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Neue Form des Protests: Hunderte fanden sich flashmobartig zum Open-Air-Essen auf der Place de la Concorde in Paris ein.
Sie starten ihre Aktionen überfallsartig, kommen bei Nacht oder tauchen unerwartet aus einer Menschenmenge hervor. Dann tanzen sie, gärtnern wild drauf los oder machen "brumm, brumm" und imitieren mit ihren Händen das Steuern eines Autos. Der Kampf um die Nutzung öffentlicher Räume, der sich soeben am Wiener Museumsquartier entzündet hat, haben Protestgruppen Mitte der 90er-Jahre in Großbritannien aufgenommen. Von anfänglichen "reclaim the street"-Partys wurden öffentliche Räume für politische Aktionen neu entdeckt. Inzwischen gibt es Guerilla-Gardening oder Provokations-Picknicken in London, Tanz-Guerilla-Gruppen in Hamburg oder "reclaim the street"-Ableger in Berlin.
Weitere Zentren der Bewegung sind Amsterdam, Barcelona, Bologna und Rom, sagt Marty Huber, Sprecherin des Dachverbandes für autonome und freie Kulturinitiativen Österreich. Gemeinsam sei allen Gruppen, dass es ihnen um irgendeine Form der Rückeroberung öffentlicher Plätze gehe. Gekämpft wird gegen die Privatisierung und Regulierung urbanen Raums ebenso wie gegen zunehmende Videoüberwachung. Organisiert werden die Aktionen über Webseiten, SMS und neuerdings Facebook.
Nicht immer geht es um Politik im engeren Sinne: Ein Teil der Aktionen beschäftigt sich mit Wissensvermittlung im öffentlichen Raum. So wurden etwa auch schon in Wien U-Bahn-Vorlesungen gehalten, erzählt Huber. Bei den Flash-Mobs, bei denen sich Menschen an einem Platz zusammenfinden und scheinbar spontan beginnen, Luftauto zu fahren, geht es darum, übliche Abläufe durcheinanderzubringen. "Alle Räume in der Stadt, auch die öffentlichen, sind strukturiert. Die Architektur oder andere Vorgaben schreiben vor, wie der Raum genutzt gehört. Flash-Mob-Aktionen stellen diese Nutzung infrage."
Warum entwickeln sich Plätze vor Museen, wie etwa jener vor dem Pariser Centre Pompidou oder im Wiener Museumsquartier, zu beliebten Treffpunkten? "Weil dort spontan Menschen zusammenkommen - wie früher bei Marktplätzen", sagt James Panton, Co-Gründer des Manifesto Club in Großbritannien, der "für Freiheit im Alltag" kämpft und nach Angaben seiner Gründer weltweit 300 Mitglieder und ein paar Tausend Newsletter-Abonnenten zählt. Platz allein, ergänzt Panton, schaffe aber noch keine Anziehung. "Der Platz vor modernen Büroblocks ist oft sehr großzügig gestaltet, aber das ist fast immer toter Raum."
Auf Grünflächen, wie etwa dem Hyde Park, spielt sich hingegen einiges ab: Vergangenen Sommer wurde dort zum Protest-Picknicken gegen Alkoholverbote an öffentlichen Plätzen aufgerufen. Dieses Verbot stehe nämlich als eines von vielen für die "immer stärker bürokratisierten Beziehungen zwischen Menschen", wie Panton meint. Und immer mehr Bürger würden das "auch noch zunehmend akzeptieren". (Gudrun Springer; András Szigetvari, DER STANDARD Print-Ausgabe, 13./14.06.2009)
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