#CNNFail: Der Iran und das Versagen der klassischen Medien

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Soziale Netzwerke berichteten von Wahlbetrug und Protesten als CNN und Co. noch brav den Sieg von Ahmadi-Nejad verkündeten

Noch bevor Ende vergangener Woche die Wahllokale im Iran geschlossen wurden, war die Welt der sozialen Netzwerke bereits voll von Berichten über angeblichen massiven Wahlbetrug zugunsten des bisherigen - und nach offizieller Darstellung auch neuen - Amtsinhabers. So sorgte vor allem die Verlautbarung immer neuer Auszählungsergebnisse mit der exakt selben Prozentverteilung zugunsten von Mahmoud Ahmadi-Nejad für Kopfschütteln, ist so etwas doch angesichts der regionalen Verteilung statistisch praktisch unmöglich. Auch sonst verdichtete sich schnell ein Bild von zahlreichen "Unregelmäßigkeiten" und "Auffälligkeiten".

Unterschiede

Doch wer dann mal vom Computer zum Fernsehen wechselte, wähnte sich umgehend in einer anderen Welt: Brav wurde auf praktisch allen Sendern der offizielle Wahlsieg von Ahmadi-Nejad verkündet, die Vorwürfe des Wahlbetrugs wurden ebenso wie die ersten aufkommenden Proteste bestenfalls am Rande erwähnt. Dabei bildeten selbst Medien, die üblicherweise eine umfangreiche Berichterstattung aus dem mittleren Osten liefern keine Ausnahme.

#CNNFail

So war etwa bei CNN praktisch den gesamten Samstag nichts von den immer stärker werdenden Auseinandersetzungen zu hören, auch auf der Webseite des Nachrichtensenders dominierten andere Themen. Während in Teheran heftige Straßenschlachten tobten, informierte der Online-Auftritt von CNN lieber über die Unwägbarkeiten des Umstiegs von Analog- auf Digital-TV.

Kritik

Die Reaktion der Online-Community ließ nicht lange auf sich warten: Unter dem Hashtag #CNNFail wurde auf die fehlende Berichterstattung des Senders aufmerksam gemacht. Das Tech-Blog ReadWriteWeb brachte die Situation wohl mit der Überschrift "Dear CNN, Please Check Twitter for News About Iran" auf den Punkt, auch sonst häufte sich die Zahl der kritischen Blog-Einträge massiv.

Korrektur

CNN sollte allerdings noch bis Sonntag Vormittag brauchen, bis man eine Korrektur des Fokus der eigenen Berichterstattung vornahm, seitdem sind die Proteste auch hier an prominenter Stelle erwähnt. Andere TV-Sender folgten diesem Beispiel im weiteren Verlauf des Tages.

Aktuelles

Wer wirklich topaktuelle Bilder und Berichte über die aktuelle Situation im Iran haben will, der kommt an Twitter und Co. trotzdem kaum mehr vorbei. Gerade das Microblog erweist sich derzeit als relativ resistent gegen die Zensurversuche der Behörden, jenseits der traditionellen Medien werden hier laufend neue Videos, Bilder und kurze Berichte über die Situation geliefert. 

Tipps

Das auf Social-Media spezialisierte Blog "Mashable" hat ein eigenes How-To zusammengestellt, um auch weniger technikaffinen Personen den Zugang zu diesem Informationspool zu erleichtern. (apo)

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