Gleichstellung muss im Haushalt beginnen

15. Juni 2009, 12:19
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Vollzeitbeschäftigte Männer arbeiten nur sieben Stunden im Haushalt - Vollbeschäftigte Frauen leisten hingegen 23 Stunden Hausarbeit

Brüssel - Die Gleichstellung von Frauen und Männer müsse im eigenen Haushalt beginnen, betonte EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla am Montag in Brüssel. Wenn Männer Vollzeit oder Teilzeit arbeiten, würden sie nur sieben Stunden zur Hausarbeit beitragen, wenn eine Frau vollbeschäftigt ist, seien es 23 Stunden, bei Teilzeitbeschäftigung sogar 32 Stunden, erklärte Spidla zu Beginn der zweitägigen EU-Gleichbehandlungskonferenz. Was die Wirtschaftskrise betrifft, seien derzeit Männer schwerer getroffen als Frauen, was darin begründet sei, dass in den betroffenen Wirtschaftsbereichen vorwiegend männliche Arbeitnehmer beschäftigt seien.

Gleichstellungsmaßnahmen ein Teil der Antwort auf die Krise

Dies habe die seit jeher bestehende Kluft zwischen Männern und Frauen auf den Kopf gesellt. Die Arbeitslosenquote beginne bei Männern erstmals jene der Frauen zu übersteigen. Dennoch verdienten immer noch Frauen weniger als Männer. Und Gleichstellungsmaßnahmen seien ein Teil der Antwort auf die Krise.

Jedenfalls werde angesichts der Wirtschaftskrise der Druck auf Schwache zunehmen. Hier sei es die politische Verantwortung, dem gegenzusteuern. Der Arbeitsmarkt werde nach der Krise "etwas anders aussehen" als bisher. Gerade in Zeiten der der Krise sei Gleichstellung ein "Grundprinzip", betonte Spidla. "Die Wirtschaftskrise bringt ja auch keine Erhöhung der Frauengehälter mit sich". Und wenn die Krise vorbei ist, werde der Unterschied bei den Löhnen wieder der gleiche sein wie vorher, "wenn wir nicht etwas dagegen tun". Bei der Konferenz gehe es auch darum, die bisherigen Schritte zu evaluieren und die nächsten notwendigen Maßnahmen festzulegen.

Keine Empfehlungen

Angesprochen darauf, ob er Empfehlungen für die osteuropäischen EU-Länder geben würde, winkte Spidla ab. Diese Staaten seien nicht als Einheit zu betrachten. "Man braucht keine Empfehlungen für Osteuropa. Innerhalb der baltischen Staaten schaut es unterschiedlich aus, und zwischen Tschechien und Ungarn auch". Was den Begriff osteuropäische Länder betrifft, relativierte der Kommissar diesen Begriff - "da liegt ja Wien östlicher als Prag".

Insgesamt sei die Situation in Europa im Verhältnis zu anderen Kontinenten sicher nicht schlecht. Aber es gebe noch viel zu tun, vor allem müssten die gesetzlichen Rahmendingungen in die Realität umgesetzt werden. Trotz allgemeiner Fortschritte gebe es weiterhin große Unterschiede. Als Beispiel führte Spidla an, dass fast 60 Prozent aller neuen Hochschulabsolventen Frauen sind. Dennoch verdienen Frauen EU-weit durchschnittlich 17 Prozent weniger als Männer. Mehr Frauen als Männer arbeiteten Teilzeit - 31,2 zu 7,7 Prozent. Und Frauen würden immer noch wesentlich weniger Führungspositionen - wenn überhaupt - besetzen. Darüber hinaus seien Frauen auch häufiger Opfer von Gewalt. (APA)

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    EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla: Gleichstellung von Frauen und Männer müsse im Haushalt beginnen.

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