kloster aus dem Mittelalter, was den Ansprüchen nicht gerecht wird. Überlegt wird, auf der Post-eigenen Liegenschaft in der Rasumovskygasse in Wien-Landstraße eine neue Bleibe, denPost-Tower, zu errichten.

Pölzl wurde am Montag vom Aufsichtsrat gewählt, alle acht Kapitalvertreter waren für, alle vier Betriebsräte gegen ihn. Post-Aufsichtsratsmitglied und Gewerkschafter Gerhard Fritz kritisiert vor allem die Tatsache, dass der nächste Post-Chef seinen Job erst am 1. Oktober antreten wird, "angesichts der notwendigen Änderungen ist das viel zu spät. Bis Pölzl eingearbeitet ist, wird ein Jahr vergehen", so Fritz. Der Wirtschaftsflügel der ÖVP wollte zunächst Post-Vorstandsmitglied Herbert Götz installieren, hat dann aber doch auf Pölzl umdisponiert. Angeblich hält man Pölzl für unabhängiger und "nicht eindeutig als Schwarzen punziert", wie ein mit dem Bestellungsvorgang Vertrauter meint. Die SPÖ hat keinen Kandidaten aus den eigenen Reihen ins Rennen geschickt, weil es angesichts der anstehenden Änderungen in der Post "keinen Blumentopf zu gewinnen" gibt, wie es im roten Umfeld hieß.

Mit Spannung wartet man auf die künftige Geschäfsteinteilung. Es wird davon ausgegangen, dass sich Pölzl mehrere zentrale Agenden ausbedungen hat. Interimschef Rudolf Jettmar bleibt Finanzchef der Post; sein Vertrag läuft bis Mitte 2012.(Claudia Ruff, Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.6.2009)

  • Georg Pölzl hatte nicht wirklich starke Mitbewerber im Kampf um den Job des Vorstandschefs bei der Post.
    foto: standard/andy urban

    Georg Pölzl hatte nicht wirklich starke Mitbewerber im Kampf um den Job des Vorstandschefs bei der Post.

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