Arcandor hofft doch noch auf Staatshilfe

15. Juni 2009, 17:39
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Regierung prüft Massekredit für insolventes Unternehmen

Berlin - Eine Woche nach seiner Pleite kann der deutsche Arcandor-Konzern nun doch noch auf Staatshilfe hoffen. Das Unternehmen aus Essen (Karstadt, Quelle, Thomas Cook) erwägt nun die Möglichkeit eines sogenannten Massekredits. Dieser wird gegenüber den anderen Gläubigerforderungen bevorzugt zurückgezahlt und soll den normalen Weiterbetrieb der Geschäfte absichern.

Arcandor hatte ja am vergangenen Dienstag Insolvenz angemeldet, nachdem die deutsche Regierung sowohl Bürgschaften als auch einen Notkredit über 437 Millionen Euro abgelehnt hatte. Jetzt jedoch lässt Wirtschaftsminister Theodor zu Guttenberg (CDU) prüfen, ob die Regierung nicht doch eine Staatsbürgschaft für einen solchen Massekredit geben kann.

Arcandor-Chef Gerhard Eick möchte den Konzern mit seinen drei Säulen (Warenhäuser, Versandhandel, Touristik) nach wie vor als Ganzes erhalten. Grundlage dafür soll jener Sanierungsplan sein, den er im April vorgestellt hat. Dieser sieht vor, die drei Premium-Häuser KaDeWe (Berlin), Alsterhaus (Hamburg) und Oberpollinger (München) zu verkaufen, sich in den anderen Karstadt-Häusern auf das mittlere Preissegment zu konzentrieren.

Konkurrenz ist interessiert

Mit potenziellen Interessenten will Arcandor derzeit nicht sprechen. Dennoch werfen diese bereits begehrliche Blicke auf den insolventen Konzern. Konkurrent Metro ist nach wie vor an den Karstadt-Filialen interessiert, ebenso eine Investorengruppe um die insolvente Hertie-Gruppe (Warenhäuser). An der Arcandor Versandsparte Primondo zeigt der Otto-Versand Interesse, an der Reise-Sparte Thomas Cook (die nicht insolvent ist) der Lebensmittel- und Touristikkonzern Rewe.

Großaktionärin Madeleine Schickedanz, die 26 Prozent der Anteile hält, will ihr Aktienpaket nicht verkaufen. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat das Vorgehen der Regierung bei Arcandor am Montag verteidigt. Die Insolvenz bedeute keineswegs, dass das Unternehmen völlig vom Markt verschwinde. Jetzt gebe es eine Chance für Neustrukturierung. (bau, DER STANDARD, Printausgabe, 16.6.2009)

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