Österreich und die Fremden

"Emotionale Ent-Grenzung" gesucht

14. Juni 2009, 17:57

Hoamatl statt Globalisierung: Die EU ist für die Österreicher Ausland, 61 Prozent haben keine persönlichen Beziehungen zu Menschen in anderen EU-Staaten

Die Einstellungen zu Fremden, Fremdem und generell Internationalem sind distanziert bis feindlich." Diese Beschreibung eines Trends, den die Autoren der Wertestudie im Laufe des vergangenen Jahrzehnts festgestellt haben, lässt keine Fragen offen: Die große Welt ist die Sache der Österreicher nicht, was für sie zählt, ist das, was nahe liegt und überschaubar ist. Anderen mag die Welt ein Dorf sein, ihnen ist das Dorf die Welt - Hoamatl statt Globalisierung, sozusagen.

Die durchgängige Skepsis gegenüber dem Anderen bedingt ein enormes Misstrauen gegenüber internationalen Organisationen: Uno, Nato und EU kommen bei den Österreichern schlecht weg, die Europäische Union wird dabei schlicht als Ausland wahrgenommen. Ferner heißt es in der Studie, lege ein hoher Prozentsatz von "Weiß nicht" -Angaben nahe, dass die Österreicher eine "ausgeprägte Beziehungslosigkeit und/oder Indifferenz gegenüber internationalen Organisationen" erkennen lassen.

Zwar wollen vier Fünftel der Österreicher nicht aus der EU austreten, für viele Probleme bevorzugen sie eine "Österreich-Lösung" statt einer gemeinschaftlichen Vorgehensweise in Brüssel. Bemerkenswert ist auch der mit "Binnenorientierung" nobel umschriebene Provinzialismus hierzulande: 61 Prozent der Befragten haben keinerlei persönliche Beziehungen zu Menschen aus den EU-Ländern, 86 Prozent pflegen keine beruflichen oder wirtschaftlichen Beziehungen und 89 Prozent haben nie in einem anderen EU-Land studiert oder gearbeitet - für ein Land, das sich als eine der ersten Tourismusnationen weltweit versteht, sind das bemerkenswerte Daten.

Umgekehrt sind 84 Prozent der Österreicher stolz auf ihre Staatszugehörigkeit. Im Vergleich mit anderen Ländern ist das ein deutlich höherer Wert. Und hier gibt es über die Jahre auch keine Veränderung. Was sich allerdings gewandelt hat, ist, dass es heute keinen Zusammenhang mehr zwischen Österreicherstolz, autoritärer Gesinnung und gleichzeitiger Zufriedenheit mit dem politischen System hierzulande gibt. Heute gilt eher: Je rechter und ausländerfeindlicher eine Person ist, desto patriotischer ist sie auch.

Ein neuer Trend in den vergangenen zehn Jahren ist auch, dass "der österreichische Nationalstolz in vermehrten Ausmaß am Heimatgefühl der Österreicher und Österreicherinnen hängt" . Ungeachtet der Altersgruppe, sozialen Schicht oder Bildung seien die Befragten "sehr regional orientiert" , heißt es in der Wertestudie.

Die Konsequenzen, die sich daraus für die Politik ergeben, sind sattsam bekannt: Ausländerfeindlichkeit und die Gegnerschaft zu allem Fremden prägen die hiesigen Verhältnisse - und zwar "nicht nur die alltagspolitische Polemik, sondern auch die grundsätzliche politische Haltung der Menschen massiver und nachhaltiger als bisher vermutet" . Alimentiert aus Misstrauen gegenüber der Politik, persönlichem Unbehagen gegenüber Fremdem, materialistischen und autoritären Motivationen sowie der Abwehr aller gesellschaftlichen Veränderungen wird Xenophobie quasi zu einer überschaubaren Konstante in einem sich immer schneller drehenden und verändernden Weltlauf.

Gegen diese Geisteshaltung fordern die Autoren der Wertestudie dringend, eine "emotionale Ent-Grenzung" , die "Autonomieillusionen" aufgibt und eine de facto bereits gelebte Internationalität auch zur Kenntnis nimmt. Als Ziel geben sie ein entspanntes nationales Selbstbewusstsein aus, das die Österreicher ins Vermögen setzt, die zukünftig transnationale Politik auch mitzugestalten. Bis das - nach dieser Datenlage zu schließen - allerdings soweit sein mag, sind die Forscher vermutlich doch noch gezwungen, für einige Dekaden in den Österreichern herumzustierln. (Christoph Prantner, DER STANDARD, Printausgabe, 15.6.2009)

 

Kommentar posten
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His Floness
 
00
15.6.2009, 17:39
Jawohl, Prolo!

Schon lustig so eine Studie.....erkenne mich da voll wieder^^

Ich hab auch keinen Kontakt zu Menschen in anderen EU-Staaten und hab auch (noch) nicht in einem anderen EU-Land gearbeitet.
War zudem voriges Jahr für 3x90 Minuten leidenschaftlicher Patriot (im wahrsten Sinne des Wortes ;-)) bei der Fußball-EM.
Habe vor kurzem sogar negative Erfahrungen mit einem der deutschen (und englischen) Sprache unzureichend mächtigen Laborpartner gemacht.

Jetzt erst verstehe ich, wieso:

"Je rechter und ausländerfeindlicher eine Person ist, desto patriotischer ist sie auch."

Gestehe aufgrund dessen übrigens gschamigst, Sa vor einer Woche von ca. 20:00-22:30 "rechts und ausländerfeindlich gewesen" zu sein.

Danke für die Studie :-)

Duskson 81
 
00
15.6.2009, 17:13

was für sie zählt, ist das, was nahe liegt und überschaubar ist.

Also ich glaub mich als recht weltoffen bezeichnen zu können.. und trotzdem find ich die einstellung das einem das was einem nahe liegt und was man überblicken kann als wichtig zu empfinden durchaus sinnvoll.. Bei vielen sogenanten "Weltenbürgern" bzw. bei denen die sich als solches bezeichenn merkt man zwar das sie über die gesellschaftlichen strukturen boliviens perfekt bescheid wissen aber keinen dunst davon haben das die alte markthalle gegenüber jetzt ein hotel werden soll..

Beobachter zweiter Ordnung
02
15.6.2009, 16:41
Zu viel Kronenzeitung

ich finde die Studie recht eindrucksvoll - mehr davon im profil. Eine der Ursachen für das "kleinräumige" Denkvermögen der Österreicher ist sicher auch das Kleinformat. Ich plädiere für die Umsetzung des Medien-Kartellrechts und eine Beschränkung dieses beschränkten und beschränkenden Kasblattls auf seine natürliche Grenze.

Güle, güle Hojaç Bey!
 
00
16.6.2009, 11:56
Ich plädiere für die Umsetzung des Medien-Kartellrechts und eine Beschränkung dieses beschränkten und beschränkenden Kasblattls auf seine natürliche Grenze.

Format A6?
Klopapiergröße?

stefan81
00
15.6.2009, 17:19

was wollens machen? eine zeitung verbieten weil ihnen die meinung dieser nicht passt?

frune
01
15.6.2009, 18:35
wenn ein Medium

auf die Bevölkerung einer Nation derart katastrophale Auswirkungen hat wie es bei der Krone der Fall ist, MUSS sie zumindest kartellrechtlich belangt werden.

Ein Ewiggestriger als Chef des Kloblattls hat es geschafft, die Eingeborenen in die Geisteshaltung der 30er Jahre "zurückzuWOLFMARTINIEREN".

Elisabeth Jarok
23
15.6.2009, 15:49
tja...

also wegen der eu dürfen die österreicher mit ihren steuergeldern die medizinstudentInnen aus deutschland an österreichs unis finanzieren - wenn wer was sagt wird er von eu-kommissaren aus ländern, deren sprache sonst niemand spricht (portugal, niederlande, etc.) zynisch-grinsend auf die grenzenlosigkeit in der eu verwiesen.
wegen der eu donnern immer mehr lkws über den brenner, der tunnel kommt dann irgendwann in zig jahren, wenn alle anrainer dort weggezogen sind.

nur zwei beispiele, und dabei bin ich FÜR die EU. Aber über kleine länder drüberfahren (im wahrsten sinn des wortes beim transit) ist halt kein ruhmesblatt für die internationalisierung.

little django
 
00
15.6.2009, 19:49

studieren dürfen sie dafür auch wo anders, das wird im endeffekt ein nullsummenspiel sein. ebenso wie es ihnen freisteht in einem anderen eu-land zu arbeiten ohne daß sie groß bürokratische hürden hätten.
daß die lkw´s durch österreich donnern - hätten die damaligen verhandler besser ausmachen können.

in dem sinn hätte man wie die schweiz verhandeln können - rosinen rauspicken sonst wird´s nix. nachdem wir nach wie vor nettozahler sind, nehm ich jetzt mal an daß wir ganz gute karten gehabt hätten. aber das ist ein österreichische politische eigenart - nach unten treten, nach oben buckeln. ein bisserl rückgrat wär ganz gut gewesen

philosophier ich halt mal vor mich hin, so allein in meiner prärie

The Use and Abuse of Social Science
00
15.6.2009, 17:33
Naja...

1.) Studenten aus dem Ausland leben hier mehrere Jahre in denen Sie tagtäglich, mit jedem Einkauf, der Miete, Jobs, etc. Steuern zahlen. Die Summe aus Studiengebühren und diesen Steuern übertrifft in den allermeisten Fällen die Kosten eines Studienplatzes bei weitem.

2.) Während der Studienzeit schlägt man Wurzeln. Viele bleiben nach dem Studium. Billiger kann Österreich junge, gut ausgebildete und gesellschaftlich bereits integrierte Arbeitskräfte kaum haben. Andere Länder investieren kleine Vermögen um dieses Phänomen zu erzielen.

3.) Portugal/Niederlande - Länder, deren Sprache sonst niemand spricht? Sind Sie noch bei Trost?
http://de.wikipedia.org/wiki/Port... he_Sprache
http://de.wikipedia.org/wiki/Nied... he_Sprache

Ernst Kratochwil
10
15.6.2009, 20:52
Wie Sie das berechnen wäre schon sehr interessant!

Die Summe aus Studiengebühren und diesen Steuern übertrifft in den allermeisten Fällen die Kosten eines Studienplatzes bei weitem.
----------


Zu 3. und bei Trost sein:

Es geht umd die EU und nicht um die Welt.

The Use and Abuse of Social Science
00
16.6.2009, 10:47
Ich stütze mich dabei auf Berechnungen die in meiner Zeit als Studierendenvertreter an meiner Fakultät vorgenommen wurden. Die tatsächlichen Kosten eines Studienplatzes lagen damals in den meisten Studienrichtungen sogar unter den Studiengebühren.

Diese Ergebnisse können übrigens nur jene Personen ernsthaft überraschen, die mangels Universitätsbezug eine verklärt romantische Vorstellung vom Studieren in Österreich haben.

Und zu 3./EU: Das macht die Aussage von E.Jarok nicht intelligenter.

Schließlich gibt es a) auch in der EU Millionen von Niederländisch-Sprechern außerhalb der Niederlande. (Auch Portugiesisch wird in der EU nicht nur in Portugal gesprochen.)

Und b) wird nicht nur in Ö. die gleiche Sprache gesprochen wie in D., sondern auch umgekehrt: Auch in D. studieren 1000e Österr. und es gab auch schon mehr Österr. an dt. Unis als umgekehrt und niemand hat sich beschwert.

Und c): Sowohl in den Niederlanden als auch in GB gibt es deutlich mehr deutsche Studenten als in Ö.

Ernst Kratochwil
00
16.6.2009, 11:08
Und wenn Sie diesen Berechnungen, insbesondere

...Kosten eines Studienplatzes lagen damals in den meisten Studienrichtungen sogar unter den Studiengebühren....


kann man Sie nur schwer ernst nehmen.


Heute ist im Standard ein Bericht über Bildungsausgaben.

Und wenn Ihnen der nicht reicht:

http://www.eds-destatis.de/de/downlo... _05_18.pdf


Wo wird in der EU ausser in Holland und ausser in Portugal in nennenswertem Aufkommen Holländisch und Portugiesisch gesprochen?

The Use and Abuse of Social Science
00
16.6.2009, 14:48
Wo in der EU außerhalb der Niederlande/Portugals noch Niederländisch/Portugiesisch gesprochen wird?

Wollen Sie nicht mal das Schild "Achtung, Staatsgrenze!" vor Ihrem Kopf entfernen? ;-) Die beiden Links in meinem Posting hätten Ihre Frage eigentlich bereits beantwortet...

Niederländisch: 6,2 Millionen Belgier (60% aller Belgier)

Portugiesisch: 14% aller Luxemburger, weitere nennenswerte Anteile portugiesischsprachiger Bevölkerung in: http://en.wikipedia.org/wiki/Port... se_descent
Zu Frankreich liest man andernorts sogar von ca.2.000.000 Portugiesen.

Aber welche Rolle spielt das schon? Die deutlich höheren Zahlen deutscher Studierender in den Niederlanden und GB zeigen doch ohnehin, dass Österreich im Vergleich mit anderen Ländern einen paranoiden Geiz bezüglich seiner Hochschulbildung an den Tag legt.

Ernst Kratochwil
00
16.6.2009, 15:05
Ich habe von "nennenswert" gesprochen.

Da sind die Zahlen von den Portugiesen lächerlich.

Aber auch die Flamen in Belgien sind nicht vergleichbar mit uns und Deutschland das eine ca. zehnmal so große Bevölkerung hat.

Es redet ja auch bei uns niemand von den Südtirolern und den vielen anderen deutschen Minderheiten in Europa.

Noch zu Ihren Zahlen über die Kosten eines Studioplatzes. Der eine Vortragende ist IMn der einzige Personalbedarf. Organisation, Infrastruktur, Lehrmittel... ?
Schauen Sie einmal was ein einfacher Kurs auf einige Wochen beim WIFI, BFI oder einer ähnlichen Schule kostet.


The Use and Abuse of Social Science
00
16.6.2009, 22:51
Wenn 60% der GESAMTausgaben für einen Studenten angeblich Personalausgaben, sowie weitere 15-20% indirekte öffentliche Ausgaben für Bildung sind und dann noch Forschungsförderungen mit eingerechnet werden, ...

... dann stellt sich schon die Frage wie bedeutsam und einschneidend denn die Kosten für "Organisation, Infrastruktur, Lehrmittel..." pro einzelnem Studenten sein können.

Sollten Sie in den letzten Jahren einmal einen Hörsaal von Innen gesehen, den Genuss des "wahrhaft unerschöpflichen Lehrmittelreichtums" erlebt, oder Kontakte zur universitären Administration gehabt haben, dann wäre Ihnen Ihr Einwand ziemlich peinlich.

Ihr Vergleich von (überteuerten) WIFI/BFI/u.ä.-Kursen mit der Uni bestätigt Ihre Distanz zur universitären Realität nur umso mehr.

Wenn Sie sich unsere Unis so vorstellen wie es Ihr Posting nahelegt, dann könnte ich fast sogar verstehen, dass Sie sich vor einer "deutschen Studi-Steuerfresserlawine" fürchten...

Ernst Kratochwil
00
16.6.2009, 23:08
Dann stellt sich die Frage...

die Sie aber mit Andeutunge und Unterstellungen auch nicht beantworten.

Was Sie an dem Vergleich von einfachen Kursen bei WIFI und ähnlichen Instuten schlecht finden, müssen Sie erklären.
Sie können auch Kurse mit geförderten Instituten die zum Selbstkostenpreis arbeiten dazu nehmen.
Überall werden Sie feststellen dass sie bei den meisten Kursen ziemlich schnell die Studiengebühr erreichen. Mit der man nach Ihren Berechnungen oft schon einen Studienplatz finanzieren kann.
Das ist nur lächerlich.

Ah ja, weil das andere Posting noch nicht freigeschalten ist. Sie wissen aber schon das Holland gut doppelt so viele Einwohner hat wie Aut und England noch ein bisserl mehr?

The Use and Abuse of Social Science
00
19.6.2009, 16:22
Was ich am Vergleich mit einfachen Kursen bei WIFi u.ä. Bildungsinstituten schlecht (eher: absurd) finde? Hier, aus Platzgründen, zwei meiner zentralen Gründe:

1.) Bildungsinstitute sind reine Ausbildungsstätten. Sämtliche Infrastrukturen müssen über Bildungsangebote finanziert werden. Unis sind KEINE reinen Ausbildungsstätten, selbst wenn sie 1000e Studenten verzeichnen. Der wissenschaftliche Auftrag steht im Mittelpunkt.

2.) Bildungsinstitute können ihren Klienten umfangreiche Services, ausgezeichnete Infrastrukturen, vernünftige Gruppengrößen und intensive Betreuung bieten. Unis können den meisten Stud.kaum mehr als Bibliotheken und ein oftmals sehr eingeschränktes Lehrangebot bieten. Ich kenne nicht wenige Studenten, die das Studium abgebrochen und an FHs oder private Ausbildungsinstitute gewechselt haben, weil Ihnen der Organisationsaufwand zu viel und die akadem.Betreuung zu wenig waren.

The Use and Abuse of Social Science
00
16.6.2009, 22:27
Gerade bei den Portugiesen halte ich diese Zahlen durchaus für nennenswert - immerhin stehen diesen mindestens 1,8 Millionen portugiesischsprachigen Menschen...

...(lt. anderen Zahlen noch weit mehr) außer in Portugal keine portugiesischsprachigen Universitäten zur Verfügung. Vom Potenzial her durchaus vergleichbar mit ein paar 1000 deutschen Studenten die nach Österreich kommen.

Und ja, ich will Sie ein wenig damit ärgern. Denn Österreich ist ebenso wenig deutsches Studienziel Nummer 1, wie Portugiesisch und Niederländisch sich in der EU an Nationalgrenzen halten. Und gerade diese beiden Länder haben gerade wegen ihren Sprachen eine Zuwanderung die die Österreichische in den Schatten stellt.

Die Tatsache, dass die Niederlande und GB ohne rumzusudern mehr deutsche Studenten aufnehmen als bisher nach Österreich kommen wollten, darüber sehen Sie nach wie vor stillschweigend hinweg, richtig?

The Use and Abuse of Social Science
00
16.6.2009, 13:57
Achtung: Die Zahlen auf die Sie sich beziehen sind nicht die Kosten eines Studienplatzes pro Semester, sondern die GESAMTausgaben für einen österreichischen Studenten. Da steckt weit mehr drin, als ein Student im Regelfall tatsächlich konsumiert:

2/5 dieses Betrages beziehen sich auf Forschung&Entwicklung. Diese Gelder kommen der österr.Forschung zugute und sind somit für einen Studenten im Grundstudium quasi irrelevant. Mehr Stud.(z.B. aus D.) erhöhen Ausgaben zur Forsch.förd. übrigens nicht.

Sie dürfen - bzgl. Studierenden aus Deutschland - auch sämtliche Beihilfen abziehen, die ja von Studenten aus anderen EU-Ländern nicht konsumiert werden können. (Siehe indirekte öffentliche Ausgaben für Bildung.)

60% d. Gesamtausgaben/Student sollen die Personalausgaben ausmachen? Meine Arbeit in Uni-Gremien hat anderes gezeigt:Das Gros d. Lehre wird von minderbezahlten Lektoren in knallvollen Hörsälen getragen u. die tatsächl.Kosten eines normalen Studienplatzes liegen wesentlich niedriger.

Ernst Kratochwil
00
16.6.2009, 23:50
Nur weil Ihre Rechnungen so weltfremd sind, habe ich

mir die Arbeit gemacht und nach den Kosten eines Studienplatzes für Medizin gegoogelt.

http://www.parlament.gv.at/PG/DE/XXI... 096692.pdf



Jetzt rechnen Sie einmal nach, was bei Ihrer Kalkulation die Studenten im Land konsumieren müssten damit diese Beträge über Steuern hereinkommen.
Natürlich abzüglich der Studiengebühr. ;)

Wobei es mir net so wichtig ist, wie das weiter mit der EU geregelt wird.
Es geht nur darum, wie unrealistisch die Milchmädchenrechnung mit der Finanzierung über die Studiengebühr und den Steuern tatsächlich ist.

Robert Niessner
 
00
17.6.2009, 10:40

Das von Ihnen verlinkte PDF haben Sie aber nicht gründlich gelesen, oder? Ich verweise auf den letzten Absatz der ersten Seite.

Ernst Kratochwil
00
17.6.2009, 12:22
Ja,

und?

Robert Niessner
 
00
17.6.2009, 16:30

Da sind auch die Kosten für die gemeinsam benutzte Uniklinik inbegriffen...

Ernst Kratochwil
00
17.6.2009, 17:25
Jo eh, anteilsmäßig, und dafür

benutzen sie diese ja auch.


Also?



The Use and Abuse of Social Science
00
19.6.2009, 15:53
"Benutzen" nennen Sie das Arbeiten in der Uniklinik also? Also so, wie Lehrlinge ja auch unendlich dankbar sein müssen die Infrastrukturen in ihrem Lehrbetrieb "benutzen" zu dürfen...? ;-)

Außerdem: Unis sind keine reinen Ausbildungsstätten. Forschung ist immer noch ein zentrales Beschäftigungsfeld und sehr kostenintensiv. Die Berechnungen in diesem PDF haben mit den tatsächlichen Kosten eines Studienplatzes nur sehr eingeschränkt zu tun.

Und: Natürlich sind Studienplätze an der Medizin teurer als der Durchschnitt. Die Kosten eines durchschnittlichen Studienplatzes - das Gros studiert Fächer mit minimalstem Material- und Personalaufwand - liegen, ob Sie es glauben wollen oder nicht, deutlich darunter.

Ich möchte Sie auch allen Ernstes fragen, wie weltfremd meine Rechnungen denn sein können, die ich aus meiner dreijährigen Arbeit in Studienkommissionen, Instituts- und Fakultätskonferenzen aus erster Hand kenne?!

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