Für Handel sind Väter nur zwei Drittel der Mütter wert

12. Juni 2009, 19:34
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Aus Handelssicht ist der Vatertag fast ein Flop. Nur wenige Branchen profitieren von den Liebesbezeugungen für die Erzeuger

Ein Streifzug durch Pfeifengeschäfte, Herrenausstatter und Confiserien.

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Wien - Zu Tausenden liegen sie da, die Pfeifen. In jeder Form und Größe, viele filterlos, mit feiner Holzmaserung, aus aller Herren Länder. Felizitas Maszynski raucht die eine oder andere von Zeit zu Zeit selbst. Seit bald drei Jahrzehnten verkauft sie diese an Sammler und Stammkunden. Eine Glocke verrät Kundschaft, wer ihren kleinen Laden betritt, taucht ein in das Flair der Jahrhundertwende: Ostermann hält in der Wiener Innenstadt seit 200 Jahren die Stellung. Leicht machten es einem die strengen Rauchergesetze nicht, seufzt die Chefin. Der Vatertag am Sonntag entlockt ihr ein Lächeln. Eine Pfeife als Geschenk sei früher was gewesen. Aber heute sei keiner bereit, dafür 100 Euro auszulegen. Feste dieser Art gingen an ihrer Branche spurlos vorüber.

Ein paar Straßen weiter warten feingeschneiderte Anzüge in Reih und Glied im House of Gentleman auf Kundschaft. Daneben stapeln sich, wie mit dem Zentimeterband ausgemessen, die Hemden. Bei den Geschenken für den Vatertag bleibe es aber meist bei einem Paar Socken, erläutert man dort. Mitunter sei noch eine Krawatte drin. Von höherer Nachfrage zum Feiertage könne jedenfalls keine Rede sein.

Confisier Walter Heindl ist noch auf die Schokoladenseite gefallen. In seinen Filialen gingen die Likörpralinen und blauen Schokoladepackungen seit einigen Tagen weg wie warme Semmeln, erzählt er. Dass Väter dem Handel nur halb so viel Umsatz einbrachten wie Mütter, ließe sich dennoch nicht leugnen. Sie würden nach wie vor ein wenig vernachlässigt, resümiert er.

Er sehe das nüchtern, meint Ulrich Schmidt, Chef des Kosmetik-riesen Beiersdorf. Hautpflege falle in Österreich nicht unter Luxus, sie zum Vatertag zu schenken erübrige sich damit. Für die Umsätze von Nivea und Co habe der Tag daher so gut wie keine Relevanz.

Vier von zehn schenken

Der Vatertag hat für Österreichs Einzelhandel kaum Gewicht - geht es nach neuen Statistiken der Wirtschaftskammer um ein Drittel weniger als der Muttertag. Von zehn Kindern sollen heuer vier ihren Vater beschenken und dabei rund 108 Mio. Euro springen lassen. Das reiße die Wurst nicht aus der Semmel, sagt Stephan Mayer-Heinisch, Präsident des Handelsverbands.

Dabei hätte das ganze Potenzial. Der Handel gehöre aus der Eintönigkeit gerissen, mit der geschickten Bewerbung guter Anlässe ließe er sich kräftig beleben. Halloween etwa brauche zwar kein Mensch, für den Handel gehe es aber wunderbar auf. Der Vatertag hingegen versprühe wenig Sexappeal.

Josef Pretzl, Chef der Buchkette Thalia, schlägt in die gleiche Kerbe: Konsum sei Freizeitbeschäftigung, Inszenierung werde wichtiger. Sein Konzern nutze jeden Anlass, um an dieser Schraube zu drehen, und der Vatertag bringe zweifelsfrei mehr Umsatz. Männer haben auch einiges aufzuholen. Studien belegen, mehr als 60 Prozent der Bücher lesen Frauen. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13./14.6.2009)

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