Studie: Sehnsucht nach dem "starken Mann"

Autoritätsgläubig statt liberal, ausländerfeindlich statt weltoffen - Die aktuelle Wertestudie belegt, dass diese Einstellungen in der Bevölkerung angestiegen sind

Ein Fünftel der Bevölkerung kann sich sehr oder ziemlich gut vorstellen, "einen starken Führer zu haben, der sich nicht um ein Parlament und um Wahlen kümmern muss" . Dieser Befund stammt nicht etwa aus einer afrikanischen Militärdiktatur, nein, er ist eines der bemerkenswertesten Ergebnisse der aktuellen, breit angelegten Wertewandel-Studie, die in Österreich 2008 - und damit zum dritten Mal - durchgeführt wurde (siehe dazu auch Grafiken unten). Mithilfe dieser Umfrage wird traditionell der Wandel der Einstellungen der Bürger in ganz Europa untersucht, und zwar in Zeitabständen von rund zehn Jahren.

Starker Mann gefragt

Was unser Land betrifft, förderte das Herausgeber-Trio Regina Polak, Ursula Hamachers-Zuba und Christian Friesl zutage, dass sich die Österreicher "zunehmend gegenüber der Politik verweigern" .

Dies manifestiere sich einerseits an ihrem "geringen politischen Interesse" . Zum anderen, stellen die Studienautoren fest, dass das Vertrauen in die Institutionen "in teils beängstigendem Ausmaß sinkt" - weil eben selbst die Demokratie nicht mehr unumstritten sei. 1999, bei der letzten Befragung, konnten sich nämlich "nur" 15 Prozent der Landsleute vorstellen, von einem starken Mann angeführt zu werden.

Die politische Positionierung hat übrigens keinen Einfluss darauf, wie stark die Sehnsucht nach einem Führer ausgeprägt ist. Wer der FPÖ nahesteht, antwortet diesbezüglich ähnlich wie der Durchschnitt. Deutlich stärker für die autoritäre Variante entscheiden sich allerdings ausländerfeindliche Menschen, etwa jene, die "sich wie Fremde im Land fühlen" (34 Prozent) und solche, die Zuwanderung "generell verbieten" möchten (57 Prozent).

Noch ein überraschendes Ergebnis: Mittlerweile sieht es die Hälfte der Österreicher (exakt 51 Prozent) für gut an, wenn "Experten und nicht die Regierung darüber entscheiden, was für das Land das Beste ist" . Und sechs Prozent halten es gar für erstrebenswert, dass "das Militär das Land regieren" sollte. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren fand diese Vorstellung bloß ein Prozent verlockend.

Was nervt denn die 1500 repräsentativ Befragten so am "System" ? Vier von zehn Österreichern meinen, Demokratien seien "entscheidungsschwach" , und es gäbe "zu viel Zank und Hader" .

Diese Ergebnisse qualifizieren die drei Autoren jedenfalls explizit "als ernsthaftes Krisensignal für die österreichische Demokratie" . Und Herausgeber Friesl ergänzt: "Im siebtreichsten Land der Welt gibt es zwar eine hohe Lebenszufriedenheit, gleichzeitig aber eine extrem hohe Unzufriedenheit mit der Politik." Viele Menschen, die mit "ihrem Leben unglücklich sind" , also jene, die sich schwertun, mit Freiheit und Pluralität umzugehen, hätten im Jahr 1999 Jörg Haider gewählt, analysiert der Experte. "Sie haben auf Ordnung und Sicherheit gehofft. Aber sie wurden enttäuscht und hadern nun mit dem System."

Am besten ab in die Heimat

Apropos Haider: Der Aufstieg des mittlerweile verstorbenen Kärntner Landeshauptmannes als damaliger FPÖ-Chef war unter anderem eng mit seiner erfolgreichen zuwanderungsfeindlichen Politik verknüpft. Seit Anfang der Neunziger, hält die Wertestudie fest, ist die Zustimmung zu ausländerfeindlichen Aussagen sogar gestiegen. So verlangen etwa acht von zehn Österreichern, dass "Ausländer ihren Lebensstil ein bisschen besser an den der Inländer anpassen" sollen. Und immerhin die Hälfte (49 Prozent) meint sogar, dass man Ausländer ruhig "wieder in ihre Heimat zurückschicken sollte, wenn Arbeitsplätze knapp werden" .

Zu diesem Datenmaterial ergänzt Friesl im Gespräch mit dem Standard: "Haider kann man zwar nicht direkt mit diesem Anstieg in Zusammenhang bringen. Was sich aber sagen lässt, ist: Wer Fremdenfeindlichkeit fördert, der unterhöhlt die Demokratie. Und das ist nicht nur ein Vorwurf an die FPÖ, sondern auch an jene Parteien, die zu wenig dagegen tun." Die Großparteien, meint Friesl, hätten "es jahrelang versäumt, tragfähi-ge Integrationskonzepte vorzulegen" .

Was verlangen die Österreicher der Politik überhaupt ab? Was sind ihre Ziele fürs Land? An erster Stelle liegt "der Kampf gegen steigende Preise" , den ein Drittel als wichtigstes, ein Fünftel als zweitwichtigstes Ziel nennt - diese hohen Werte erklären sich freilich auch daraus, dass die Befragung während des letzten Nationalratswahlkampfes stattfand, in dem sich die Parteien heftige Streits um die steigenden Lebensmittel- und Energiepreise lieferten.

Fast ebenso viele, nämlich 52 Prozent der Bevölkerung, möchten "mehr Einfluss der Bürger auf Entscheidungen der Regierung" und formulieren das Ziel, "Recht und Ordnung aufrechtzuerhalten" . Dagegen tritt das Vorhaben, "Recht auf Meinungsfreiheit schützen" , weit in den Hintergrund.

Überhaupt zeigt die Befragung eine Neigung der Österreicher zum Autoritarismus auf, was ihre Werte betrifft. 27 Prozent stimmen immer noch dem Satz zu: "Wo strenge Autorität ist, dort ist auch Gerechtigkeit." 40 Prozent meinen: "Das Wichtigste, was Kinder lernen müssen, ist Gehorsam." Von den Parteienpräferenzen her ist der Autoritarismus eher eine Sache von FPÖ- und SPÖ-Anhängern (40 beziehungsweise 39 Prozent), ÖVP- sowie BZÖ-Wähler liegen mit 29 und 26 Prozent im Durchschnitt, Grün- und LIF-Sympathisanten mit zwölf und neun Prozent deutlich darunter.

Das bedenkliche Ergebnis der Untersuchung lautet daher: Während die Gruppe der "Autoritären" hierzulande in den letzten Jahren "stetig und deutlich" gewachsen ist, sind die "liberalen Idealisten" mittlerweile noch weniger als früher geworden. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, Printausgabe, 15. Juni 2009)

 

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Wäre interessant, wenn man hier weiterfragen würde, was die Befragten unter einem "starkem Mann" denn genau verstehen.

Vermutlich wünschen sich viele schlicht einen Politiker mit Visionen und einem Programm statt der aktuellen rein auf Machterhalt abzielenden Figuren.
Ich trau mich sogar zu wetten, dass die Meisten bei der Frage einen Kreisky oder Obama vor Augen hatten und nicht einen Hitler oder Stalin.

Oder naheliegenderes Bsp.: Voves&Schützenhofer in der Stmk. Sie machen viel Ungemütliches und teilweise durchaus Zweifelhaftes, aber sie tun wenigstens IRGENDETWAS!

Ausländer->Facebook(oÄ)->Termin->Rosa Urlaubsschein (1Tag - da muss man nicht einmal zum Arzt)

Wenn das alle zur selben Zeit machen würden...

was denken diese 20% über die Zustände im Iran? Hätten die echt gern, dass Krenn der oberste katholische Glaubenswächter wäre und Strache sein Diktator???

Klingt jetzt so als ob ich auch zu den 10% gehören würde, aber ist man sich sicher, dass diese 20% überhaupt verstehen, was man sie da gefragt hat?

erbärmlich... anders kann man's nicht bezeichnen.

das weitgehend hirnfreie schrebergartenhausmeisterzwergerltum schnitzelland'scher prägung erhebt wieder mal sein gräßliches haupt.

das fünftel "starker mann"-rufer soll gefälligst stante pede nach nordkorea auswandern (gegen die EU sind's ja garantiert eh auch) und die einigermaßen (!) normal denkenden österreicher in ruhe lassen...

Arnold komm nach Hause!

Völkertausch!


Wie wäre es mit einem Tausch zwischen Iran und Österreich?
Die Iraner sind ihrer autoritären Führung überdrüssig, die Österreicher wollen hingegen eine solche.
Sollen die Iraner herkommen, dann bekommen sie eine, naja: halbwegs funktionierende Demokratie westlichen Zuschnitts, sind in Europa und genießen die Schönheiten der Freiheit.
Die Österreicher verfrachten wir in den Iran, dort können sie sich ganz der Autorität des Wächterrats hingeben und entsprechend führen lassen.
Formalitäten a la Konversion vom Katholizismus zum Islam sollten die geringste Hürde darstellen.

Na, wie klingt das? Es könnten alle Parteien glücklich weden.

na ich find des supa ...

ich gehöre wohl zur wachsenden kleingemeinde jener fünf prozent, die sich vorrangig europa zugehörig fühlen und gerne so manches stadtteil-problem in vertrauenswürdigen händen von stadtteil-politikern wüsste.

ich gehöre zur schrumpfenden gemeinde derer, für die uno, wto, iwf, weltbank, rotes kreuz, amnesty international, oecd zur staatsbürgerkunde gehört, u nicht, wie für den ö-durchschnittsjournalist in mini und riesenformaten, zu einem vagen ausland, wo infolge sogar unsere heimat zum vagen ausland degradiert, obwohl wir alle eu-pässe besitzen.

und bevor ich mich nun hier völlig disqualifiziere: ich gehöre auch zu jener großen mitte, die enttäuscht ist vom boulevard seinen politikern. obwohl ich die politische mitte nie verlassen wil

Mein Wunsch : ein starker Mann oder Frau !!

für mich ist stärke
- die wahrheit zu sagen
- fehler eingestehen
- für das volk dazusein
- gerechtigkeitssinn haben
- nicht wegsehen wenns unangenehm wird sondern handeln wenn es notwendig ist
- für unser land da zu sein
und das ziel einer starken persönlichkeit sollte es sein frieden zu bewahren, gerechtigkeit zu fördern und nicht anderen in den a... zu kriechen um eigennutzen davon zu erzielen.
JAWOHL ich wünsche mir einen starken mann !!!

ahja

- die wahrheit zu sagen
dir ist schon klar das die wahrheit im auge des betrachters liegt
- fehler eingestehen: =>siehe wahrheit
- für das volk dazusein : der staat ist das volk und umgekehrt , die widersinnigkeit dieser aussage ist nur schwerr in 600 zeichen unterzubringen aber ich rege stark an das du nochmal über diesen wunsch nachdenkst
- gerechtigkeitssinn:=siehe wahrheit
- nicht wegsehen blabla= siehe wahrheit
- für unser land dazusein : siehe "für das volk dazusein"
und das du dafür dir EINEN mann wünscht sagt in wahrheit schon mehr über dich aus also du vllt weisst ! weder EIN mann noch EINE frau kann diese dinge allleine berwerkstelligen selbst unter der nicht bestehenden voraussetzung das wahrheit&gerechtigkei eindeutig wären

lobenswerte einstellung.
du weißt aber schon, was das genannte bevölkerungsfünftel unter einem "starken mann" versteht?

vielleicht jetzt durch die zensur

der "starke mann" entspricht dem schutzbedürfnis schwacher, die keine schwachen als vorbilder oder beschützer akzeptieren, hehe, und der unmittelbaren machtdelegation und schuldentlastung von eigenem handeln, die gegengabe ist die sanktionierung von oben, für was auch immer
oder anders, die massenmedien drücken in der personalisierung und hierarchisierung ihrer nachrichten ihre eigene firmenhierarchie aus, die bekanntlich ja den starken chefredakteur, den starken herausgeber, geschäftsfhrer, also irgendeinen starken .. haben sie zum herzeigen, hehe
oder wieder anders die neoliberalen räuber verbinden sich in der mentalen symbolik mit den "ausländischen " zur gefährlich-bedrohlichen horde im kampf um eigentum/heimat

vielleich wäre auch das modell der präsidalen demokratie (wie in frankreich oder usa) überlegenswert...

sehnsucht nach dem starken mann?

eine präsidialrepublik ist genau der schritt weg von der demokratie

wenn ihnen der proporz und die parteibuchwirtschaft demokratischer erscheinen?

ich warte auf ihre demokratiepolitischen überlegungen, nicht auf desavouierung der parteibuchwirtschaft à la österreich oder ziehen sie den hofstaat eines präsidenten vor?

der österreichische Bundespräsident hat sehr viele Befugnisse, nur werden die in Ö nicht realpolitisch ausgeübt.

zumindest das franz. wahlrecht...

...waer schon einmal einen versuch wert.

Den "starken Mann"

kann man verschieden interpretieren, es muss nicht zwangsläufig die Sehnsucht nach einer (rechten) Diktatur sein. Einen Barack Obama mag jemand ebenso als starken Mann (bzw. Leader) sehen.

Was Demokratieskeptiker angeht, diese gibt es in jeder demokratischen Gesellschaft. Ich würde sagen, dass, mehr oder weniger überall, im Schnitt ein Fünftel der Leute demokratieskeptisch ist. Das sind besonders jene, die sich durch die führenden politischen Parteien nicht vertreten fühlen. Aber auch das gehört zur Demokratie.

wie bereits woanders hervorgehoben:...

...da oben geht's um einen "starken mann, der sich nicht um ein parlament und wahlen kuemmern muss".

dieser beschreibung entspricht ein obama im besonderen und ein us-praesident im allgemeinen nicht.

bush hat's probiert.

und hat bald einen fuß im haefen, wenn's so weitergeht.

nein, nein, die oesterreicher wissen schon, WEN und WAS sie waehlen, wenn sie straches braunen ihre stimme geben.

also da haben sie aber was ganz stark missverstanden. obama ist ganz sicher nicht der starke mann, der führer ohne parlament - im gegenteil er betont immer die demokratie und arbeitet selbst mit der opposition zusammen. nicht umsonst war sein wahlspruch: yes, we can. ja genau, wir und nicht er allein. zudem hat er als erster präsident keinerlei staatshilfen in anspruch genommen sondern das volk miteinbezogen. was obama ist, dass ist ein wirklich guter charismatischer politiker, aber sicher kein starker mann im sinne eines führers!

diese schönreden von solch extrem unberuhigenden ergebnissen ist alles andere als hilfreich!!!!!

so ist das also:


http://www.univie.ac.at/ktf/conte... index.html

und so etwa 2010 gibts das auch für europäer:
http://www.europeanvaluesstudy.eu/evs/surveys/

Sehnsucht nach Vobes?

und wer is das?

ein andalusischer LH?...

Die Führerfunktion VdBs hat die4 Grünen nach dessen Abgang in den Abstieg geführt. Erinnert an die Lücke, die Kreisky 1983 bei der SPÖ hinterließ. Viele Linke sind gegen die Führersehnsucht nicht gefeit, sondern sehnen einen "guten Führer" herbei. Von der Autoritätsgläubigkeit her entspricht das durchaus der Führersehnsucht der Rechten.

Posting 1 bis 25 von 915

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