Neun Ausländer angeblich von Rebellen entführt

14. Juni 2009, 18:29
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Deutscher Arzt mit Familie unter den Verschwundenen

Sanaa - Sieben Deutsche, ein Brite und eine Südkoreanerin wurden im Nordjemen offenbar von schiitischen Rebellen verschleppt. Dies teilte das Verteidigungsministerium in Sanaa am Sonntag mit. Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte die Entführung nicht, gab aber bekannt, dass sieben deutsche Staatsbürger seit Freitag vermisst würden; man habe einen Krisenstab eingerichtet und kooperiere mit den jemenitischen Behörden. Wegen früherer Entführungsfälle, zuletzt wurde im Jänner ein Ingenieur zwei Tage lang festgehalten, nähme man die Angelegenheit sehr ernst.

Nach Angaben aus der betroffenen Provinz Sada soll es sich bei den Deutschen um einen Arzt, seine Ehefrau, und deren fünf Kinder handeln. Die beiden anderen Opfer sollen ein britischer Ingenieur und seine südkoreanische Frau sein. Die Gruppe sei bei einem Picknick in Sada, 200 Kilometer nördlich der jemenitischen Hauptstadt Sanaa, verschleppt worden. Die neun Entführten sollen Mitglieder einer Hilfsorganisation sein. Die beschuldigten Rebellen weisen die Vorwürfe aber von sich. "Wir haben nie Ausländer entführt und haben auch keine Informationen über die Gruppe" , erklärte ein Sprecher.

Entführungen von Ausländern durch aufständische Stämme und Clans sind im Jemen häufig. Die Rebellen wollen damit meist die Freilassung inhaftierter Angehöriger erzwingen oder auf soziale Missstände aufmerksam machen. Meist gehen die Entführungen glimpflich aus. Zuletzt wurden vergangenen Freitag in der Hauptstadt Sanaa 24 Ärzte und Krankenschwestern freigelassen, die einen Tag zuvor verschleppt worden waren. Nach Angaben der Regierung forderten die Rebellen von den Behörden die Freilassung von zwei Häftlingen. Im Nordwesten des Landes begann 2004 ein Aufstand gegen die Regierung wegen wirtschaftlicher und religiöser Diskriminierung.

In den vergangenen 15 Jahren wurden in der Islamischen Präsidialrepublik Jemen rund 200 Ausländer entführt. Das österreichische Außenministerium weist auf die erhöhte Sicherheitsgefährdung im Jemen hin. Eine partielle Reisewarnung besteht für die Provinzen Al-Djauf, Marib, Shabwa und Sada.

Al-Kaida-Finanzboss gefasst

Hassan Hussein Alwan, ein mutmaßlicher Finanzchef der Extremistenorganisation Al-Kaida, soll am Freitag festgenommen worden sein. Ein Vertreter der Sicherheitsbehörden berichtete am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters, dass der Saudi-Araber in der Ost-Provinz Marib, 190 Kilometer nordwestlich von Sanaa, aufgegriffen wurde. Er sei für die Finanzierung der Organisation in Saudi-Arabien und im Jemen verantwortlich gewesen und einer der "gefährlichsten Al-Kaida-Terroristen" .

In den letzten Monaten kam es im Jemen zu mehreren terroristischen Anschlägen: Im März fielen vier koreanische Touristen einem Selbstmordattentat in Shibam zum Opfer, ebenfalls im März starb ein Terrorist bei einem versuchten Selbstmordangriff auf der Straße zum Flughafen Sanaa. Am 17. September des Vorjahres wurde auf die US-Botschaft in Sanaa ein Terroranschlag verübt, bei dem zehn Menschen getötet wurde. (red/APA/AP, jub/DER STANDARD, Printausgabe, 15.6.2009)

 

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