Apologet der Geldverschleuderung?

12. Juni 2009, 20:00
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Eine Replik auf Wifo-Ökonom Markus Marterbauer - Von David Gulda

Die seltsamen Schlussfolgerungen Markus Marterbauers im Standard vom 11. Juni ("Falsches Feindbild Staat" ) zwingen zur Erwiderung.

Erstens: Marterbauer sucht den Ausweg aus der Wirtschaftskrise in vermehrten öffentlichen Investitionen, die Arbeitsplätze schaffen sollen. Dabei verkennt er, dass die Bürokratie leider nicht nur sinnvoll investiert - etwa in die Renovierung von Schulen und Universitäten - sondern mit dem Arbeitsplatzargument auch gerne Überflüssiges anschafft. Man denke etwa an den Koralmtunnel, den Österreich der Eitelkeit eines Landeshauptmanns verdankt. Hier und anderswo wird künstliche Nachfrage mittels aufgeblasener öffentlicher Verschuldung erzeugt. Das soll klug sein?

Er übersieht im Übrigen auch, dass es, zusammen mit niedrigen Zinsen und hoher Staatsverschuldung, gerade die leichtfertigen Hypothekarkredite in USA und deren Derivate waren, die jene Kaufkraft schufen, welche die Krise hervorrief. Daraus ist zu lernen, dass künstlich geschaffene Nachfrage - egal ob private oder öffentliche - zu bösem Erwachen führt.

Zweitens: Marterbauer meint, dass die Reduktion betrieblicher Lohnkosten, über die Einkommensverringerung der Beschäftigten führen muss. Personalaufwand besteht aber nicht nur aus den Nettobezügen der Mitarbeiter, sondern enthält vor allem die von der öffentlichen Hand kassierten Steuern und Abgaben. Die richtige Senkung des Lohnaufwands ohne Kaufkraftverlust führt also über die Verminderung der Nebenkosten. Dies setzt natürlich eine effizient agierende öffentliche Hand voraus.

Dafür sollte der Wissenschafter plädieren, nicht für den Ausgleich öffentlicher Ineffizienz durch neue Vermögenssteuern. Solche obendrein damit zu begründen, dass sie ohnehin nur das Sparvermögen der Wohlhabenden treffen würden, ist blanker Hohn.

Drittens: Marterbauer fordert eine Arbeitszeitverkürzung etwa durch mehr Urlaub, am besten ohne Lohneinbußen. Das geht vollends an der Realität der internationalen Wettbewerbsökonomie vorbei, in der Lohnstückkosten die entscheidende Größe der Konkurrenzfähigkeit sind. Er ignoriert, dass steigende Lohnstückkosten Arbeitsplätze vernichten.

Insgesamt glaubt er, dass Unternehmen durch die Erhöhung von Lasten gezwungen werden sollen, betriebswirtschaftliche Erwägungen zugunsten volkswirtschaftlicher Wünsche zu opfern. Der Gegensatz ist offensichtlich. Aber Österreich wäre viel besser beraten, selbst betriebswirtschaftliche Grundsätze zu beachten. Denn die Wettbewerbskraft des Staates liegt in der Effizienz seines Handelns. Letztere ist Vorbedingung für alles andere. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13./14.6.2009)

Zur Person

David Gulda ist Geschäftsführer einer Logistik-Firma in Tirol.

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