Fix: Strasser leitet VP-EU-Delegation

15. Juni 2009, 11:03
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Karas mit Ersatz-Ämtern vertröstet: Leitung des Bürgerforums und Sitz im Parteivorstand - Mit Video

Die Volkspartei demonstriert Harmonie. Parteichef Josef Pröll stellte sich betont gut gelaunt zwischen seine zwei "Streithansln": rechts Ernst Strasser, Spitzenkandidat bei der EU-Wahl, links Othmar Karas, Sieger nach Vorzugsstimmen. Sogar im Lächeln liefern sie sich einen Wettkampf.

Illustrative Harmonie

Die ÖVP übt sich eine Woche nach ihrem Wahlsieg bei der EU-Wahl in symbolischer Eintracht. Volksparteichef Pröll sagt, wie es bei dieser auch bleiben soll. Karas wird ein "Bürgerforum Europa" in der Parteiakademie einrichten, und man werde ihn dabei unterstützen, Vizepräsident der Europäischen Volkspartei zu bleiben. Und, fast hätte es Pröll vergessen: "Die Vorzugsstimmen sollen sich im Parteivorstand widerspiegeln." Dort soll Karas einziehen und bei den Vorbesprechungen zum Ministerrat mitwirken dürfen.

Karas wird also alles Mögliche, nur nicht das, was er werden wollte: Delegationsleiter der ÖVP in Europa. Das wird nun endgültig Strasser, Prölls Wunschkandidat.

Jobs "kein Selbstzweck"

"Ich will keinen meiner Freunde in Verlegenheit bringen", sagt Karas dann in Hinblick auf die Wahl zum Delegationsleiter. Er wird entgegen früherer Kampfansagen nicht antreten. In einem Team von sechs EU-Abgeordneten sei ihm "gedeihliches Arbeitsklima ein sehr hohes Gut", gießt Karas seine parteiinterne Niederlage in schöne Worte. "Jobs sind ein Instrument, kein Selbstzweck."

Das Paket an Jobs wiederum, mit denen Karas vertröstet werden soll, stamme laut Parteichef Pröll von Karas selbst. Sie hätten sich in einem Vier-Augen-Gespräch darauf geeinigt. Auf die Journalistenfrage, worin nun die Honorierung für die fast 110.000 Vorzugsstimmen für Karas bestehe, gibt es freilich keine schlüssige Antwort.

"Arbeitskreise"

Karas selbst verspricht, sich künftig noch mehr in die Europapolitik seiner Partei sowohl in Brüssel als auch in Wien einzumischen. In seinem Bürgerforum, für das er in der Parteiakademie freie Hand bekommt, werde er Arbeitskreise einrichten und zu Symposien laden.

Ein Journalist fragt Strasser, ob jetzt neben dem Multi-Funktionär Karas die Delegationsleitung nicht bloß zu einer Hülle verkomme. "Da bleibt einiges übrig", ist Strasser zuversichtlich. "Niemand kann alleine in der Welt Berge versetzen", fabuliert Karas, und Parteifreund Strasser lobt mit todernster Miene die "ausgefeilte Strategie" der Parteizentrale. Einig sind sich Pröll, Karas und Strasser, dass die Sorgen der Bürger viel wichtiger als Posten seien.

Sicherheitshalber, erzählt Strasser, habe Karas vergangene Woche trotzdem schon zwei Tage in Brüssel verbracht, um bei den europäischen Christdemokraten Werbung für sich selbst als Vizepräsident zu machen. (kap, derStandard.at, 15.6.2009)

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    Foto: REUTERS/Heinz-Peter Bader

    Dekorative Harmonie: Die Parteifreunde Karas und Strasser legten zur Freude ihres Parteichefs Pröll einen Streit bei, den es offiziell nie gab.

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