Wohnen auf der Welle

14. Juni 2009, 21:50
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Im Sommer hätte jeder gern sein eigenes Fleckchen am Wasser. Mit der richtigen Gestaltung kann man den See atmosphärisch sogar in den Innenraum holen

"Alle kommen vorbei, und ich brauche nie rauszugehen", singt Peter Fox in seinem jüngsten Lied Haus am See. Der Berliner Musiker träumt darin nicht nur von schönen Frauen, viel Geld und vielen Kindern, sondern auch davon, in einem Haus am See alt zu werden. So weit voraus denken nur die wenigsten. Bis zum nächsten Sommerurlaub reichen ihre Gedanken aber mit Sicherheit.

Ist das Haus am See erst einmal gebucht, weiß man, dass die Kinder wieder den ganzen Tag im und am Wasser spielen werden, man selbst vor dem Frühstück schwimmen gehen und den Abend mit einem Glas Wein am Wasser ausklingen lassen kann. So wie beispielsweise in jenem Badehaus am Ufer der Alten Donau, das Architekt Hubert Hartl für ein Wiener Ehepaar plante. Urlaubsidyll in Reinkultur: Sowohl von der Terrasse als auch vom Wohnraum aus hat man freien Blick aufs Wasser.

Da man bei schönem Wetter das Wohnen sowieso nach draußen verlagert, wurden in den Boden Schiebeelemente eingelassen, auf denen man den Esstisch mit einem einfachen Handgriff auf die Terrasse hinausschieben kann. Das eigentliche Holzhaus, das mit Wohnzimmer, Kochnische, Bad und Schlafbereich ausgestattet ist, hält sich dabei dezent im Hintergrund.

Holzpfähle mit Kunststoff-Verlängerung

Damit die Wohnträume am See nicht ins Wasser fallen, muss auf die Fundamentierung besonderes Augenmerk gelegt werden. "Je teurer das Haus, desto aufwändiger auch die Fundamentierung", sagt Walter Wallner von der Firma Weissenseer. Die Kärntner Holz-System-Bau GmbH errichtet Boots- und Badehäuser, und zwar vorwiegend an Kärntner Seen. Meist werden dabei Holzpfähle in den tragfähigen Untergrund gerammt. Dabei mache es keinen Unterschied, ob das Haus im oder nur am Wasser steht, sagt der gelernte Zimmerer. Wichtig sei es in jedem Fall, das Haus über dem zu erwartenden Wasserhöchststand zu errichten.

Der kritische Bereich bei Holzpfählen ist der Übergang von Wasser zu Luft. Hier besteht die Gefahr des Faulens. Will man auf Nummer sicher gehen, schneidet man die Holzpfähle am besten unter der Wasseroberfläche ab und verlängert diese mit einem Kunststoffrohr, das anschließend mit Beton ausgegossen wird. Sinnvoll ist diese Lösung bei größeren und beständigen Objekten. "Für ein einfaches Bootshaus lohnt sich ein solcher Aufwand nicht", sagt Wallner.

Die größte Herausforderung sind allerdings nicht die technischen, sondern die gestalterischen Skills. "Die Schnittstelle muss gut gelöst sein", erklärt Architekt Peter Jungmann, "ganz gleich, ob man auf der Terrasse oder im Wohnzimmer sitzt, man muss immer in Verbindung mit dem Wasser sein."

Das Wasser spürbar machen

Bei seiner Badehütte am Weissensee wurde diese Spielregel eisern eingehalten. Das Holzhaus steht unmittelbar am Ufer, in die Vorder- und die Längsseiten sind großzügige Fensteröffnungen eingeschnitten und so positioniert, dass die Weite des Sees auch im Innenraum spürbar wird. Es ist eine schöne, aber einfache Hütte mit Bad und Sauna sowie einem rudimentärem Schlafbereich, denn das Übernachten ist aus Naturschutzgründen offiziell untersagt.

Das Angebot an Seegrundstücken ist in Österreich rar. Selbst Liegenschaften, auf denen man nicht oder nur eingeschränkt bauen darf, sind heiß begehrt. Maria Rohner braucht sich über ihr eigenes Stückchen Uferland in Fussach, Vorarlberg, keine Gedanken zu machen. Sie ist Besitzerin eines Hafens mit 180 Liegeplätzen. Vor etwa einem Jahr wurde das sogenannte Nordwesthaus fertiggestellt. Die von den beiden Architekten Baumschlager & Eberle entworfene Betonskulptur scheint im Wasser zu schwimmen und ist mit dem Ufer über eine kleine Brücke verbunden.

Die poetische Glas- und Betonfassade erinnert an Schilf oder Geäst und bildet einen fast irrealen Rahmen für Feiern, Workshops und Fotoshootings. Ein Leben ohne Bodensee kann sich die Bauherrin nicht mehr vorstellen, schließlich ist sie hier aufgewachsen. "Man spürt den See, wenn man hier lebt. Ja man riecht ihn sogar."  (Anne Isopp, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12./14.6.2009)

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