Enzi-Erfinder

"Wir sind bekanntermaßen machtlos"

12. Juni 2009, 19:27
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    foto: thomas rottenberg

    Anna Popelka, Georg Poduschka, die Eltern der MQ-Enzi. 

Durch die neue Hausordnung ist die Qualität des Museumsquartiers stark gefährdet, sagt Architektin Anna Popelka, Erfinderin der Enzi-Sitzmöbel, im Gespräch mit Wojciech Czaja

Standard: Das Konsumieren von mitgebrachten Getränken ist laut neuer Hausordnung im ganzen MQ verboten. Ist das der Ausverkauf des öffentlichen Raumes?

Popelka: In meinen Augen ist das ein riesiger Fehler. Bisher hat sich das Areal dadurch ausgezeichnet, dass sich Konsumenten und Nichtkonsumenten unproblematisch am selben Ort aufhalten konnten. Die einen saßen auf dem Enzi mit der mitgebrachten Thermoskanne, die anderen haben etwas bestellt. Das ist eine Ausdrucksweise liberalen Denkens und somit eine große Qualität. Sollte das rückgängig gemacht werden, sind wir nicht weit entfernt von Zuständen, wie sie beispielsweise in den USA herrschen. In vielen Städten ist es verboten, sich auf öffentlichen Plätzen auf die Parkbank zu legen.

Standard: Was können Architekten und Stadtplaner tun, damit der öffentliche Raum öffentlich bleibt?

Popelka: Wir sind bekanntermaßen die Machtlosen. Das Einzige, was wir leisten können, ist Aufklärung. Der Ball liegt bei den Politikern und den jeweiligen Betreibern.

Standard: Sind die Enzis von der geplanten Maßnahme in irgendeiner Weise betroffen?

Popelka: Nein, das glaube ich nicht. Die Möbel funktionieren an diesem Ort sehr gut, und das werden sie auch weiterhin tun. Ich habe fast das Gefühl, dass die Akzeptanz der Bevölkerung von Jahr zu Jahr steigt. Ursprünglich war ja vorgesehen, die Sitzmöbel nur fünf Jahre lang aufzustellen, nun gibt es sie bereits seit sieben Jahren.

Standard: Warum der große Erfolg?

Popelka: Das Lustige an diesen Objekten ist der Maßstab. Aus der Entfernung sehen sie aus wie Wohnzimmersofas. Wenn man dann aber davor steht, merkt man, dass vier bis sechs Personen darauf Platz haben. Mich persönlich freut am meisten, dass die Leute immer wieder neue Nutzungen entdecken, wenn sie etwa die Lehne hinunterrutschen, und dass sie dadurch das Möbel im Kopf weiterentwickeln.

Standard: In vielen europäischen Städten wird der öffentliche Raum auch ohne Zutun von der Bevölkerung in Besitz genommen. In Wien muss man erst Styropormöbel bauen. Warum?

Popelka: Das hat sicherlich mit dem Klima, vor allem aber mit der Mentalität der Leute zu tun. Aber man darf nicht außer Acht lassen: Irgendeine Art von Möbel braucht es in jedem Fall. So gesehen ist die Spanische Treppe in Rom - eines der besten Beispiele für die Inbesitznahme des öffentlichen Raums - auch eine Art städtisches Möbel. Ohne die Treppenanlage und ohne die Topografie an diesem Ort würde sich dort nicht viel abspielen.

Standard: Wann wird das Ablaufdatum der Enzi erreicht sein?

Popelka: Wenn sie durch die Benützung so zerstört sind, dass man sie nicht mehr reparieren kann. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 13./14.06.2009)

ZUR PERSON:

Anna Popelka (47) ist Architektin und leitet gemeinsam mit Georg Poduschka das Wiener Büro PPAG.

 

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 27
1 2
tod den architekten
00
17.6.2009, 14:44
hahaha, machtlos

also architekten die sich für machtlos halten haben schon einen ordentlichen schaden! oder wissen die nicht, dass sie mit ihren gebäuden langfristig in die stadtentwicklung eingreifen? wenn das nicht macht ist, was dann?

eman1
00
17.6.2009, 11:24
ich würde gerne wissen, ob es neben den enzis ein ppag werk gibt in dem man sich wohlfühlen könnte?

habe jahrelang in einem ppag-bau gearbeitet, ein menschenfeindlicheres gebäude habe ich niemals davor erlebt.

bin sehr interessiert an positiven beispielen!
wie ist das wohnen am park? (das ppag interview dazu war etwas eigenartig)



bin immerwieder

NegR h.c.
00
14.6.2009, 20:53

Wo kann man die Enzis kaufen?

Prof. Alois
 
00
14.6.2009, 12:48
Diejenigen, die die Möbel entwarfen, bestimmen über deren Benutzung?

Das ist Gesinnungsterror. Hat jemand, der diese Möbel bestellt hat, die politisch korrekte Benutzung mitbestellt?
Es wohnen Menschen im MuQa. Die sind die Schwächsten in diesem Spiel. Und sie sollen es auch bleiben, wenn man sich so durchliest, was cool zu sein hat.

U-Bahn Steuer
00
13.6.2009, 22:10

und vor muqa-zeiten gabs ihn wien keine "inbesitznahme des öffentlichen raumes"?

so ein SCHAS, mit verlaub!

wienbashing schön und gut - das ghört wohl dazu - aber es sollt schon halbwegs nachvollziehbar sein!

Im Exil
00
13.6.2009, 21:02
klima

das mit dem klima glaub ich nicht. das ist in berlin nämlich nen tick kälter als in wien und trotzdem wird dort jeder halbwegs öffentliche raum von der bevölkerung in besitz genommen sobald die temperaturen 10°C überschreiten...

harald83
01
13.6.2009, 10:31

einfach möhren mitbringen. die machen locker und keinen mist.

Guy Montag
23
13.6.2009, 10:21
wenn sie etwa die Lehne hinunterrutschen, und dass sie dadurch das Möbel im Kopf weiterentwickeln.

architektentypische heisse luft.
häuser zu bauen ohne energieverbrauch wäre ein aufftrag für architekten. nur die wenigsten können es!

hellfast
00
13.6.2009, 15:32

dann bau ein iglu und werd glücklich damit...

Threonin
02
13.6.2009, 14:47

Ein Haus ohne Energieverbrauch zu bauen ist nicht möglich. Ein Haus, das schon einmal dasteht braucht keine Energie, die Menschen darin tun es.

Häuser, die zum Heizen/Kühlen keine oder sehr wenig Energie brauchen sind etwas anderes.

Guy Montag
00
13.6.2009, 19:16
sie sind architekt. ihr mangeldes physikverständnis entlarvt sie eindeutig,

denn es brauchen die gebäude die energie um die innenraumluft zu erwärmen, der mensch könnte auch einfach durch gezielte wärmestrahlung gewärmt werden.

Threonin
00
14.6.2009, 13:10

Das Gebäude braucht keine warme Innenluft, sondern die Menschen darin. Somit brauchen die Menschen die Energie.

Guy Montag
00
14.6.2009, 14:25
werden gebäude für menschen gebaut?

oder für den selbstzweck der gebäude?
ha, jetzt hab ich es, sie dienen nur der huldigung des architekten, wenn man ihren gedanken folgt!
letztlich kommt der gebäudebetreiber für die heizkosten auf und diese werden immer unerschwinglicher, oder ist ihnen diese aussage nicht abstrakt genug oder einfach kleinlich und trival?

gut, bei schlecht gebauten gebäuden, brauchen dann eben die menschen viel energie und das ist schlecht

Threonin
00
14.6.2009, 22:24

Gebäude werden nicht nur für Menschen gebaut, sondern etwa auch für die Quellen der Wiener Wasserleitung oder als Parkhaus für Autos oder Straßenbahnen. Manche Gebäude dienen also der Unterbringung von Maschinen oder dem Schutz von Irgendwas vor der Witterung oder vor Zutritt durch unbefugte Personen. All das sind Gebäude.

Was Anderes sind Wohnhäuser, aber auch diese müssen nicht zwangsläufig beheizt werden, denn einem Wohnhaus ist es völlig egal, ob es drinnen kalt ist.

DDr.Klugscheisser
00
13.6.2009, 09:41
Wenn sie nichts kaufen

dürfen sie sich nicht auf der Strasse aufhalten.

Das kommt dann als nächstes.
"Dieser A...tritt wir Ihnen präsentiert von ihrem kapitalistischen Werte- und Wirtschaftssystem"

Jaja liebe Poster, es ist bestimmt das kleinere Übel und den Menschen in der DDR ging es sauschlecht ohne Werbung, Kindern die nur noch PS3 im Kopf haben etc...
Aber die Menge an konsumierten Drogen (Alkohol, Nikotin und verschriebene Psychopharmaka) lässt zumindestens annehmen, das einige Menschen hier nicht richtig glücklich werden. Nichteinmal die Reichen.....

Threonin
02
13.6.2009, 14:48

Naja, in der DDR wurde auch nicht gerade wenig Alkohol konsumiert, vor Allem von Jugendlichen.

Prof. Alois
 
00
14.6.2009, 12:50
Und wie sich nachher herausstellte

waren die Jugendlichen dort am wenigsten immun gegen den allten Nazi-Sch... Da war schon was grundfalsch dort.

Lucasz
00
13.6.2009, 09:35

In Innsbruck hat man mit vergleichbaren Möbeln in der Maria-Theresienstraße (breite, große und lange Fußgängerzone mit vielen Lokalen für alle Ortsunkundigen) kurzen Prozeß gemacht, da sie die Touristen davon abhielten in den Cafes zu sitzen und etwas zu konsumieren...

pottery
10
13.6.2009, 09:28

"Irgendeine Art von Möbel braucht es in jedem Fall"
Hm, in nördlichen Gefielden reicht eine Grünfläche. Im Sommer wird - zumindest in Finnland - jedes Grünfleckerl in Besitz genommen, ganz ohne Möbel.

re flexion
04
13.6.2009, 09:50
Also ob's in Wien

nicht anders wäre (sofern man darf). Schaun's zum Prater, Augarten, Donauinsel, ...

Die Enzis sind ein weiters tolles Angebot.

Einfalt ist die Feindin der Vielfalt!

Elfmeter
02
13.6.2009, 07:07
Na bitte!

"......mitgebrachten Thermoskanne, die anderen haben etwas bestellt. Das ist eine Ausdrucksweise liberalen Denkens." Köstlich, wie schnell man zum liberalen Vorreiter wird!

Die Meinungsfreiheit gerät in Versuchung.
20
13.6.2009, 06:32
Die heurigen Enzis sind hässlichstes Gelb ...

warum giesst man sie nicht gleich aus Schwefel?

Pfuigelb!
Und jene, die schon aussehen, wie veritable Sandlercouchen, mögen ausgetauscht oder repariert werden!

simon wohlgenannt
00
13.6.2009, 14:10

mir gefallen sie...

Das allmächtige Rad
02
13.6.2009, 00:08

ich wär dafür mit den enzis mal im teich oder was das sein soll im hof ne seeschlacht nachzuspielen!

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