Nach der Wahl

Ausschreitungen und Gewalt

14. Juni 2009 19:11

Betrugsvorwürfe und Straßenschlachten - Rund hundert Reformpolitiker festgenommen

Mit Gewalt zerschlug die iranische Polizei am Wochenende Demonstrationen von Gegnern des überraschend deutlich wiedergewählten iranischen Präsidenten Ahmadi-Nejad. Der ließ auch gleich viele Oppositionspolitiker festnehmen.

*****

Er sitzt auf einer Bühne wie ein Magier in einer Kabarett-Show, hinter ihm eine Fototapete mit schneebedeckten Bergen, vor ihm ein Tisch. Die Beine verdeckt ein himmelblauer Stoffvorhang, seine Hände eine Girlande aus weißen und gelben Blumen. Der "Große Mahmud" hat Sonntagnachmittag eingeladen, um seinen wundersamen Wahlsieg zu erklären.

Keine Tricks, kein doppelter Boden jedoch: "Alles ist ganz normal", sagt Mahmud Ahmadi-Nejad, die Proteste auf den Straßen in Teheran ebenso wie die Anschuldigungen der unterlegenen Kandidaten bei dieser Präsidentschaftswahl. "70 Millionen haben gewonnen und 40 Millionen haben noch besser gewonnen", erklärt der Mann auf der Bühne, der am Samstag offiziell zum Wahlsieger ausgerufen wurde und der sich nun anschickt, eine zweite vierjährige Amtszeit anzutreten.

Rund 40 Millionen Iraner waren Freitag zur Wahl gegangen, eine Rekordbeteiligung von 85 Prozent. Es war als Signal verstanden worden, dass Ahmadi-Nejads Herausforderer, der reformorientierte frühere Premier Mir-Hossein Mussavi, seine Anhänger mobilisieren konnte. Umso überraschender fiel dann das offizielle Ergebnis aus. Ahmadi-Nejad, der 2005 dank einer geringen Wahlbeteiligung als Außenseiter gewonnen hatte, verbuchte nun plötzlich 62,6 Prozent. Der Amtsinhaber übertrumpfte seine drei Gegenkandidaten laut den Zahlen des Innenministeriums sogar in ihren eigenen Hochburgen leicht: Im Heimatdorf von Mohsen Rezai zum Beispiel stimmten von 83 Wählern angeblich 70 für Ahmadi-Nejad. Mehdi Karroubi, ein angesehener früherer Parlamentspräsident und scharfer Gegner des Präsidenten, kam mit nur 300.000 Stimmen als letzter durchs Ziel; der unbekannte Rezai hatte noch mehr als doppelt so viel erhalten.

"Sie haben nicht gewonnen, sie sind nicht glücklich, sie schreiben Briefe - das ist alles normal" , sagte Ahmadi-Nejad bei seiner Sieger-Pressekonferenz am Sonntag. Mussavi, ebenso wie der frühere Präsident und eigentliche große Gegenspieler, Hashemi Rafsanjani, hatten sich an den geistlichen Führer, Ali Khamenei, gewandt und wegen der offensichtlichen Unregelmäßigkeiten bei der Wahl protestiert. Vergebens. Khamenei nannte die Wiederwahl des umstrittenen Ahmadi-Nejad ein "Fest" für die Iraner. Der Wahlsieger selbst redete die gewaltsamen Zusammenstöße in Teheran vom Wochenende klein. Wie bei einem Fußballspiel sei das eben, 60.000, 70.000 sähen ein Spiel, die Emotionen gehen hoch und danach "passieren Sachen auf der Straße".

"Tod dem Diktator"

Einiges ist in der Tat passiert und vieles, das die Iraner seit den Studentenunruhen vor zehn Jahren, ja seit den Tagen der Revolution von 1979 nicht mehr gesehen haben: "Tod dem Diktator" und "wir wollen unsere Stimmen zurück" skandierten die Menschen am Samstag in Teheran. Die Polizei erschoss mindestens einen Anhänger Mussavis; in anderen Berichten ist von drei Toten die Rede. Wenigstens 170 Demonstranten wurden festgenommen, darunter 60 "Aufrührer" laut Innenministerium. Darunter waren Vertraute Mussavis, der Bruder des früheren Reformer-Präsidenten Mohammed Khatami, sein ehemaliger Regierungssprecher oder auch eine Enkelin des Republikgründers Khomeini. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 15.6.2009)

Kommentar posten
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nisus
15.06.2009 07:41
Wozu die Aufregung ?

Im Iran läuft eh alles richtig. Nur das Volk kann sich von seinem Tyrannen befreien. Jetzt bloß nicht von außen einmischen, das würde den Tyrannen nur stärken.

Wudri Hudri
15.06.2009 11:39

Sehr richtig.
Einmischung von aussen veranlasst das Volk sich hinter seine Führung zu stellen und sich zu einen.

Als Beispiele gelten bei uns die Angriffe und darauf folgende Wahl Waldheims, oder die "EU-Sanktionen"

xx Hour1
15.06.2009 07:17

http://www.irna.ir/View/Full... sId=546793
hier die Resultate von provinz Tehran.

Stadt Tehran:
AhmADI = 1,809,855
Mussavi = 2,166,245

Das sind 300,000 stimmen weniger für Ahmadi.
diese 300,00 stimmen hat der Ahmadi sich problemlos von
städte und dörfer rund um Tehran die sehr bevölkerungsreich sind , die auch zu provinz gehören geholt.
damit ist er auc h in Tehran 60% vorne.
damit ist er in Tehran mit

Zwei Und Vierzig
16.06.2009 16:08

Hmmm ... irgendwie stimmt was mit den Berechnungen nicht ...

In Teheran gab es 7Mio Wahlberechtigte ... 80% haben im Durchschnitt gewählt ... sind knapp 5,6Mio ... Die Stimmen für A. und M. ergeben 4Mio ... es fehlen demnach 1,6Mio Stimmen ... erkläre jetzt bitte nicht, diese hätten für die zwei übrig-gebliebenen Kandidaten bzw. ungültig gewählt ...

NONE
15.06.2009 10:56

Bitte hör doch auf mit dem Blödsinn.

Wer ein paar Hirnzellen hat weiss wie Wahlbetrug aussieht.

h 90
15.06.2009 13:41

Wahlbetrug sieht man immer wenn der Gewinner nicht passt.

Cepheus
15.06.2009 14:07
Das war keine Wahl

Der Wächterrat hat ja gerade einmal 4 Kandidaten von fast 800 Bewerbern zugelassen. Das ist eine Farce, mehr nicht.

SebastianR
15.06.2009 06:57
Was ich nicht verstehe

ist das totale Versagen der traditionellen Medien, daruner auch DerStandard.

Hier wird noch ueber den Wahlbetrug spekuliert, Gudrun Harrer schreibt ein Stueck dass einfaeltiger nicht sein koennte, und es wird komplett ignoriert was an Nachrichten aus Teheran und anderen Staedten kommt.

Was da abgeht ist ein Wechsel von klerikaler Diktatur zu sekulaerem Faschismus. Das war eine Machtuebernahme durch die republikanischen Garden. Khameini war nie ein legitimer Nachfolger Khomeinis und war 20 Jahre immer extremst darauf bedacht eine Form der Legitimierung seiner Macht zu haben.

Die Schweine wissen, dass sie die Bevoelkerung nicht mehr hinter sich haben und fluechten nach vorne in einen Polizeistaat.

Linus Tintifax
15.06.2009 10:44
sekularer faschismus

bitte noch eine definition auf wikipedia reinstellen :) - der iran ist schon lange ein klerikal regierter polizeistaat in dem das spitzelwesen nur so gedeiht. gibt's auch was neues außer ihrer sehr amüsanten begriffsschöpfung?

MiNeum71
 
15.06.2009 10:29


Sie haben da leider völlig recht. Ich habe Daten (von einem nahen Verwandten aus dem Innenministerium), die besagen, daß Moussavi die Wahl gewonnen hat (Mousavi 45,54%, Karroubi 31,95%, Ahmadinejad 13,60%, Rezai 8,91%). Zumindest muß eine seriöse Zeitung darauf hinweisen könne, daß so etwas existiert. Daß das Innenministerium Moussavi bereits zum Sieg gratuliert hatte, ist ein mehr als offenens Geheimnis, auch das ist in einer seriöser Berichterstattung zu erwähnen.

Überhaupt gibt es (Twitter/Facebook/YouTube sei Dank) mehr als genug Bilder und Videos, die das Geschehen durchaus gut dokumentieren.

Auf der anderen Seite: Café Latte schlürfende Bobos machen manches anders ;)

Michel de Nostredame
15.06.2009 09:43
Es ist ein Übergang von klerikaler Diktatur zu klerikalem Faschismus, nicht zu säkularem Faschismus

http://de.wikipedia.org/wiki/Hojjatieh

Ernst Guevara
15.06.2009 05:52
zivilcourage jetzt!

das ist genau so eine situation, in der jeder mensch vor der wahl steht und wo sich zeigt, wofür man wirklich eintritt. leute, hört auf zu resignieren und ohnmächtig wie die schafe einer herde nachzulaufen sondern werdet jetzt aktiv, das ist gelebte demokratie. macht jetzt politischen druck auf die österreichischen politiker, damit sie klar stellung beziehen zu den ereignissen in iran und vielleicht sogar ihren enfluss in der EU geltend machen. wozu haben wir denn sonst politiker? die sollen etwas für ihr geld machen. ausserdem kann man kontakt zu exiliranern in wien aufnehmen und politische organisationen und die zivilgesellschaft dazu bewegen, standpunkt zu beziehen. ich habe bereits ein aktivierungsmail an stop the bomb geschrieben.

Dr.Nötigenfalls
15.06.2009 10:39
Wofür genau sollen sich "unsere" Politiker einsetzen?

Viktor Schlauberger
 
17.06.2009 18:42
für ein bedingungsloses grundeinkommen

für mehr soziale gerechtigkeit
für höhere steuern für superreiche
für nachhaltigkeit
für bessere bildung und gleiche chancen für alle
für den ausstieg aus fossilen brennstoffen
gegen die zersiedlung der landschaft mit bankkreditfinanzierten häuschen
gegen die zinswirtschaft
für ein verbot von kriminellen geldgeschäften etc....
und tausend andere dinge die einem vollgefressenen, gesattelten upper-class politikersöhnchen und töchterchen gar nicht einfallen

Dr.Nötigenfalls
18.06.2009 07:00
ui....

heikle Themen;

Da ist es schon einfacher, sich über den Wahlausgang in tausende Kilometer entfernten Halbdemokratien zu echauffieren!

Michel de Nostredame
15.06.2009 09:45
Bitte auch um Protes-Emails an die iranische Botschaft in Wien

hier die email-Adressen:

public@iranembassy-wien.at
ambassador@iranembassy-wien.at

xx Hour1
15.06.2009 05:11

dioe proteste sind bereits zu ende, das war nur ein tag protest.
wenmn m an die zahlen und fakten betrachtet, gant objektiv
die unterklasse und mittelklasse sind für Ahmadi nejad
höher gestellten und teile mitteöl klass für mussavi.
Das sind genau 65% zu 35%.

Wo ist das problem ?
die Zahlen stimmen, Es gibt keinen Wahl betrug und es gibt gar keinen Beweis dazu.
die protester sind einpaar emotionalisierte jugendliche aufgehetzt und misbraucht von oppostion politiker.

Zwei Und Vierzig
16.06.2009 16:18
Patriotismus und Vaterlandsliebe ist eine Sache - Verbohrtheit und Dummheit eine andere.

Gerade du solltest doch wissen, was im Iran los ist.

Denkst Du denn nicht für 5 Minuten nach, welchen Schwachsinn du postest - was wirst Du denn Morgen schreiben, wenn du plötzlich drauf kommst, dass die die Proteste doch nicht nach einem Tag vorbei sind?

Es geht hier doch gar nicht mehr um Ahmadinejad und um die Wahl - es geht um all jene die sich Veränderung im Iran wünschen - nein nicht "Change im Sinne Obama's", sondern "Taghir" im Sinne der Iraner und der Iranischen Jugend - und dass man im Iran - in vier Jahren nicht sagt - "wozu soll ich wählen gehen, das System macht doch nur was es will" - dieses mal hat die Iranischen Führung anscheinenden doch begriffen dass sich die Bevölkerung sich doch nicht so plump verarschen lässt.

head bang0r
15.06.2009 15:47

wieso aufgehetzt durch oppositionspolitiker? moussavi macht das genaue gegenteil.

NONE
15.06.2009 10:57

Dein letzter Satz ist amüsant - was ist mit den Youtube Videos? Da sind deutlich mehr als nur "Jugendliche" zu sehen. Wenn man schon lügt wie du dann sollte man wenigstens neuere Medien verwenden können Junge.

MiNeum71
 
15.06.2009 10:40


Ich sehe, der IRI-Agent ist wieder unterwegs, um für den Propheten ein bißchen Werbung zu machen.

Ihr habt gelogen und betrogen, aber irgendwann seid Ihr fällig.

NoName100
15.06.2009 09:27

hab vergessen beim letzten post eine weitere frage zu stellen: erkläre mir wie rezai in seinem heimatdorf 20 stimmen von möglichen 800 bekommen haben soll, wo er selbst sagt, dass er mehr als diese 20 wahlberechtigte familienmitglieder dort hat....

NoName100
15.06.2009 09:25

erkläre mir warum karubi weinger stimmen hat, als sein wahlkampfteam groß ist.

erkläre mir warum mohsen rezai bei einer offiziellen hochrechnung 630.000 stimmen hat und beid er nächsten wo MEHR stimmen ausgezählt wurden plötzlich 580.000 (offizielle zahlen von irna)

erkläre mir wie es dazu komemn kann das zu wenige stimmzettel für die leute da sind obwohl 51 mio. gedruckt wurden ca. 36 mio. gewählt haben...

wenn du mir ALLE diese punkte erklären kannst, glaub ich das ergebnis auch...

bernhardbernhard
15.06.2009 05:02
Deja VU

irgendwie kommt mir dies mit dem Iran bekannt vor. Ein LAnd hat einen Präsidenten, der von den USA nicht sonderlich gemocht wird, und macht es durch seine Ansichten den USA auch leicht. Das LAnd hat ÖL und es ist dabei mit dem Atom zu "spielen". Nein ich rede nicht vom IRAk vor einigen JAhren - nein ich rede vom heutigen Iran. Also der CIA fährt dieselbe Propagandamaschine wie damls. Süß :-))

Odo
15.06.2009 03:55
Es wird wohl noch einige Tage Proteste gegen das Wahlergebnis im Iran geben. Das dürfte aber leider nichts mehr daran ändern, dass der "Teheraner Frühling" zu Ende ist.

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