Nicht nur für die Beamten

14. Juni 2009, 19:03
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Wenn Neugebauer diese Woche die Geschäfte an Michael Spindelegger übergibt, muss dieser zunächst den Eindruck korrigieren, dass die schwarzen Arbeitnehmervertreter vor allem für die Beamten da seien - Von Conrad Seidl

Seine Sturheit ist seine wichtigste Tugend: Würde Fritz Neugebauer nicht Dienstrecht und Gehaltsordnung der öffentlich Bediensteten so vehement verteidigen, hätte die ÖVP ihren Rückhalt bei den Beamten längst verloren. Was der Beamtengewerkschafter Neugebauer in diesem Bereich erreicht hat, haftet ihm allerdings als Makel bei einem Gutteil der übrigen Beschäftigten an: Dort ist die Entsolidarisierung weit fortgeschritten; was im eigenen Bereich nicht durchsetzbar erscheint, gilt bei anderen schnell als ungerechtfertigtes Privileg. Seine Erfolge im öffentlichen Dienst machten Neugebauers Position als Obmann der ÖVP-Arbeitnehmerorganisation ÖAAB eher schwieriger.

Wenn Neugebauer diese Woche die Geschäfte an Michael Spindelegger übergibt, muss dieser zunächst den Eindruck korrigieren, dass die schwarzen Arbeitnehmervertreter vor allem für die Beamten da seien. Für die Privatwirtschaft fehlt es dem ÖAAB an politischen Projekten - ein sozialpolitischer Meilenstein wie die noch von Vor-Vorgänger Werner Fasslabend initiierte und in zähen Kampagnen durchgesetzte Abfertigung für alle ist derzeit nicht in Sicht.

Gelingt es nicht, Visionen zu entwickeln und kampagnefähig zu werden, wird der Arbeitnehmerbund in der ÖVP weiter an Gewicht verlieren. In den Betrieben hat er das längst. Da muss man Zugewinne von 1,21 Prozentpunkten bei der jüngsten AK-Wahl schon als einen Erfolg bejubeln. Obwohl dieser Erfolg auf ganz niedrigem Niveau liegt: Nicht einmal jeder vierte AK-Wähler hat die Schwarzen gewählt. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 15.6.2009)

 

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