Was die Qualitätssicherung braucht

15. Juni 2009, 09:49
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Eine neue Behörde soll schon bald die Zulassung von Privatunis, FH- und Universitätsstudien managen - FH-Rat, Akkreditierungsrat und die Qualitätssicherungsagentur Aqua sollen unter einem Dach vereint werden.

Grundlage der kommenden Qualitätssicherungsbehörde werde "ein gemeinsames Rahmengesetz" für die Institutionen des tertiären Bildungssektors sein. So ist es im aktuellen Regierungsübereinkommen vorgesehen, weiß Kurt Sohm, Geschäftsführer des Fachhochschulrats (FHR). Der Rat stehe dieser Zielsetzung positiv gegenüber, wobei "die europäischen Standards zu berücksichtigen" seien.

Entscheidend ist für ihn die Frage, welche Verfahren der Qualitätssicherung angewendet werden sollen - es gelte, "die Rahmenbedingungen der verschiedenen Institutionen" sinnvoll unter ein Dach zu bringen. Die geplante Reformierung des Marktzugangs sei "eine Chance", denn "auch auf dem FH-Sektor ist die Qualitätssicherung verbesserungswürdig".

Der Österreichische Akkreditierungsrat (ÖAR) begrüßt die "grundlegende Neugestaltung der Qualitätssicherung", sagt ÖAR-Präsidentin Hannelore Weck-Hannemann. "Das Ziel einer gemeinsamen Qualitätssicherungseinrichtung sollte sein, die gewachsenen Strukturen des Hochschulbereichs in ein sektorenübergreifendes Gesamtsystem zu integrieren. Nur so können einheitliche und vergleichbare Maßstäbe und Verfahren der Qualitätssicherung für alle Hochschulsektoren erreicht werden." Das System könne damit transparenter werden.

"Im Interesse der Rechtssicherheit und im Hinblick auf die Rechtswirkungen von Entscheidungen sollte die neue Qualitäts-sicherungseinrichtung Behördenstatus haben", fordert Weck-Hannemann. "Ihre Unabhängigkeit und Weisungsfreiheit muss gesetzlich gesichert sein." Bei der Zusammensetzung der Mitglieder solle der ÖAR Vorbild sein: "Ein Gremium mit ausgewiesenen Experten, das mindestens zu 50 Prozent aus internationalen Mitgliedern besteht. Die internationale Ausrichtung in Bezug auf die Arbeitsweise und Qualitätsstandards ist Garantie für eine nachhaltige Förderung der Qualitätsentwicklung des Hochschulsektors."

Vorbildliches Privatunisystem

Die ÖAR-Präsidentin schlägt eine Wahlfreiheit der Hochschulen vor: Sie sollten "auch ausländische Agenturen mit der Durchführung der Verfahren beauftragen" dürfen. Unabhängig davon solle die neue österreichische Einrichtung aber "die nationale Entscheidungskompetenz haben, um sicherzustellen, dass die verfassungsmäßig verankerte staatliche Verantwortung für die Qualität des Bildungssystems" gewahrt bleibe.

Das "in Europa als vorbildlich angesehene österreichische System" der Privatuni-Akkreditierung solle "nicht über Bord geworfen werden": Die Kombination, dass einerseits Institutionen, andererseits deren Programme akkreditiert werden, "hat sich bewährt, aber man könnte sich durchaus schlankere Verfahren für bereits gut aufgestellte Privatuniversitäten vorstellen", sagt Weck-Hannemann.

Für Heribert Wulz, Generalsekretär der Österreichischen Universitätenkonferenz, ist "zentral, dass wir kein nationales Monopol bekommen". Wie Weck-Hannemann findet er, die Unis sollten jedenfalls die Möglichkeit haben, "für die externe Qualitätssicherung auch eine Agentur aus dem internationalen Raum" zu wählen. (Bernhard Madlener, DER STANDARD, Printausgabe, 13./14.6.2009)

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