Presse

Israels Militärs hoffen auf Ahmadinejad-Wahlsieg

13. Juni 2009, 15:21

"Jerusalem Post": Obama könnte unter Moussavi Atom-Deal mit Teheran schließen

Jerusalem/Wien - Nach Angaben der israelischen Presse wäre Israels Militärführung über einen Wahlsieg des iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad keineswegs unglücklich. "Einige im Verteidigungs-Establishment beten im Stillen...dass Ahmadinejad die Abstimmung am Freitag gewinnt", schrieb die "Jerusalem Post" am Tag der iranischen Präsidentenwahl in ihrer Internetausgabe.

In Israel gebe es die Sorge, dass US-Präsident Barack Obama nach den Wahlen mit dem Iran einen Deal abschließen könnte, der es Teheran ermögliche, Kernenergie für zivile Zwecke zu nutzen. Es gebe jedoch Übereinstimmung unter Israels führenden Militärs darüber, dass ganz gleich, ob Ahmadinejad oder sein reformorientierter Herausforderer Mir-Hossein Moussavi die Wahlen gewinne, die Uran-Anreicherung in den iranischen Untergrundbunkern in Natanz weitergehen werde, so die "Jerusalem Post".

Die Morgenzeitung "Maariv" sekundiert mit der Schlagzeile: "Israel bevorzugt Ahmadinejad". Angesichts der Möglichkeit einer militärischen Konfrontation mit dem Iran würden die Verantwortungsträger in Israel kein Hehl daraus machen, dass sie einen Kandidaten bevorzugen, der als "radikal" und "extremistisch" gelte. "Unter den gegebenen Umständen ist er (Ahmadinejad) das Beste, das uns passieren kann", zitierte das Blatt einen Sprecher des Außenministeriums, wie die spanische Zeitung "El Mundo" berichtete.

Der renommierte Kolumnist Ben Caspit schrieb laut "El Mundo": "Wenn du Freunde im Iran hast, versuche sie zu überzeugen, Ahmadinejad zu wählen. Es ist gut für Israel".

Hintergrund dieser Aussagen ist die Sorge der rechten israelischen Regierung, dass bei einem Wahlsieg Moussavis der Dialog zwischen dem Iran einerseits sowie den USA und Europa andererseits neue Impulse erhalten könnte. Israel sieht im Iran jedoch nach wie vor eine existenzielle Bedrohung und fordert harte Sanktionen gegen Teheran, um sein Atomprogramm zu stoppen. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 111
1 2 3
Ernst Guevara
00
16.6.2009, 11:06
also wäre ich ein anhänger von ahmadinejad, dann wäre ich jetzt seeeehr irritiert und verwirrt

da wird mir von den mullahs tagein tagaus erklärt, dass israel an allem schuld ist, was schlecht läuft auf der welt. und dann unterstützen plötzlich die israelischen militärs "meinen" präsidenten? hmm, da müsste doch mein ganzes weltbild ins wanken geraten und vielleicht würde ich anfangen, mich zu fragen, ob das wirklich alles stimmt, was mir die mullahs so erzählen. vielleicht würde ich mich letztlich sogar fragen, wenn es schon nicht stimmen kann, dass israel so "böse" - denn sonst würden sie ja nicht "meinen" präsidenten unterstützen - vielleicht haben mich die mullahs dann auch bei anderen fragen angelogen und hinters licht geführt? vielleicht haben die leute, die da gegen ahmadinejad demonstrieren, gar nicht so unrecht?

polzinho
00
15.6.2009, 20:36
antisemiten regieren israel

oder: ist man antisemit, wenn man antisemiten unterstützt ?

Georg Schütt
30
14.6.2009, 19:55
Nun ja, das Regime in Teheran lässt die Maske fallen: Ein gefakte Wahl, vorbereitete Verhaftungslisten, SMS-, Email-Verkehr blockiert.

Die Welt soll nicht sagen, man wüsste nicht, wer unter dem Turban steckt.

Und Israel steht damit nicht allein da. Das Regime wollte Ahmadi, hat ihn auch und wird auch die Rechnung bekommen.

Flavio Maffia
00
14.6.2009, 13:13

hehe jaja da sieht mans wieder mal ,-)

naja solange man für Frieden und nicht für Krieg ist...?

ich meine abgesehen davon, wie unmöglich eine erfolgreiche gewaltsame Lösung ist, sollte man auch die erfolge der letzten jahre beachten.

ich meine ein totaler krieg würde lediglich gewisse schranken aufheben die momentan noch existieren.

und wenn man die eingesammelten schrumpfköpfe und goldmünzen beachtet und die reichhaltige sammlung einer sehr kurzweiligen Epoche von wenigen jahren, dann stellt sich schon die frage auf welcher basis ein solches denken beruht.

ich meine es gibt keinen schöneren Platz als den unter der sonne.

den zu geniessen sollte die grösste gemeinsamkeit aller auf erden sein.

aber jedem das seine oder?

roppin hood
11
14.6.2009, 09:22
Bush würde sagen: "Nuke them!"

war on terror. war on terror. war on terror.

rae spiegel
 
110
13.6.2009, 21:08
tja wie sich die reaktionäre rechte aller länder gegenseitig braucht... faszinierend!

wider den rechten Kanaillen
11
14.6.2009, 03:35

Die Fundamentalisten brauchen sich gegenseitig, zum Feindbild.

1116er
15
13.6.2009, 19:12
so wie seinerzeit

george und saddam brüder im geiste waren,
sind auch ahmed und netanjahu aus demselben fauligen holz geschnitzt!

xx Hour1
30
13.6.2009, 18:43

gemäß alten Testament hat der prophet Jermaia die wahl des kronprinzen Nebukadnezar zu König von Babylon sehr begrüßt.

Andreas Prucha
1122
13.6.2009, 17:10
Na so eine Überraschung

Hätte ich mir nicht gedacht, dass Israel Radikale bevorzugt, um ihren eigenen Extremismus den Anschein von Legitimität zu verleihen. Gruppen wie die Hamas oder eben geistige Nackerpatzerl wie Ahmadinejad kommen da sehr gelegen. Bei moderaten Gegnern könnte Israel schliesslich unter Zugzwang geraten die eigene Politik zu überdenken, weil es nicht mehr so leicht fällt sich andauernd als armes Opfer zu verkaufen.

venere nera
11
13.6.2009, 18:48

glaub dem standard nicht alles, bitte;-)

Andreas Prucha
33
14.6.2009, 02:00

Warum soll ich etwas, was schon lange offensichtlich ist, nicht glauben? Was ich aber tatsächlich unglaublich finde ist, dass die israelischen Medien die Sache thematisieren, und sich die Leute von den Konservativen trotzdem nicht veräppelt vorkommen.

Aber naja... bei uns gibts auch Leute die die FPÖ wählen

Reinhard Ettel
 
413
13.6.2009, 16:58
Interesse an einer friedlichen Lösung?

Irgendwie erinnert mich diese Geschichte an weit
zurückliegende Ereignisse.
Es ist ein alts Muster.
Im 3. Reich wurde der Russe auf Plakaten mit einem
bluttriefenden Messer zwischen den Zähnen dargestellt.
Heute wünscht sich Israel keine Reformen im Iran, sondern die weitere Regierung eines Holocaustleug-ners um einen neuen Krieg zu rechtfertigen, unter
dem dann wieder am meisten Zivilisten leiden.
Atomwaffen sind immer eine Gefahr.
Fortschritt aufzuhalten ist aber eine m.E. grössere.
Friedliche Nutzung von Kernenergie bietet Chancen
für eine weitere Entwicklung auch für den Iran.
Auch für eine weitere Demokratisierung.
Ein Krieg würde das Land wieder um Jahre zurück-
werfen.

wer wenn nicht er
00
15.6.2009, 09:45
Der Iran kann seinen Strombedarf locker aus Erdgas decken

Der Iran hat nach Russland die größten Erdgasreserven der Welt. Diese können aber nicht exportiert werden, da man dafür lange Pipelines in Industriestaaten bräuchte. Dafür braucht man wieder ein friedliches Verhältnis zu seinen Nachbarstaaten, durch die diese Leitungen logischer Weise gehen müssen.
Abgesehen davon braucht man Milliardeninvestitionen, der Iran hat aber weder dieses Geld, noch schafft er es, ausländischen Investoren den Eindruck eines Rechtsstaats zu vermitteln. Der Iran ist das klassische Gegenteil eines Rechtsstaats: Willkür der Machthaber total.

Gelsomina
03
13.6.2009, 21:57

Der Iran ist der zweitwichtigste Oellieferant nach Saudi-Arabien. Haben Sie sich schon mal gefragt, warum die so dringend Kernenergie brauchen?

pepitant
00
14.6.2009, 22:13
Weil

Energie Geld ist ?

slartibartfaß der Umwandler
00
14.6.2009, 14:36

"Läuft es dagegen politisch so weiter wie im Moment, könnte der Export in fünf Jahren bereits auf ein Drittel des heutigen Werts gesunken sein – um 2014, 2015 herum wären die Ölexporte schließlich auf Null, alles geförderte Öl würde im Lande selbst gebraucht. In diesem Moment wären auch die Deviseneinnahmen praktisch auf Null, wenn das Land keinen ähnlich attraktiven Exportartikel wie Erdöl finden sollte. "

tja, leider brauchen die das öl dringend, um sich zu finanzieren.

Katar Akt
 
57
13.6.2009, 19:05

"Ein Krieg würde das Land wieder um Jahre zurück-
werfen."

Diesen archaischen, diktaorischen Gottesstaat noch um ein paar Jahre zurückwerfen? Dazu braucht es nicht Israel, sondern dazu reichen ein paar so Personen wie den derzeitigen Präsidenten des Iran. Dass Sie in ihrem Posting den israelischen Militär Kriegsgeilheit unterschieben, zeigt, dass Sie die Meldung wahrscheinlich entweder nicht gelesen, oder nicht ganz verstanden haben. Worauf auch ihr geschmackvoller, für sich selbst sprechender Vergleich hindeutet.

h 90
21
13.6.2009, 21:17

Diktatur? Weil der "falsche" gewonnen hat???

Bernout
 
12
14.6.2009, 01:38

Weil es keine Wahl gab, so wie immer. Jeder der dem Wächterrat nicht genehm ist, wird gar nicht erst zur Wahl zugelassen. Zum Beispiel sämtliche der 42 Frauen.

http://derstandard.at/fs/124231... Kandidaten

Hoffentlich etwas das Sie noch nicht wussten.

Katar Akt
 
03
13.6.2009, 23:44

Weil ein dubioser, nicht demokratisch legitimierter "Wächterrat" darüber entscheidet, wer überhaupt zur Wahl antreten darf? Weil es keine Meinungsfreiheit im Iran gibt? Weil Leute für ihre Überzeugungen, ihre journalistische Tätigkeit, oder wegen des Nicht-Tragens einer Verschleierung gefoltert werden? Wieviele Kriterien brauchen Sie denn, um eine Diktatur zu erkennen?

h 90
00
14.6.2009, 16:31

Sie wissen aber schon dass Ahmadinejad der Sittenpolizei befohlen hat, dass Frauen aus diesem Grund NICHT mehr bestraft werden duerfen.
Die Sittenpolizei darf sie nur noch hoeflich auf das Fehlverhalten aufmerksam machen.

Horus_the_Chorus
04
13.6.2009, 16:24

"Gut für Israel", da kann man sicherlich darüber streiten, aber seine Wiederwahl ist ganz sicher nicht gut für den Iran selbst

Auge um Auge. Zahn um Zahn.
2816
13.6.2009, 15:53

Erhoffe mir morgen eine Brandrede von Netanyahu. Er soll dem Iran ein Ultimatum stellen beim Atomprogramm. Entweder die Mullahs geben dann nach oder es gibt einen Militärschlag. Verhandeln und Sanktionen bringen nichts. Das hat Nordkorea gezeigt. Die haben die Maske nun fallen lassen und sagen offen, daß sie Atombomben bauen wollen. Beim Iran wirds bald genauso sein. Israel braucht auch nur noch bedingt Rücksicht auf die Zivilbevölkerung im Iran nehmen. Denn wer einen Holocaustleugner wie Ahmadi Nedjad mit so klarer Mehrheit wählt muß auch die Konsequenzen für dessen Politik tragen. Mitgefangen, Mitgehangen.

short cut
00
14.6.2009, 14:14
@Auge um Auge. Zahn um Zahn.

Bei ihnen ist wohl ein Rad ab.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 111
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.