Eine Liste als Quell neuen Ungemachs

13. Juni 2009, 17:38
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FIA-Alleingang bei der Nennung des Starterfeldes für 2010 provoziert Mosley-Gegner um Ferrari

Rom/Berlin  - Das Ferrari-Land sieht rot. Nach dem Affront des Automobil-Weltverbandes, die Scuderia gegen deren Willen vorbehaltlos als Starter für die kommende Formel-1-Saison zu benennen, nehmen die italienischen Zeitungen FIA-Chef Max Mosley ins Visier. "Mosleys letzte Show: Ferrari für 2010 eingeschrieben", meinte "Tuttosport". Der "Corriere dello Sport" urteilte: "Die Konstrukteure fordern Mosleys Kopf." Zuvor hatten die sieben Ferrari-Partner in der Teamvereinigung FOTA am ereignisreichen Freitag ihre Solidarität mit den Italienern erklärt und gemeinsam einen Hilferuf an die obersten FIA-Gremien geschickt.

Noch am Freitagabend hatte die Vereinigung der europäischen Automobilhersteller ACEA ein Ende des derzeitigen Führungssystems in der Formel 1 gefordert und damit den Druck auf Mosley erhöht. Die Pressemitteilung erfolgte nur wenige Stunden, nachdem ein dreiseitiger Brandbrief der Teamvereinigung FOTA an den Motorsport-Weltrat und den Senat der FIA bekanntgeworden war. Darin erbitten die acht Rennställe in den weiteren Gesprächen mit dem Verband die Hilfe der Spitzengremien. "Mosley provoziert - Fiat & Co. erklären ihm den Krieg", befand La Repubblica (Samstag).

Trotz der deutlichen Warnung von Teamchef Stefano Domenicali ("Dann sind die Meldungen ungültig") tauchten Ferrari und auch Red Bull sowie dessen Schwesterteam Toro Rosso ohne weitere Anmerkung auf der insgesamt 13 Teams umfassenden Startliste für 2010 auf. Die FIA geht offenbar von vertraglichen Verpflichtungen der drei Teams aus, in der FIA-Weltmeisterschaft an den Start gehen zu müssen. Im Falle von Ferrari ist der Rennstall von einer entsprechenden Vereinbarung aber wohl befreit, sollte die FIA Regularien verändern. Das bestätigte in der seit drei Monaten währenden Machtprobe schon ein Pariser Gericht. Darauf pochen die Italiener.

"Werden nicht teilnehmen, wenn Regeln so bleiben"

"Entweder wir lösen den Streit oder wir werden eine eigene Serie haben", betonte Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo. "Wir werden nicht an der nächsten Weltmeisterschaft teilnehmen, wenn die Regeln so bleiben und Ferraris Rechte nicht berücksichtigt werden", sagte er  "Wir bilden eine starke Gruppe. In der FIA wird es Leute geben, die verantwortungsvoll genug sind und verstehen, dass man die Formel 1 nicht zerstören darf", meinte di Montezemolo bezüglich der FOTA-Phalanx gegen Mosley.

Die mit Ferrari, Red Bull und Toro Rosso in der FOTA um eine gesicherte Zukunft der Formel 1 kämpfenden Renställe McLaren- Mercedes, BMW-Sauber, Renault, Toyota und BrawnGP wurden auf der FIA-Startliste indes unter Vorbehalt benannt. Bis kommenden Freitag haben sie Zeit, nach entsprechenden Verhandlungen ihre Bedingungen aufzugeben, lautete die Einschränkung. Doch ein Nachgeben der Teams erscheint unwahrscheinlich. Die acht Rennställe fordern ein einheitliches Reglement für alle Teilnehmer und ein neues Concorde Agreement, das die Teams bis 2012 an die Formel 1 binden soll und unter anderem die Verteilung der Gelder regelt. Sonst wollen die Mosley-Gegner 2010 nicht an den Start gehen.

Kein Wunder, dass sich die vorerst nicht berücksichtigten Neubewerber, darunter Superfund mit Alexander Wurz, weiter Hoffnung machen, ebenso wie Campos aus Spanien, Manor aus England und USF1 aus den USA einen Startplatz fürs nächste Jahr zu ergattern. Allerdings ist möglicherweise die gesamte Startliste vom Freitag nur Makulatur. Eine Aussage des Chefs von Kandidat Epsilon Euskadi, Joan Villadelprat, auf der Homepage des Magazins "autosport" belegt dies: "Ich habe ein Schreiben von der FIA bekommen, das besagt, dass alles provisorisch ist und es die endgültige Liste am 19. (Juni) geben wird." Hundertprozentig sicher könne sich keiner sein. (APA/dpa)

 

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    Ferrari-Teamchef Domenicali: "Dann sind die Meldungen ungültig."

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