"Erinnert bisschen an die Apokalypse"

14. Juni 2009, 18:45
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Andreas Putz, Kreativchef von Jung von Matt/Donau, sucht in Cannes die beste Onlinewerbung der Welt aus - Interview

Andreas Putz, Kreativchef von Jung von Matt/Donau, sucht in Cannes die beste Onlinewerbung der Welt aus. Online holt auch hier auf, erklärt er Harald Fidler. Die Krise sieht er als Entschlackungskur.


STANDARD: Ab kommender Woche bestimmen Sie in der Cyber-Jury von Cannes mit über Preise für die beste Onlinewerbung der Welt. Stach in der Vorauswahl schon etwas hervor?

Putz: Ich habe nur einen Bruchteil der Arbeiten zu Gesicht bekommen, weil die in der Vorauswahl auf die Juroren aufgeteilt wurden. In meiner Auswahl war "Whopper Sacrifice". Das ist so, als ob man beim Panini-Pickerl-Sammeln Ronaldo im ersten Packerl hat.

STANDARD: Whopper Sacrifice war eine Aktion von Burger King: Wer in Facebook zehn Freunde opfert, also löscht, bekommt einen Burger . Haben Sie weitere Favoriten oder Lieblinge gefunden?

Putz: Sechs, sieben wirklich umwerfende Arbeiten habe ich schon gesehen. Aber ich möchte erst urteilen, wenn ich mir ein umfassendes Bild gemacht habe.

STANDARD: Wie liegen heimische Arbeiten im Vergleich?

Putz: Österreichische Einreichungen sind mir noch keine untergekommen. Im internationalen Vergleich fehlt uns möglicherweise noch ein wenig die Selbstverständlichkeit im Umgang mit dem Medium. Das bezieht sich aber auch auf Kunden.

STANDARD: Warum liegt Onlinewerbung in Österreich weit hinter ihrem Stellenwert in Großbritannien und anderen europäischen Ländern?

Putz: Viele Unternehmen haben Online als Medium lange Zeit nicht ernst genommen. Deswegen war Online lange unterrepräsentiert.

STANDARD: Kann Österreich diesen quantitativen Rückstand aufholen?

Putz: Ja. Massives Umdenken ist feststellbar. Vor allem im letzten Jahr.

STANDARD: Wie wirkt die Wirtschaftskrise auf die Werbung?

Putz: Wie eine Entschlackungskur. Vor allem Produkte werden tendenziell besser, weil sie sonst sterben. Auf Dinge, auf die man verzichten kann, verzichtet man nun. An ihre Stellen treten neue, relevantere. Das ist prinzipiell gut und wünschenswert und gilt auch für die Werbung: Prozesse müssen schlanker, schneller und effizienter werden. Aber egal, ob großes oder kleines Budget: Eine gute Idee braucht man immer.

STANDARD: Zuletzt kursierten Gerüchte, Sie und Josef Koinig würden Jung von Matt verlassen. Sind Sie in einem Jahr noch Chef der Agentur?

Putz: Ja. Wie oft uns so was schon gewünscht wurde, erinnert mich ein bisschen an die Apokalypse: Die wird auch alle paar Jahre angesagt und findet nie statt. (DER STANDARD; Printausgabe, 15.6.2009)

Zur Person:

Putz führt seit 2001 mit Josef Koinig die Wiener Niederlassung der deutschen Kreativagentur von Jung von Matt. Dem STANDARD berichtet er aus der Onlinejury von Cannes.

  • Andreas Putz, Kreativchef von Jung von Matt/Donau.
    foto: jvm

    Andreas Putz, Kreativchef von Jung von Matt/Donau.

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