Prozess um "verlangten Mord" in Korneuburg

15. Juni 2009, 12:27
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Laut Anklage tötete ein 36-Jähriger einen Freund auf dessen Verlangen durch zwei Schüsse in Brust und Kopf

Korneuburg - Wegen Mordes ist am Montag ein 36-jähriger Weinviertler vor Geschworenen am Landesgericht Korneuburg gestanden. Laut Anklage hatte er im Oktober 2008 einen Freund in Bad Pirawarth im Bezirk Gänserndorf auf dessen Verlangen durch zwei Schüsse in Brust und Kopf getötet. Der Mann gab mit tränenerstickter Stimme zu, geschossen zu haben, bekannte sich aber nicht des Mordes schuldig.

"Ich hab' ihm nur geholfen", schluchzte er. Die Anklage lautete weiters auf Versicherungsmissbrauch und unbefugten Waffenbesitz. Dem Staatsanwalt zufolge kannten die beiden einander etwa zwei Jahre. Das spätere Opfer litt an einer chronischen Darmerkrankung, die aber nicht lebensbedrohlich gewesen sei. Der Trafikant hatte wegen Spielsucht rund 220.000 Euro Schulden, allerdings auch eine hohe Lebensversicherung.

Bei einem Treffen im Oktober erzählte der 38-Jährige dann dem Beschuldigten von unheilbarer Krankheit, seinen finanziellen Problemen und Selbstmordabsichten. Er bat den damals 35-Jährigen, ihn zu erschießen, da er das wegen der Selbstmordklausel in der Lebensversicherung nicht selbst tun könne. Dafür versprach er dem Freund u.a. seine zwei Pkw, Schmuck, Handy, Bargeld und etliche Stangen Zigaretten.

Aus Sicht des Staatsanwalts wollte der Angeklagte einen finanziellen Vorteil aus seiner Handlung ziehen, weshalb der Tatbestand des Mordes erfüllt sei. Hingegen wandte sich der Verfahrenshelfer eindringlich an die Geschworenen, dass die rechtliche Bewertung der Tat entscheidend sei: Für Tötung auf Verlangen, die in diesem Fall vorliege, betrage der Strafrahmen sechs Monate bis fünf Jahre - auf Mord stehen zehn bis 20 Jahre oder lebenslängliche Freiheitsstrafe.

"Hochintelligent" seien beide nicht gewesen, meinte der Verfahrenshelfer. Die Tat sei gewissermaßen ein Freundschaftsdienst gewesen, sein Mandant habe sonst nicht viele Freunde gehabt. (APA)

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