Basteln an Strategie für "Elektromobilität"

14. Juni 2009, 18:48
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Erhöhung der Forschungsgelder auf 60 Millionen Euro - Großes Lithium-Vorkommen in den Kärntner Alpen

Wien - Die österreichische Autozulieferindustrie, an der inklusive nachgelagerter Firmen gut 170.000 Jobs hängen, ist für den Bau von Elektrofahrzeugen denkbar schlecht gerüstet. Und dies, obwohl in der Branche unbestritten ist, dass im Elektroauto die vielleicht wichtigste Alternative zum ölbetriebenen Fahrzeug liegt.

Zwar gibt es in Österreich eine Fülle von Einzelinitiativen in Form von Forschungsprogrammen. Aber eine Strategie, bei der die notwendige Zusammenführung von Auto- bzw. Batteriebau, Stromerzeugung und Einspeisung in entsprechende Netze sowie Ladestationen für die Batterien zusammengeführt werden, die gibt es nicht.

Mehr Forschungsgelder

Wirtschaftsminister Reinhold Mittlerlehner (VP) erklärte deshalb kürzlich bei einer entsprechenden Veranstaltung der Industriellenvereinigung, dass die Forschungsgelder für Elektromobilität, die sich mit unterschiedlicher Stoßrichtung derzeit auf 40 Mio. Euro belaufen, künftig auf 60 Millionen erhöht werden sollen. Rund um Magna, wo bereits an einem Elektroauto versuchsweise gebastelt wird, sollen entsprechende Forschungskapazitäten aufgebaut werden. Und laut dem Generalsekretär der Industriellenvereinigung, Markus Beyrer, müsse man sich natürlich über den Ausbau der einheimischen Wasserkraft Gedanken machen. Laut einer Studie des Klimafonds über die "Auswirkungen von Elektrofahrzeugen auf die Stromwirtschaft" würde sich allerdings selbst bei 20 Prozent Elektrofahrzeugen (rund eine Million Autos) der österreichische Stromverbrauch nur um etwa drei Prozent erhöhen; ein Ausbau der Wasserkraft sei ergo nicht notwendig. Dies basiert allerdings auf der Annahme, dass die Elektroautos technisch imstande sind, ihren nicht benötigten Strom wieder ins Netz zurückzuspeisen.

Ohne Shai Agassi

Jedenfalls will die heimische Zulieferindustrie die Forschungs- und Entwicklungsbemühungen alleine stemmen und verzichtet auf internationale Kooperation: Ein Gespräch mit Shai Agassi von "Better Place Project" soll es in den letzten Wochen gegeben haben. Zu einer Einigung, das Konzept des ehemaligen SAP-Managers auch in Österreich zu übernehmen, ist es aber nicht gekommen.

Shai Agassi hat ein Elektroauto-Konzept entwickelt, bei dem in Ballungszentren mit geleasten Batterien gearbeitet wird. In Israel und Dänemark gibt es bereits solche Pilotprojekte. Involvierte Personen meinen, dass gegen die Übernahme des Agassi-Projekts in Österreich die Tatsache gesprochen habe, dass Agassi mit Renault Nissan zusammenarbeitet und die heimische Zulieferindustrie mit dem französisch-japanischen Konzern wenig zu tun habe.

Lithium-Vorkommen

Im Elektroauto-Zusammenhang gewinnt ein fast vergessenes Lithium-Vorkommen in Kärnten, Koralpe, an Bedeutung. Lithium ist für die leistungsstarken Batterien notwendig. Das Unter-Tage-Vorkommen dürfte das größte Europas sein. Laut Montanbehörde handelt es sich derzeit um ein sogenanntes "herrenloses Gut" - das heißt, es gehört nicht dem Grundbesitzer darüber. Ein Abbau kommt allerdings teurer als beim Tagbau in Südamerika.(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.6.2009)

  • Die heimische Zulieferindustrie will die Forschungs- und
Entwicklungsbemühungen alleine stemmen und verzichtet auf
internationale Kooperation
    foto: derstandard.at/putschögl

    Die heimische Zulieferindustrie will die Forschungs- und Entwicklungsbemühungen alleine stemmen und verzichtet auf internationale Kooperation

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