Der religiöse Führer zeigt seine Zähne

14. Juni 2009, 18:35
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Ali Khamenei regiert seit zwanzig Jahren den Iran

"Khameneis Iran", so charakterisierte der Iran-Experte Karim Sadjadpour in CNN die Verhältnisse nach der Präsidentschaftswahl. Was nicht neu erscheint - dass der religiöse Führer die eigentliche Autorität im Iran ist -, hat jetzt tatsächlich eine andere Dimension: Der seit langem laufende Machtkampf zwischen Ali Khamenei und Ali Akbar Hashemi Rafsanjani, der für Beobachter von außen nur hin und wieder sichtbar wurde, ist entschieden. Für Khamenei. Es hieß am Sonntag, Rafsanjani sei von allen seinen Ämtern zurückgetreten.

Ahmadi-Nejad versus Mussavi war nicht nur, aber auch ein Stellvertreterkrieg. Und jetzt habe das Volk eben "die weisen Entschlüsse und die Überlegungen des Revolutionsführers endlich begriffen und ein entsprechendes Wahlergebnis geliefert", sagt sarkastisch der Iranist Walter Posch. Damit ist das von Ruhollah Khomeini in den 1970er-Jahren im irakischen Exil entwickelte Staatssystem "Velayat-e Faqih", die Herrschaft des Rechtsgelehrten, und zwar die absolute Herrschaft, erfolgreich verteidigt.

Ali Khamenei, der im Juli siebzig Jahre alt wird, erbte seinen Führerposten 1989 von Khomeini und ist damit doppelt so lange an der Macht wie dieser. Zuvor war er seit 1981 Präsident gewesen - sein Premierminister, ein Posten, der später abgeschafft wurde, hieß Mir-Hossein Mussavi; sein Nachfolger als Präsident war Rafsanjani. Man kennt einander lange und gut in der iranischen politischen Elite.

Ali Khamenei, in Mashhad in eine gemischt azeri-persische Familie geboren, war ein Mann der ersten Stunde der islamischen Revolution 1979. Früh hatte er sich gegen den Schah betätigt und war auch ins Gefängnis gewandert. Wie für viele Geistliche in der Revolutionsbewegung stand die politische Beschäftigung meist im Vordergrund - und verdrängte die theologische, was ihm Kritiker heute noch vorwerfen. Den Titel Großayatollah erhielt er erst, als er in den Rang des Revolutionsführers aufstieg, da wollten ihn viele nicht einmal recht als Ayatollah sehen.

Als Ahmadi-Nejad 2005 Rafsanjani bei den Wahlen besiegte - etwas, das man zuvor nicht für möglich gehalten hatte -, war es sonnenklar, dass er dem Herzen Khameneis nahestand. Trotzdem schien es manchmal, als würde der religiöse Führer Ahmadi-Nejad zurückpfeifen. Dies führte zu einer öffentlichen "good cop" - und "bad cop" -Wahrnehmung, Khamenei wurde im Vergleich zum altersmilden Mullah, der auf Plakaten auch schon einmal lächelte. Jetzt zeigt er seine Zähne auf andere Art und Weise. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 15.6.2009)

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