US-Angriff auf Dorf offenbar nach Fehlinformationen

14. Juni 2009, 12:24
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Laut Bericht des britischen Fernsehens - Truppen wurden demnach in Fehde zwischen zwei Ortschaften verwickelt

London - Ein tödlicher Luftangriff der US-Streitkräfte auf ein Dorf im Westen Afghanistans geht möglicherweise auf gezielte Fehlinformation zurück. Laut einem Bericht des britischen Fernsehsenders Channel 4 verbreiteten Anwohner eines Nachbardorfes ganz bewusst das Gerücht, in der Ortschaft Azizabad hielten sich Taliban-Kämpfer auf. Sie hätten damit einen US-Angriff auf das mit ihnen verfeindete Dorf provozieren wollen. Bei der Attacke kamen am 22. August 2008 nach UN-Angaben mindestens 91 Menschen ums Leben.

Der britische Fernsehbericht, den die Nachrichtenagentur AP im Voraus sehen konnte, soll am Montagabend ausgestrahlt werden. Darin heißt es weiter, ein Ältester des Nachbardorfes Kalask sei inzwischen wegen der Verbreitung von falschen Informationen in dem Fall zum Tode verurteilt worden. Sein Berufungsverfahren laufe noch. Augenzeugen wollen den Mann in jener Nacht bei den angreifenden Truppen gesehen haben. Als Grund für die Fehde zwischen den beiden Dörfern wurden Rivalitäten um Arbeitsplätze auf dem nahegelegenen US-Stützpunkt Shindand angegeben.

Die US-Streitkräfte hätten sich letztlich auf die Seite der Bewohner von Kalask gestellt, heißt es in dem Bericht weiter. So hätten sie den afghanischen Behörden die Zusammenarbeit bei der Fahndung nach drei Männern aus Kalask verweigert, denen die Folterung und Ermordung eines Bewohners von Azizabad vorgeworfen werde. Die drei Verdächtigen seien Wachmänner am Stützpunkt Shindand gewesen.

Laut US-Militär 33 zivile Opfer

Die US-Streitkräfte haben erst nach mehreren Monaten eingeräumt, dass bei dem Angriff auf Azizabad überhaupt Zivilpersonen umkamen. Die Zahl der zivilen Todesopfer wurde schließlich nur mit 33 angegeben. Des weiteren seien 30 Taliban getötet worden, hieß es. Den afghanischen Behörden und den Vereinten Nationen zufolge waren indessen keine Aufständischen unter den Opfern, die sie auf 91 beziffern.

Bei einem weiteren US-Luftangriff Anfang Mai dieses Jahres wurden in der Provinz Farah nach afghanischen Angaben 140 Dorfbewohner getötet. Die US-Streitkräfte sprachen indessen von maximal 30 zivilen Opfern und 60 bis 65 getöteten Taliban. (APA/AP)

 

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