"Tiefpunkt langsam in Sicht"

15. Juni 2009, 10:53
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Der Konjunkturindikator der BA steigt im Mai erstmals seit Mitte 2007 wieder an, bleibt aber deutlich im negativen Bereich

Licht am Ende des Krisen-Tunnels sehen die Ökonomen der Bank Austria. "Der seit Mitte 2007 anhaltende Abwärtstrend des Bank Austria Konjunkturindikators ist gestoppt. Nachdem sich bereits im April eine Stabilisierung angekündigt hatte, ist der Indikator im Mai um immerhin 0,4 Punkte auf aktuell minus 2,5 angestiegen", so der stellvertretende BA-Chefökonom, Stefan Bruckbauer, am Montag in einer Aussendung.

Der Indikator befindee sich aber weiterhin auf sehr tiefem Niveau und klar im negativen Bereich. "Die leichte Aufwärtsbewegung im Mai zeigt daher ausschließlich, dass sich die Talfahrt nach dem schlimmen Jahresbeginn nun langsam einzubremsen beginnt", so Bruckbauer.

Konsumenten wieder besser gestimmt

Die Trendwende habe sich auf breiter Basis vollzogen, denn alle Einzelkomponenten wiesen verbesserte Werte auf. "Insbesondere die Stimmung der österreichischen Konsumenten hat sich vom Allzeittief des Vormonats wieder entfernt." Grund dafür sei die Steuerreform, die mit 1. April in Kraft trat. Diese sei nun "in den Lohntüten spürbar, was die sich weiter verschlechternde Arbeitsmarktlage mehr als kompensierte".

Der österreichische Konjunkturmotor verliere derzeit allerdings noch weiter erheblich an Drehzahl. "Nach dem drastischen Rückgang des BIP zu Jahresbeginn um 2,6 Prozent zum Vorquartal ist die österreichische Wirtschaft auch in der Periode April bis Juni geschrumpft; mit einem Minus von geschätzten 0,5 Prozent jedoch bereits deutlich geringer als zuvor", meint Bank-Austria-Ökonom Walter Pudschedl. Der Einbruch in der Industrieproduktion habe sich Ende des ersten Quartals zu stabilisieren begonnen und der Rückgang bei den Exporten habe deutlich abgenommen.

Auch in der europäischen Industrie hat sich im Mai die langsame Aufhellung der negativen Geschäftserwartungen fortgesetzt. "Weniger stark zurückgehende Neuaufträge, geringer schrumpfende Auftragspolster und etwas günstigere Preistrends stützten eine leichte Verbesserung, die sich auch in der Stimmung der heimischen Industrie niederschlug", heißt es in der Aussendung weiter.

2010 BIP-Rückgang von 0,3 Prozent erwartet

Nach Einschätzung der BA-Ökonomen ist auch im zweiten Halbjahr mit einem - wenn auch nur leichten - Rückgang des BIP zu rechnen. Erst nach dem Jahreswechsel dürfte die österreichische Wirtschaft wieder auf einen verhaltenden Wachstumspfad einschwenken können. Entscheidend dafür sei die Entwicklung der globalen Nachfrage, die sich in einem dann zunehmend von geld- und fiskalpolitischer Verknappung geprägten Umfeld nur moderat beleben wird. "Nach dem deutlichen Minus um 3,5 Prozent im laufenden Jahr 2009 ist auch im nächsten Jahr kein Wirtschaftswachstum zu erwarten. Wir gehen für 2010 von einem geringen BIP-Rückgang um 0,3 Prozent aus", meint Bruckbauer. "Da mittelfristig nur mit einer zurückhaltenden Konjunkturaufhellung zu rechnen ist, wird die österreichische Wirtschaft erst in etwa vier bis fünf Jahren wieder das reale Wohlstandsniveau von vor Beginn der Krise erreicht haben." (red)

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    grafik: ba
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