Rückkehr zu alten Fehlern

14. Juni 2009, 19:29
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Wenig bis nichts wurde gemacht, um die Mechanismen zu unterbinden, die Wirtschaft und Finanz in den Abwärtsstrudel gezogen haben - Von Johanna Ruzicka

Die Finanzminister der großen Industriestaaten sind also so optimistisch, dass sie bereits über das Wie nach der Krise nachdenken. Und geloben, die hoffentlich guten Zeiten dafür zu verwenden, um wieder mehr zu sparen. Also Finanzhaushalt in Ordnung bringen und die immens teuren Konjunkturpakete abtragen.

Abgesehen davon, dass uns alle natürlich freut, dass es bereits wieder an der Zeit ist, über ein Nachher nachzudenken: Wenig bis nichts wurde gemacht, um die Mechanismen zu unterbinden, die Wirtschaft und Finanz in den Abwärtsstrudel gezogen haben. Weder wurden bisher Regeln gegen das zügellos globalisierte Kapital formuliert. Noch haben sich die Staaten zu stringenten Regeln durchgerungen, wie Steueroasen ausgetrocknet werden können. Gar nicht zu reden davon, dass die Wirtschaftskrise dafür verwendet werden hätte können, um das verschwenderische und ökologisch ausbeuterische System, auf dem unser aller Wirtschaften basiert, etwas nachhaltiger zu gestalten.

Wenn jetzt die Staaten geloben, künftig auf einen Sparkurs einschwenken zu wollen, kann man nur sagen: Ja, das ist löblich und richtig. Aber ohne begleitende Maßnahmen, bei denen die ungezügelten Auswüchse am Finanzmarkt gekappt werden, ist bald wieder alles beim Alten. Bereits jetzt ist zu beobachten, wie die Spekulation zurückkehrt und sich höchstwahrscheinlich die nächste Blase auf dem labilen Fundament aufbaut, das die Krise hinterlassen hat. Ohne strenge Finanzmarktregeln ist nach der Krise vor der Krise.(DER STANDARD; Print-Ausgabe, 15.6.2009)

 

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