Geld weg, Sündenbock her

15. Juni 2009, 16:56
  • Finanzdienstleistungsassisten in ihrer jetzigen Form sind ein österreichisches Spezifikum - und stehen vor dem Aus. Grund sind mangelnde Ausbildung und sich häufende Fehl-Beratung. Vorwürfe, die man in der Wirtschaftskammer so nicht hinnehmen will.
    foto: apa/helmut fohringer

    Finanzdienstleistungsassisten in ihrer jetzigen Form sind ein österreichisches Spezifikum - und stehen vor dem Aus. Grund sind mangelnde Ausbildung und sich häufende Fehl-Beratung. Vorwürfe, die man in der Wirtschaftskammer so nicht hinnehmen will.

Vermeintlich geprellt, über den Tisch gezogen und um das gute Geld gebracht, suchen Anleger gerade in Zeiten der Krise nach einem Schuldigen

Finanzberater und Finanzdienstleistungsassistenten (FDLA) stehen seit Monaten in der Kritik der Konsumenten. Vor allem Letztere mussten sich vermehrt Vorwürfe gefallen lassen, sie seien zu wenig geschult, verfügten über kaum Qualifikationen und stellten nur den eigenen Profit in den Vordergrund. Kurt Pribil, Vorstandsdirektor der Finanzmarktaufsicht (FMA) hört nicht erst jetzt alle Alarmglocken schrillen: "Anlageberater brauchen eine fundierte Ausbildung und müssen eng an ein einziges Unternehmen gebunden sein, damit dieses nicht nur die Verantwortung hat, sondern diese wegen der nachhaltigen Geschäftsbeziehung auch entsprechend wahrnimmt. Bei Wertpapierdienstleistungen geht es um das Ersparte der Menschen" (siehe dazu auch: Interview: "Die Beschwerden explodieren).

Der jüngste Gesetzesentwurf, nach dem der Berater erst nach Ablegung einer Prüfung Finanzprodukte verkaufen darf (liegt derzeit im Finanzministerium und soll im Herbst den Ministerrat passieren), heizt die Debatte über etwaige Fehl-Beratungen zusätzlich an. Ein Umstand, den Wolfgang K. Göltl, Obmann des Fachverbandes für Finanzdienstleister in der Wirtschaftskammer (WKÖ), nur bedingt nachempfinden kann. "Die Reputation der FDLA hat in den letzten Monaten tatsächlich massiv gelitten. Die Leute vergessen allerdings, dass dies genau zu dem Zeitpunkt einsetzte, als die weltweite Krise auch Österreich erreichte und die Börsen um zwei Drittel abstürzten." Wo liegt also die Wurzel des Übels?

Vertrauensverlust

Ein etwas differenziertes Bild ergibt sich aus einer aktuellen New-Wave-Umfrage unter 500 Österreichern: Demnach haben zwei von drei Österreichern das Vertrauen in ihren Finanzberater verloren und 42 Prozent der Befragten trauen ihrem Bankberater weniger als vor der Krise. New-Wave-Geschäftsführer Alexander Neumayer will dennoch kein Schwarz-Weiß-Bild der Situation malen: "Eine breit angelegte Studie hat bereits 2005/06 - also lange vor der Krise - gezeigt, dass Bankberater gegenüber Finanzberatern ganz allgemein einen Image-Vorteil hatten. Der Einbruch bei den Wertpapieren hat das Bild der Finanzberater nur verstärkt und bestätigt."

Die Vorgehensweisen bei Meinl European Land, Immofinanz und AWD trügen auch nicht unbedingt zu einem Sympathieplus bei. So ist auch die Zahl der Finanzberatungsfirmen, die unter FMA-Aufsicht stehen und eine Konzession brauchen seit 2002 von 339 auf 250 zurückgegangen. Mitgrund war das im November 2007 in Kraft getretene Wertpapieraufsichtsgesetz (WAG), das höhere Anforderungen an die Firmen stellt. Bei den von Neumayer genannten Firmen greift das WAG allerdings nicht, weil die strittigen Produkte bereits vor Inkrafttreten der Verordnung verkauft wurden.

Zusätzliche Gewährleistung

Derzeit bedarf ein FDLA weder spezieller Ausbildung noch eines Befähigkeitsnachweises und er darf für ein oder mehrere, von der FMA konzessionierte, Unternehmen tätig werden. Einzige Voraussetzung: Er muss volljährig sein und darf keine gerichtliche Verurteilung oder ein Insolvenzverfahren hinter sich haben. Göltl sieht den FDLA dennoch ausreichend geschult: "Ein Unternehmen, für das ein FDLA arbeitet, ist verpflichtet, dessen Wissen zu überprüfen - und zwar ständig." Die Gesetzesnovelle sei zwar sinnvoll, aber nicht mehr als eine zusätzliche Gewährleistung, dass von objektiver Stelle - sprich: von einer Prüfungskommission, die vom jeweiligen Landeshauptmann ins Leben gerufen wird - ein bestimmtes Mindeswissen verlangt wird. Um die Sicherheit für die Konsumenten zusätzlich zu erhöhen, plädiert die WKÖ auch für eine Erhöhung der Haftung der Organe der Emittenten.

Kommt es zu - bewussten - Fehlberatungen, werden die Gerichte eingeschalten. Wertpapierdienstleistungen sind durch Pflichthaftpflichtversicherungen abgesichert, Wertpapierfirmen haben per Gesetz ein sehr hohes Eigenkapital. Philipp Bohrn, ebenfalls vom Fachverband der Finanzdienstleister: "Die Eigenkapitalquoten liegen meist bei über 50 Prozent, die von Kreditinstituten liegen bei acht bis 14 Prozent. Bisher ist kein Fall bekannt, dass eine Wertpapierfirma Konkurs anmelden musste, weil sie den Schadenersatz nicht zahlen konnte." Nach Angaben der WKÖ arbeiten in Österreich 5.000 FDLA. Nicht enthalten sind in dieser Zahl jene FDLA, die einen Gewerbeschein als Vermögensberater, Versicherungsmakler oder Versicherungsagenten besitzen. Schwarze Schafe will Glötl in der Beraterszene kaum sehen, denn: "Ein Gewerbeschein allein nützt nicht viel. Jeder FDLA muss erst einmal eine Wertpapierfirma finden, die ihn unter sein Haftungsdach nimmt." (Sigrid Schamall, derStandard.at, 15.6.2009)

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Nur der Vollständigkeit halber

es heißt NEW WAYS und nicht "NEW WAVE".
http://www.new-ways.at

erlitt während des 2000 Crashes Verluste

dachte lange darüber nach, und suchte auch nach Ideen und Meinungen im Internet.

Mittlerweile komme ich zu Schluss, "ewiges Wachstum" gibt es nicht.

Was uns Politiker und Banker verkaufen wollen sind nur verschachtelte Lügengebäude, Geld kann nicht arbeiten!

Der Zinseszinseffekt wird oft mit natürlichem Wachstum verglichen, es wird aber wohlweislich verschwiegen das ein alter Baum sterben muß, bevor neue Baume an seiner Stelle wachsen können.

Es hat noch kein Baum den Himmel erreicht, das selbe gilt für die Zinseszinsen der Banken, sie sind eine Exponentialfunktion. Das kann nicht bis in alle Ewigkeit Gutgehen!

Es sei den der Wert des vielen Geldes veringert sich. Man nennt es auch Inflation.

7,13,21,22,36,40 Zusatzzahl 28

ich bin gepruefter Lotto und Casinoberater.

- Gewinn Garantiert -

*grins*

Die wahren Finanzfachleute sind eh schon Antikapitalisten geworden. :-DD

Ausbildung?

wenn ich mir denke, dass die Finanzdebakel der letzten Monate mit Trieben wie Gier und unvorhersehbaren Naturabläufen erklärt werden, scheint es an der Bildung in der Tat zu mangeln, vor allem, wenn jetzt wieder und aufgrund der Erklärungsmuster, so getan wird, als wäre nichts geschehen und als ginge alles weiter wie bisher. Nur die Köpfe der Laien sind halt noch etwas irritiert.

Ausbildung?

Ja wenn es daran liegt, dann ist es ja unveständlich, warum die Banken selbst auch so viel Geld verloren haben?

Sind die Menschen mittlerweile völlig unfähig geworden selbstständig zu denken?
Schön und gut das mir jemand sagt "das ist eine sichere Anlage mit 12% Gewinn im Jahr" und irgendwelche Graphen vorzeigt.
Wer sich keine Gedanken macht wie unser Finanzsystem funktioniert, hat nichts anderes verdient.

Selbst denken nicht denken lassen!

Sie würden mir ja auch nicht glauben wenn ich ihnen ein Wässerchen gebe und behaupten würde, durch das trinken von diesem könnten sie fliegen. Oder?

"Sind die Menschen mittlerweile völlig unfähig geworden selbstständig zu denken? "

(Ach, ja. hätte ich fast übersehen)

Ja, das ist Absicht. Wer nicht selber denkt, lässt sich leichter manipulieren. Oder wie es Grönemayer ausdrückt:

"Erst wenn der Fernseher aufhört zu denken, tut er, was man ihm sagt." oder so.

LG

"wie unser Finanzsystem funktioniert"

was bitte funktioniert hier?

Auch eine Fehlfunktion ist eine Funktion ;-)

Wo ist das Problem, wenn man sich von Fachleuten oder vermeintlichen Fachleuten beraten lässt. Ich kann selbst denken, suche aber einen Arzt auf, wenn ich gesundheitliche Probleme habe. Der AWD wurde massiv beworben - insbesondere als unabhängig (häufig und gerne auch im ORF). Den Kunden wurde vorgegaukelt, es handle sich um qualifizierte BErater.

Es geht eben nciht um die Jetti-Tante, die entscheidet, Aktien der Gesellschaft X zu kaufen.E s geht um Menschen, die aufgrund der Beratung behaupteter Experten investiert haben...

Beraten lassen und dies dann auch Umsetzen sind zwei Paar Schuhe....

Ja g'scheit sein

Hat mit selbst denken wenig zu tun, wenn Fachleute beraten - geht nicht um 12% und mehr, sondern um normale Renditen von 5-8%, leider sind die Verluste jetzt 50% und mehr, der sogenannte Innere Wert hat auf der Börse keinen Widerhall. Schjade, dass ich nicht Sie gefragt habe, Sie hätten es gewusst - schlciht und einfach falsch beraten (einschließlich Banken) und jetzt will man dafür nicht haften sondern sich darauf berufen, dass ja das Risiko eh bekannt war......

Nicht gelesen, was Sie unterschrieben haben?

Es ist halt immer so, dass sich heute niemand mehr im Wortlaut daran erinnern wird, was konkret und genau Sie mit einem Berater mündlich im Gespräch vereinbart haben.

Vor allem aber ist so eine Erinnerung nicht für einen Außenstehenden (zB über eine Schuld entscheidendes Gericht) nachvollziehbar, weshalb wohl oder übel die schriftlichen Dokuemente herhalten werden müssen, die ein Anleger unterschreibt und dem Inhalt somit auch zustimmt.

Dabei ist es gar nicht so unwahrscheinlich, dass darin sogar die Möglichkeit eines Totalverlusts eingeräumt wird - irgendwo im Kleingedruckten halt - weshalb ein jeder Anleger es genau wusste.

Merksatz fürs Leben: Nach einem Gespräch nichts zu den mündlichen Vereinbarungen Gegenteiliges unterschreiben.

Dafür ist es umso leichter, sich genau daran zu erinnern, was man in der Risikobelehrung unterschrieben habt. Und das kann auch treuherzigst schauende Anleger nicht verleugnen.

die 12% waren nur eine Hausnummer.

Ich hätte Sie niemals beraten, da ich soetwas prinzipiell nicht mache und die Menschen selbst Verantwortung übernehmen müssen.

Bei vorhandem Interesse kann alles verstanden werden. Deswegen haben für mich Berater im Allgemeinen keine Darseinsberechtigung. Wenn ich hin und wieder was verbocke, dann muss ich halt meinen eigenen Kopf gegen die Wand hämmern.

Simple

Man kanns auch gelassen hinnehmen und vielleicht das eingesetzte Geld gleich nach dem Kauf gedanklich abschreiben (man kann auch dazu sagen "nur Geld verwenden das man nicht anderwertig benötigt"),

und auch sollte man nicht mit den Phantasiegewinnen in den eigenen Träumen bereits mit dem gedanklichen Bau eines Hauses begonnen, sondern erstmal emotionslos nichts tun und denken, wenn man schon nicht den Verlust des Geldes eingeplant hat. (Dazu kann man sagen "das Risiko berücksichtigen")

Überhaupt ist es gut sich vielleicht auf einen Worst-Case einzustellen.

Denn so kann es (wahrscheinlich) doch nur besser werden. Und wenn nicht, dann hat man mit seiner Prognose zumindest eine Punktlandung (=Totalverlust) gemacht. Was gibt es Besseres?

mein vertrauen sinkt...

... seit mir eine bekannte (arbeitslose kellnerin) freudestrahlend erzählte sie arbeitet jetzt für/bei ertrag & sicherheit... wenn ich daran denke wie oft sie sich beim bezahlen verrechnet hat...

der bär

"Bisher ist kein Fall bekannt, dass eine Wertpapierfirma Konkurs anmelden musste, weil sie den Schadenersatz nicht zahlen konnte."

Es gibt immer ein Erstes Mal! *boshaftgrins* ;)

1 jahr vor dem platzen der meinl papiere

wollten mir zwei "berater", einer ein selbständiger makler, einer vom awd, sehr vehement die meinl papiere aufreden. auch eine kollegin hat nur den kopf geschüttelt, dass ich nicht 10% im jahr abcashen will (hier wäre es aber nur um einen kleinen ansparplan gegangen) und statt dessen auf sparbuch und bausparer setze. naja, ich lach jetzt nicht, aber ein zufriedenes schmunzeln lockt mir das ganze jetzt schon hervor ;-)

Mein Held !!

Nichts geht über eine Ausbildung......

Also 75% trauen ihrem freien Berater nicht, 42% ihrem Bankberater nicht mehr. Mehr Ausbildung wird nun verkündet, Prüfungen sind abzulegen, alles ganz nett, frage mich nur, ob es mit einer Prüfung genügt, dem Verkaufsdruck von "Oben" nicht nachzugeben? Und schon gibt es einen Werbebanner für die Finanzdienstleistungsakademie auf der Standard-Seite. Meine Einstiegsfrage, Unterschied zwischen Immofonds und Immoaktien?
http://immogeschaedigte.wordpress.com/2009/06/1... mmoaktien/

"Also 75% trauen ihrem freien Berater nicht, 42% ihrem Bankberater nicht mehr."

Die tiefetgehende Frage wäre dann noch: Wer davon ist bereit, jetzt - wo er kein Vertrauen mehr hat - in die eigene Weiterbildung zu investieren, um selbst qualifiziert ewntscheidne zu können? Definitiv keine 75%.

Demnach vertrauen noch immer 58% der Kunden ihrem Bankberater...
Kann ich absolut nicht verstehen!

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