Wurz-Triumph beim 24-Stunden-Rennen

13. Juni 2009, 22:07
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Das Peugeot-Team des Niederösterreichers gewann den Klassiker in Le Mans. Wurz erster Österreicher mit zwei Siegen

Le Mans/Frankreich - Alexander Wurz und seine beiden Teamkollegen Marc Gene und David Brabham haben Peugeot erlöst. Das Trio gewann am Sonntagnachmittag die 77. Auflage des Sportwagen-Klassikers 24 Stunden von Le Mans und bescherte dem französischen Hersteller den ersten Triumph auf dem 13,629 km langen Kurs seit 1993. Für Wurz war es nach 1996 der bereits zweite Le-Mans-Sieg, damit ist der 35-Jährige der erste Österreicher mit zwei Siegen im traditionellen 24-Stunden-Rennen im Nordwesten Frankreichs.

Wurz macht Peugeot froh

"Das ist großartig", lautete der erste knappe Kommentar des sichtlich überglücklichen Niederösterreichers, der eine kleine Peugeot-Fahne schwenkte. Wenige Minuten später erhielt er dann die obligate (Rolex-)Siegeruhr für den Le-Mans-Triumph, den er eingeleitet hatte. Wurz hatte kurz vor 21.00 Uhr am Samstagabend erstmals die Spitze übernommen, die er, der Australier Brabham und der Spanier Gene in der Folge nicht mehr abgaben.

Am Ende hatte das Trio eine Runde Vorsprung auf die französischen Markenkollegen Franck Montagny/Stephane Sarrazin/Sebastien Bourdais, die im Peugeot 908 HDi-FAP zwar klar die Pole Position erobert, im Rennen aber dann mit einem Aufhängungsproblem zu kämpfen hatten. Für das zuletzt dominierende Audi-Team blieb nach Unfällen und technischen Problemen ausgerechnet im Jahr des 100-jährigen Firmen-Jubiläums diesmal nur Rang drei. Acht Mal hatte der deutsche Konzern zuvor seit 2000 in Le Mans gewonnen und in den vergangenen beiden Jahren dabei auch Herausforderer Peugeot düpiert.

Diesmal waren die Franzosen aber perfekt vorbereitet, die Werksfahrzeuge mit dem Löwen-Logo fuhren souverän den dritten Le-Mans-Sieg nach 1992 und 1993 ein. "Gigantisch. Wir mussten eine riesige Erwartungshaltung erfüllen", gestand der neue Peugeot-Sportdirektor Olivier Quesnel, der den Tränen nahe war, nach dem schlaflosen Rennwochenende, das insgesamt 234.800 Zuschauer vor Ort verfolgt hatten. "Für mich geht ein großer Traum in Erfüllung." Vor dem Rennen hatte es Spekulationen gegeben, dass sich der Autobauer im Fall einer erneuten Pleite aus dem kostspieligen Langstreckensport zurückziehen könnte.

"Die besten Momente meiner Karriere"

Alexander Wurz zeigte sich hocherfreut über seinen zweiten Le-Mans-Triumph. "Diese beiden Siege waren die besten Momente meiner Karriere", verriet der 35-jährige Niederösterreicher. Peugeot-Sportdirektor Olivier Quesnel lobte Wurz und seine Team-Kollegen in den höchsten Tönen: "Ein Doppelerfolg ist fantastisch. Mehr konnten wir uns kaum erträumen."

Die ehemaligen Formel-1-Piloten Wurz und Gene fuhren gemeinsam mit Brabham, Sohn des dreifachen Formel-1-Weltmeisters Jack Brabham, praktisch fehlerfrei zum langersehnten Triumph. Insgesamt 382 Mal umrundete der von einem 5,5 Liter großen V12-Diesel-Bi-Turbo-Motor angetriebene und 930 kg schwere Peugeot mit der Nummer 9 den Kurs. Der Vorarlberger Christian Klien hatte dagegen keine Chance auf den Sieg, nachdem sein portugiesischer Peugeot-Teamkollege Pedro Lamy bereits 41 Minuten nach dem Start schuldlos in eine Kollision in der Boxengasse verwickelt worden war. Klien, Lamy und der Franzose Nicolas Minassian kämpften sich aber noch auf Platz sechs vor.

Nichts zu holen für Klien

"Enttäuschung mischt sich mit Stolz. Wir haben eine Riesenchance auf den Sieg gehabt. Aber um zu siegen, muss eben alles passen. Das Ergebnis zeigt auch deutlich den Sportsgeist von Peugeot: Im Siegerauto sitzt kein einziger Franzose, im zweitplatzierten gleich drei. Hier geht es nur um Racing. Ich gratuliere Alex, David und Marc zum Sieg. Le Mans zu gewinnen, ist ein Traum", lautete der faire Kommentar von Klien.

Neben Wurz hatte auch das österreichische Jetalliance-Racing-Team Grund zum Feiern. Lukas Lichtner-Hoyer, der Deutsche Alex Müller und Thomas Gruber wurden im Aston Martin DBR9 in der Gesamtwertung 31., schafften aber in der GT1-Klasse als Dritte den Sprung aufs Podest. Für die drei Teams der restlichen vier Österreicher - Philipp Peter, Richard Lietz sowie Horst Felbermayr Jr. und Sen. - ging das Rennen nach technischen Defekten dagegen vorzeitig zu Ende. (dpa/APA)

Der Endstand der 77. Auflage des 24-Stunden-Rennens für Sportwagen auf dem 13,269 Kilometer langen Kurs in Le Mans am Sonntagnachmittag:

1. Alexander Wurz/Marc Gene/David Brabham (AUT/ESP/AUS) Peugeot 908 HDi-FAP 382 Runden

2. Franck Montagny/Stephane Sarrazin/Sebastien Bourdais (FRA) Peugeot 908 HDi-FAP +1 Runde

3. Allan McNish/Tom Kristensen/Rinaldo Capello (GBR/DEN/ITA) Audi R15 TDI +7 Runden

4. Stefan Mücke/Jan Charouz/Tomas Enge (GER/CZE/CZE) Lola-Aston-Martin +9 Runden

5. Olivier Panis/Nicolas Lapierre/Soheil Ayari (FRA) Oreca-AIM +12 Runden

6. Pedro Lamy/Nicolas Minassian/Christian Klien (POR/FRA/AUT) Peugeot 908 HDi-FAP +13 Runden

Weiter: 31. Lukas Lichtner-Hoyer/Alex Müller/Thomas Gruber (AUT/GER/AUT) Aston Martin DBR9 +88 Runden (Rang drei GT1-Wertung)

Ausgeschieden, u.a.: Philipp Peter/Karim Ojjeh/Claude-Yves Gosselin (AUT/KSA/FRA) Zytek 07S, Marc Lieb/Richard Lietz/Wolf Henzler (GER/AUT/GER) Porsche 997, Horst Felbermayr Jr./Horst Felbermayr Sen./Michel Lecourt (AUT/AUT/FRA) Porsche 997

55 Teams am Start, 34 im Ziel.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Wurz beim Sekt-Duschen mit seinen Teamkollegen Marc Gene und David Brabham. Mehr Fotos finden Sie hier.

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