Rehabilitation für Lungen­kranke lebensrettend

15. Juni 2009, 10:09
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Körperliches Training verbessert die Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität der Patienten

Salzburg - Bei allen Fortschritten der Medizin sind die Behandlungsmöglichkeiten für Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen weiterhin beschränkt. Als fixer Bestandteil der Therapie hat sich in den vergangenen Jahren die pulmologische Rehabilitation inklusive Ausdauer- und Krafttraining etabliert. "Körperliches Training verbessert die Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität der Patienten", erklärte am Samstag der belgische Experte Thierry Troosters von der Abteilung für Rehabilitations-Wissenschaften der Katholischen Universität Leuven (Belgien) aus Anlass des Jahreskongresses der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) in Salzburg.

Maßnahmen zur Erhaltung der Leistungsfähigkeit wichtig

Bei der gegenwärtig weltweit beobachteten starken Zunahme von Leiden wie der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), deren Fortschreiten mit einem zunehmenden Verlust an Lungenkapazität medikamentös bestenfalls gebremst werden kann, gewinnen zusätzliche Maßnahmen zur Erhaltung bzw. zum Wiedergewinn einer möglichst großen körperlichen Leistungsfähigkeit zusätzliche Bedeutung. Troosters: "Die pulmonale Rehabilitation ist zu einem integralen Bestandteil der Versorgung von COPD-Patienten geworden. In Europa werden immer mehr solcher Programme etabliert. Es gibt aber noch eine große Bandbreite, was den Umfang und die Bezahlung der Rehabilitation betrifft."

Umfassende Betreuung von Bedeutung

Allerdings sollte es sich bei solchen Aktivitäten um eine umfassende Betreuung handeln. Der belgische Fachmann: "Rehabilitation ist aber mehr als Intervall-, Ausdauer- und Krafttraining allein. Dazu gehören auch soziale Unterstützung, Anleitung für einen gesünderen Lebensstil, bessere Ernährung, Hilfe zum Selbst-Management der Erkrankung und Unterstützung, was Beschäftigung bzw. das Arbeitsleben betrifft."

Trainings-Programm

Was zu solchen Programmen gehören sollte:

- Körperliches Training über mindestens acht Wochen hinweg mit zumindest drei Trainingseinheiten pro Woche. Längere Programme sind wirkungsvoller. Das Training kann mit Sauerstoffgabe oder ohne erfolgen.

- Raucher-Entwöhnung, wenn notwendig.

- Lernprogramme, damit die Patienten ihre Erkrankung möglichst weitgehend selbst managen können.

- Information über richtige und angepasste Ernährung.

- Soziale Hilfe und Unterstützung in Fragen der Beschäftigung.

Individuelles Programm  für jeden Patienten

Troosters: "Wichtig ist, dass ein solches Programm jeweils auf die Bedürfnisse des einzelnen Patienten abgestimmt ist." Wissenschaftliche Studien haben den enormen positiven Effekt eindeutig belegt. So hat der belgische Experte mit Co-Autoren erst vor kurzem eine Meta-Analyse von sechs Studien mit Vergleich der Ergebnisse bei COPD-Patienten (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) mit bzw. ohne Teilnahme an Rehabilitationsprogrammen durchgeführt.

Sterblichkeit sank um 71 Prozent

Die Ergebnisse: Die Häufigkeit weiterer Spitalsaufnahmen sank um 87 Prozent. Bei drei behandelten Patienten wurde bereits eine Hospitalisierung eingespart. Die Sterblichkeit von Patienten mit schwerer COPD reduzierte sich um 71 Prozent. Die Rehabilitation von sechs Patienten verhinderte einen Todesfall.

Hohe Erfolgsraten

Das sind Erfolgsraten, wie sie in der Medizin nur selten zu finden sind, besonders selten bei chronischen Erkrankungen. Insgesamt kann man davon ausgehen, dass richtiges körperliches Training sowie die übrigen Bestandteile eines solches Programms bei COPD-Patienten die Spitzen-Belastungsfähigkeit um fast 20 Prozent erhöhen, die Sauerstoffaufnahme um elf Prozent und gesamt körperliche Leistungsfähigkeit 80 und mehr Prozent. Troosters: "Die Effekte sind bewiesen. Die Herausforderung liegt jetzt darin, wie man solche Programme breit ausrollt und wie man die Betroffenen dazu bringt, ihren gesamten Lebensstil zum Positiven zu verändern." (APA)

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