Sesselrücken im Modeviertel

12. Juni 2009, 19:47
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Die Krise in der weltweiten Luxusindustrie trifft Mailand

Gleich in zwei Mailänder Maisons kommt es in diesen Tagen zum Managerwechsel. Das deutsch-italienische Modeunternehmen Jil Sander befördert CFO Alessandro Cremonesi zum Nachfolger von CEO Gian Giacomo Ferraris. Dieser wechselt zum Mailänder Luxusunternehmen Versace, nachdem Versace Sanierer Giancarlo Di Risio nicht nur sein Amt als CEO, sondern auch seinen Sitz im Verwaltungsrat aufgegeben hat.

In den Mailänder Modekreisen heißt es, dass der auf die Finanzen bedachte De Risio nicht mit Versace-Chefdesignerin und Aktionärin, Donatella Versace konnte. Spekuliert wird, dass Di Risio den Chefsessel bei Roberto Cavalli übernehmen könnte. Das Florentiner Modehaus hat kürzlich einen Teil seines Imperiums an die Fondsgesellschaft Clessidria verkauft. Angeblich flirtet auch Prada-Chef Patrizio Bertelli mit Private-Equity-Unternehmen.

Absatz bricht ein

Aus dem dreimal verschobenen Börsengang von Prada wird nichts werden, meinte auch der Präsident des Verbandes der Luxusfirmen, Armando Branchini. Prada versuche sich die nötigen Finanzmittel über Investoren zu beschaffen.

Die internationale Finanzkrise hat den Luxusgüter-Markt voll getroffen. Heuer soll der Absatz in Europa um neun Prozent, in den Staaten um 15 Prozent sinken. Für die erste Jahreshälfte 2010 erwarten Branchenexperten einen weiteren Rückgang. Der Ebitda (Gewinn vor Steuern und Abschreibungen) der Luxusunternehmen soll heuer um 21 Prozent sinken.

"Die Hersteller haben immer größere Probleme, sich zu finanzieren. Der Trend, dass Private-Equity-Gesellschaften bei Luxusunternehmen einsteigen, nimmt zu" , meinte Branchini im Gespräch mit dem STANDARD. Von Nachfragerückgang seien vor allem die Luxus-Damenmode und Uhren betroffen.

Italien gibt bei Luxus Takt vor

Der weltweite Luxusmarkt mit Mode, Schmuck und Accessoires wird für 2008 auf 175 Mrd. Euro geschätzt. Rund 30 Prozent der Produktion und zehn Prozent des Verbrauchs entfallen dabei auf Italien. Bis jetzt haben erst einige wenige Unternehmen, wie etwa die IT-Holding mit der Luxusmarke Gianfranco Ferré, Konkurs angemeldet. Die börsennotierte Mariella Burani Fashion Group hat kürzlich eine Umstrukturierung ihrer Schulden bekanntgegeben. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13./14.6.2009)

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