Geld weg, Sündenbock her

  • Finanzdienstleistungsassisten in ihrer jetzigen Form sind ein österreichisches Spezifikum - und stehen vor dem Aus. Grund sind mangelnde Ausbildung und sich häufende Fehl-Beratung. Vorwürfe, die man in der Wirtschaftskammer so nicht hinnehmen will.
    foto: apa/helmut fohringer

    Finanzdienstleistungsassisten in ihrer jetzigen Form sind ein österreichisches Spezifikum - und stehen vor dem Aus. Grund sind mangelnde Ausbildung und sich häufende Fehl-Beratung. Vorwürfe, die man in der Wirtschaftskammer so nicht hinnehmen will.

Vermeintlich geprellt, über den Tisch gezogen und um das gute Geld gebracht, suchen Anleger gerade in Zeiten der Krise nach einem Schuldigen

Finanzberater und Finanzdienstleistungsassistenten (FDLA) stehen seit Monaten in der Kritik der Konsumenten. Vor allem Letztere mussten sich vermehrt Vorwürfe gefallen lassen, sie seien zu wenig geschult, verfügten über kaum Qualifikationen und stellten nur den eigenen Profit in den Vordergrund. Kurt Pribil, Vorstandsdirektor der Finanzmarktaufsicht (FMA) hört nicht erst jetzt alle Alarmglocken schrillen: "Anlageberater brauchen eine fundierte Ausbildung und müssen eng an ein einziges Unternehmen gebunden sein, damit dieses nicht nur die Verantwortung hat, sondern diese wegen der nachhaltigen Geschäftsbeziehung auch entsprechend wahrnimmt. Bei Wertpapierdienstleistungen geht es um das Ersparte der Menschen" (siehe dazu auch: Interview: "Die Beschwerden explodieren).

Der jüngste Gesetzesentwurf, nach dem der Berater erst nach Ablegung einer Prüfung Finanzprodukte verkaufen darf (liegt derzeit im Finanzministerium und soll im Herbst den Ministerrat passieren), heizt die Debatte über etwaige Fehl-Beratungen zusätzlich an. Ein Umstand, den Wolfgang K. Göltl, Obmann des Fachverbandes für Finanzdienstleister in der Wirtschaftskammer (WKÖ), nur bedingt nachempfinden kann. "Die Reputation der FDLA hat in den letzten Monaten tatsächlich massiv gelitten. Die Leute vergessen allerdings, dass dies genau zu dem Zeitpunkt einsetzte, als die weltweite Krise auch Österreich erreichte und die Börsen um zwei Drittel abstürzten." Wo liegt also die Wurzel des Übels?

Vertrauensverlust

Ein etwas differenziertes Bild ergibt sich aus einer aktuellen New-Wave-Umfrage unter 500 Österreichern: Demnach haben zwei von drei Österreichern das Vertrauen in ihren Finanzberater verloren und 42 Prozent der Befragten trauen ihrem Bankberater weniger als vor der Krise. New-Wave-Geschäftsführer Alexander Neumayer will dennoch kein Schwarz-Weiß-Bild der Situation malen: "Eine breit angelegte Studie hat bereits 2005/06 - also lange vor der Krise - gezeigt, dass Bankberater gegenüber Finanzberatern ganz allgemein einen Image-Vorteil hatten. Der Einbruch bei den Wertpapieren hat das Bild der Finanzberater nur verstärkt und bestätigt."

Die Vorgehensweisen bei Meinl European Land, Immofinanz und AWD trügen auch nicht unbedingt zu einem Sympathieplus bei. So ist auch die Zahl der Finanzberatungsfirmen, die unter FMA-Aufsicht stehen und eine Konzession brauchen seit 2002 von 339 auf 250 zurückgegangen. Mitgrund war das im November 2007 in Kraft getretene Wertpapieraufsichtsgesetz (WAG), das höhere Anforderungen an die Firmen stellt. Bei den von Neumayer genannten Firmen greift das WAG allerdings nicht, weil die strittigen Produkte bereits vor Inkrafttreten der Verordnung verkauft wurden.

Zusätzliche Gewährleistung

Derzeit bedarf ein FDLA weder spezieller Ausbildung noch eines Befähigkeitsnachweises und er darf für ein oder mehrere, von der FMA konzessionierte, Unternehmen tätig werden. Einzige Voraussetzung: Er muss volljährig sein und darf keine gerichtliche Verurteilung oder ein Insolvenzverfahren hinter sich haben. Göltl sieht den FDLA dennoch ausreichend geschult: "Ein Unternehmen, für das ein FDLA arbeitet, ist verpflichtet, dessen Wissen zu überprüfen - und zwar ständig." Die Gesetzesnovelle sei zwar sinnvoll, aber nicht mehr als eine zusätzliche Gewährleistung, dass von objektiver Stelle - sprich: von einer Prüfungskommission, die vom jeweiligen Landeshauptmann ins Leben gerufen wird - ein bestimmtes Mindeswissen verlangt wird. Um die Sicherheit für die Konsumenten zusätzlich zu erhöhen, plädiert die WKÖ auch für eine Erhöhung der Haftung der Organe der Emittenten.

Kommt es zu - bewussten - Fehlberatungen, werden die Gerichte eingeschalten. Wertpapierdienstleistungen sind durch Pflichthaftpflichtversicherungen abgesichert, Wertpapierfirmen haben per Gesetz ein sehr hohes Eigenkapital. Philipp Bohrn, ebenfalls vom Fachverband der Finanzdienstleister: "Die Eigenkapitalquoten liegen meist bei über 50 Prozent, die von Kreditinstituten liegen bei acht bis 14 Prozent. Bisher ist kein Fall bekannt, dass eine Wertpapierfirma Konkurs anmelden musste, weil sie den Schadenersatz nicht zahlen konnte." Nach Angaben der WKÖ arbeiten in Österreich 5.000 FDLA. Nicht enthalten sind in dieser Zahl jene FDLA, die einen Gewerbeschein als Vermögensberater, Versicherungsmakler oder Versicherungsagenten besitzen. Schwarze Schafe will Glötl in der Beraterszene kaum sehen, denn: "Ein Gewerbeschein allein nützt nicht viel. Jeder FDLA muss erst einmal eine Wertpapierfirma finden, die ihn unter sein Haftungsdach nimmt." (Sigrid Schamall, derStandard.at, 15.6.2009)

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