"Der Inlandsgast kommt wieder"

14. Juni 2009, 18:39
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Banker und Hotelbesitzer Georg Bucher fordert von seinen Kollegen im Tourismus mehr Solidarität und Engagement

Standard: Eine Insel zu besitzen mit eigenem Hotel darauf, ist das in Zeiten wie diesen Segen oder Bürde?

Georg Bucher: Beides. Es ist ein außergewöhnlicher Platz, das einzige Inselhotel in Österreich. Da hängt viel Herz daran. Andererseits ist es gerade die Insellage, die hohe Fixkosten verursacht. Und durch den Umstand, dass der Sommertourismus in Kärnten nur vier Monate dauert, ist man sehr eingeschränkt. Bei den Eigentümerfamilien überwiegt dennoch die Freude.

Standard: Lässt sich ein Hotel mit 32 Zimmern und 90 Betten überhaupt wirtschaftlich führen, oder ist es Liebhaberei, was Sie antreibt?

Bucher: Kostenseitig muss man sehr hart kalkulieren. Und man muss schauen, die vier Monate im Sommer voll zu nutzen. Der Break- even ließe sich mit 100 oder 120 Betten sicher leichter erreichen. Aber wenn es uns gelingt, das Haus von Anfang Mai bis Anfang Oktober gut auszulasten, lässt sich der Betrieb ohne Zuzahlung führen.

Standard: Die Saison verlängern?

Bucher: Wir haben Maßnahmen gesetzt, forcieren Seminar- und Incentive-Veranstaltungen nach dem Motto, ziehen wir uns auf eine Insel zurück, gehen vormittags in Klausur und machen am Nachmittag etwas im Freien. Ein Hotel allein kann aber wenig bewirken.

Standard: Was wäre notwendig?

Bucher: Es bräuchte mehr Solidarität. Alle in der Branche müssten an saisonverlängernden Maßnahmen arbeiten. Das geschieht zu wenig.

Standard: Sie sind im Hauptberuf Bankmanager. Wie beurteilen Sie die Situation des Tourismus?

Bucher: Die Strukturbereinigung, die wir zum Beispiel an den Kärntner Seen beobachten, geht in die richtige Richtung: Da werden Betriebe, die nicht mehr als Hotels weitergeführt werden können, in Apartmentanlagen umgewandelt. Hotels gibt es noch immer genug, dazu Campingplätze, öffentliche Strandbäder. Diese Mischung ist grundsätzlich gut. Ein großes Optimierungspotenzial sehe ich aber in den Vertriebsorganisationen.

Standard: In den vergangenen Jahren sind die Nächtigungen in Kärnten gegen den Trend eingebrochen?

Bucher: Wenn man den Österreich-Vergleich bemüht, muss man wissen, dass es der Städtetourismus war, der geboomt hat. Kärnten kann da nicht mithalten.

Standard: Aber auch Tirol hat keine boomende Stadt und war dennoch gut unterwegs?

Bucher: Der Fehler war, dass wir uns zu sehr auf den deutschen Gast verlassen haben. Die Aktivitäten in Richtung Ungarn, Tschechien, Italien greifen noch nicht. Eine Marke aufbauen geht nicht ruck, zuck, das dauert fünf bis zehn Jahre. Was erfreulich ist und uns Hoffnung gibt: Der Inlandsgast kommt verstärkt wieder.

Standard: Aufgrund der Finanzkrise schauen die Banken besonders genau, wem sie Geld leihen. Was heißt das für die Hotellerie?

Bucher: Eine ganz schwierige Situation. Eigenkapital gewinnt in der Bonitäts- und Kreditbeurteilung immer mehr an Bedeutung, die Hotellerie ist aber traditionell eigenkapitalschwach.

Standard: Das hat mit Basel II begonnen, den strengeren Eigenkapitalvorschriften bei Ausleihungen?

Bucher: Früher. Verantwortungsvolle Finanzinstitute haben schon davor auf eine ausreichende Eigenkapitalausstattung geachtet, was im Tourismus und in der Hotellerie zugegeben eine schwierige Gradwanderung ist. Gerade regional tätigen Banken war immer bewusst, dass der Tourismus ein wichtiger Faktor auf lokaler Ebene ist. Viele Kleinbetriebe könnten nicht existieren. Das muss man bei der Beurteilung beachten.

Standard: Wohin entwickelt sich der Tourismus. Noch mehr Rambazamba oder mehr Ruhe?

Bucher: Es werden die scheitern, die versuchen, beides unter einen Hut zu bringen. Das funktioniert nicht. Es wird an gewissen Orten Aktivitätszentren für Jugendliche geben müssen mit Musik, Action, Unterhaltung. Wir müssen aber auch Ruhezonen schaffen. Die Sehnsucht danach wird aufgrund des Stresses und höheren Drucks, denen Menschen im Arbeitsalltag ausgesetzt sind, zunehmen. ZUR PERSON: Georg Bucher (47) ist Vorstand der Steiermärkischen Sparkasse. Mit seiner Frau managt er das den Familien Bucher und Catasta gehörende Inselhotel am Faakersee. Zum Familienbesitz zählt auch die Burg Landskron bei Villach.(Günther Strobl, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 15.6.2009)

 

  • Wer zum Inselhotel, dem einzigen in Österreich, will, muss vom Auto ins Motorboot umsteigen. Die Insel im Faakersee ist autofrei - und nur im Sommer bewohnt.
    foto: standard/strobl

    Wer zum Inselhotel, dem einzigen in Österreich, will, muss vom Auto ins Motorboot umsteigen. Die Insel im Faakersee ist autofrei - und nur im Sommer bewohnt.

  • Banker und Hotelbesitzer Georg Bucher will speziell die kurze Sommersaison verlängert wissen.
    foto: standard/strobl

    Banker und Hotelbesitzer Georg Bucher will speziell die kurze Sommersaison verlängert wissen.

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