Sieben Fälle, keine Panik

12. Juni 2009, 20:27
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Dass die Schweinegrippe zur Pandemie geworden ist, lässt die österreichischen Gesundheitsbehörden relativ kalt - Noch wartet man ab, einen Impfstoff gibt es frühestens im Herbst

Wien - Den Ärzten, Wissenschaftern und Gesundheitsverantwortlichen, die im Pandemiekrisenstab sitzen, stehen arbeitsreiche Tage bevor. Das Expertengremium tagt in Permanenz, nach einer Sitzung am Freitag soll schon Anfang nächster Woche ein weiteres Treffen folgen. Allerdings, beteuert man im Gesundheitsministerium, sind die Sitzungen nicht besonders hektisch. "Auch nach der Ausrufung der Pandemie durch die Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es keinen Grund, an unseren bisherigen Maßnahmen etwas zu ändern, schlicht weil es nicht nötig ist", berichtet Sigrid Rosenberger, Sprecherin von Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ).

Vorsichtig ist man nach sieben Infektionen dennoch. In Wien wurde das Influenza-Meldesystem aktiviert, ausgesuchte Ärzte müssen ihre Grippepatienten melden, um mittels Statistik die Gesamtzahl der Kranken berechnen zu können. In Oberösterreich sollen die bestehenden Vorkehrungen überprüft werden. Insgesamt ist die Lage noch unübersichtlich, viele Frage sind noch offen:

Wie gefährlich ist die Schweinegrippe?

Die WHO geht derzeit nur von einem mäßigen Risiko aus. Die Gründe: Die meisten Menschen werden ohne medizinische Hilfe wieder gesund, die Zahl der schweren Erkrankungen liegt auf dem Niveau der "normalen" Grippe, und es gibt keine Hinweise, dass das Gesundheitssystem in irgendeinem Land durch einen Massenansturm von Patienten gefährdet ist. Beunruhigt ist man allerdings, da es vor allem junge Menschen trifft.

Warum wurde dann eine Pandemie ausgerufen?

Da diese Entscheidung nichts mit der Gefährlichkeit einer Krankheit zu tun hat. Die sogenannte Phase 6 wird ausgerufen, wenn ein neues Virus in mindestens drei Ländern in unterschiedlichen Weltgegenden dauerhaft auftritt.

Wie schnell breitet sich die Krankheit aus?

Die Zahl der nachgewiesenen Fälle ist relativ rasch gestiegen. Waren es am 1. Juni noch 17.410 Erkrankte in 62 Ländern, waren es am Freitag, dem 12. Juni, bereits fast doppelt so viele: 29.669 Patienten in 74 Staaten.

Steigt auch die Zahl der Todesfälle?

Ja, aber deutlich langsamer als jene der Neuerkrankungen. Am 1. Juni waren es 115 Tote, am 12. Juni 145. Allein, 108 der Todesfälle ereigneten sich in Mexiko.

Gibt es schon eine Impfung gegen die Grippe?

Noch nicht, aber der Pharmakonzern Novartis hat am Freitag vermeldet, einen Impfstoff gegen das H1N1-Virus entwickelt zu haben. Der wird aber frühestens im Herbst zur Verfügung stehen. Österreich soll vom Novartis-Konkurrenten Baxter den Impfstoff bekommen, wann dieser entwickelt wird, steht noch nicht fest. Auf die Aktienkurse der europäischen Pharmakonzerne wirkte sich die Pandemie positiv aus, sie stiegen um rund drei Prozent. (Michael Möseneder, DER STANDARD Print-Ausgabe, 13./14.06.2009)

 

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    Die Schweinegrippe bietet noch keinen Anlass für die totale Quarantäne in den Spitälern, versichert das Gesundheitsministerium.

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