BZÖ und ÖVP bleiben KZ-Gedenkveranstaltung fern

13. Juni 2009, 14:32
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KZ-Überlebende Anita Lasker-Wallfisch als Festrednerin im ehemaligen Mauthausen-Außenlager am Loiblpass

Klagenfurt - Auf dem Loiblpass an der kärntnerisch-slowenischen Grenze hat am Samstag wieder die traditionelle Gedenkveranstaltung an die Opfer der dortigen Mauthausen-Außenlager stattgefunden. Beim Bau des Tunnels während des zweiten Weltkrieges wurden rund 1.300 KZ-Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen eingesetzt. Vor einer Woche hatten Bundespräsident Heinz Fischer und sein slowenischer Amtskollege Danilo Türk sowohl am Nordportal als auch am Südportal Kränze niedergelegt.

In den beiden Lagern Loibl Nord und Loibl Süd sind laut offiziellen Angaben zwischen 1943 und 1945 rund 40 Zwangsarbeiter ums Leben gekommen. Häftlinge aus 16 europäischen Ländern waren zur Zwangsarbeit an dem Tunnel in das KZ-Außenlager gebracht worden. 1943 begannen mehr als 330 Franzosen mit der Grabung auf der slowenischen Südseite.

300 TeilnehmerInnen

Die Fundamente des Lagers auf der Südseite sind restauriert und gut erhalten. Am Nordportal erinnern lediglich Gedenktafeln an das Verbrechen. In den kommenden Jahren soll dort allerdings auch eine "lebende Gedenkstätte" entstehen. An der Feier am ehemaligen Appellplatz der KZ-Außenstelle nahmen rund 300 Personen - darunter von der SPÖ Bundesrätin Ana Blatnik und Klubobmann Herwig Seiser sowie der Landessprecher der Grünen, Rolf Holub, teil.

Als Festrednerin Fungierte Anita Lasker-Wallfisch - eine der letzten bekannten Überlebenden des Mädchenorchesters von Auschwitz. Über ihre Erlebnisse in zwei KZ hat sie ein Buch geschrieben und ist als nun Zeitzeugin in Schulen unterwegs. Eigentlich habe sie vier Leben gehabt, so Lasker-Wallfisch. Als normales Kind, gefangene Jüdin, Musikerin und nun Brückenbauerin. "Leider hat das unsinnige Morden in diesem Jahrhundert nicht aufgehört", sagte die 84-Jährige. Eine derartige Stätte solle nicht nur zum Gedenken anregen, sondern auch ermahnen.

BZÖ und ÖVP nehmen nicht teil

Spitzenvertreter von ÖVP und BZÖ nahmen nicht an der Veranstaltung teil. Bei der Kranzniederlegung in der vergangenen Woche hatte Landeshauptmann Gerhard Dörfler (BZÖ) für Verwunderung gesorgt, weil er der Feier - trotz Einladung durch den Bundespräsidenten - ferngeblieben war und auch keinen Vertreter geschickt hatte. Dörfler hatte sich erst auf einen dringenden Auslandstermin ausgeredet, musste dann aber eingestehen, im Urlaub gewesen zu sein. Gegenüber der "Kleinen Zeitung" meinte er: "Ich sehe nicht ein, dass man jedes Mal Kränze niederlegen soll".

BZÖ-Landeshauptmann-Stellvertreter Uwe Scheuch meinte, keine Einladung erhalten zu haben. Zudem sei er bei der Auswilderung von Bartgeiern in den Hohen Tauern gewesen. Scheuch: "In dem Moment war das für mich wichtiger". (APA)

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