Ein emotional besetzter Freiraum

12. Juni 2009, 19:21
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    foto: der standard/christian fischer

    Radfahren kann im Museumsquartier nun ebenso geahndet werden wie das Mitbringen von alkoholischen Getränken.

Der Protest gegen die neue Hausordnung des Museumsquartiers zeigt Wirkung: Die restriktiven Regeln sollen aufgeweicht werden

Parallel dazu entspinnt sich eine Debatte über die Nutzung öffentlicher Räume.

***

Ich sehe das positiv." Jens Dangschat freut sich: Auch wenn das Wiener Museumsquartier mittlerweile mit aller Kraft versucht, seine vergangene Woche proklamierte neue Hausordnung weniger restriktiv klingen zu lassen, findet der Stadtsoziologe der TU-Wien die Diskussion darüber und die angekündigten Protestmaßnahmen dagegen spannend: "Wenn tausende Menschen für das Recht, den öffentlichen Raum frei nutzen zu dürfen, auf die Straße gehen wollen, beweist das, wie wichtig solche Bereiche sind. Und wie gut sie funktionieren."

Denn dass das Recht auf "Abhängen" im Museumsquartier ohne Konsumzwang den Wienern ein Anliegen ist, steht außer Frage: Als bekannt wurde, dass in den Höfen des Areals in Hinkunft keine mitgebrachten Getränke mehr konsumiert werden dürften, erhob sich ein Sturm der Entrüstung: Allein auf derStandard.at posteten weit über 900 User binnen Stunden ihren Protest. Eine rasch gegründete Facebook-Gruppe hatte quasi sofort über 15.000 Mitglieder - und über 1500 Personen sagten umgehend zu, an einer für heute, Samstag, geplanten Demonstration gegen die, wie es heißt, "Privatisierung und Kommerzialisierung des öffentlichen Raumes" teilzunehmen.

Und das, obwohl die MQ-Verwaltung ohnehin umgehend zurückruderte: Man habe lediglich fliegenden Getränkehändlern Einhalt gebieten wollen, hieß es. Keineswegs sollte den (meist) jungen Nutzern der Höfe der Konsum von Mitgebrachtem verboten werden. Obwohl: In der Hausordnung steht das exakt so drin.

Die Eskalation schob die MQ-Verwaltung auf eine "Überreaktion des Personals": Vergangenes Wochenende hatten Securities erstmals versucht, die neuen Regeln im Wortsinn umzusetzen. Mehr noch: Für Besucher wie für MQ-Wirte wirkten sie "bewaffnet": Halle-Wirt Bernd Schlacher etwa glaubte, vergangenen Samstag Schlagstöcke gesehen zu haben.

Dass die Sicherheitsleute lediglich Taschenlampen trugen, erklärte dann erst eine neuerliche Aussendung des MQ. Doch Schlachers Eindruck kam nicht von ungefähr: Die 40-Zentimeter-Lampen werden wie Schlagstöcke am Gürtel getragen. Sie sind hart genug, Autoscheiben einzuschlagen - und auch bei Tag bei Sicherheitsdiensten beliebt.

Doch dem Wirt geht es ums Prinzipielle: "Das MQ ist weltweit einzigartig, weil es für alle offen ist. Auch für Menschen, die nicht in die Museen oder in die Lokale gehen. Das muss so bleiben."

Probleme, die fliegende Händler, eine Minderheit von Betrunkenen und einige Müll hinterlassende Besucher verursachten, dürften nicht dazu führen, "dieses Naherholungsgebiet" (Schlacher) zu gefährden: "Diese Offenheit ist eine urbane Qualität Wiens."

Dem pflichtet auch Stadtsoziologe Dangschat bei: Als öffentlich erlebte Räume würden immer intensiver als Lebens- und Selbstdarstellungsraum genutzt. Versuche, hier reglementierend einzugreifen, wären "mitunter notwendig, aber sehr sensible Angelegenheiten": Unangenehme Auswüchse gelte es hintanzuhalten, ohne ein Übermaß an Kontrolle zu etablieren.

Kommerzialisierungsgefahr

Und die Attraktivität solcher Zonen berge immer die Gefahr, dass ihre Verwalter dem Druck, "sie zu kommerzialisieren, nachgeben - schließlich sind auch öffentliche Institutionen angehalten, sorgsam zu wirtschaften". Die Heftigkeit der Reaktionen, meint der Soziologe, sei aber genau deshalb positiv zu werten: "Diese Emotionalität zeigt, wie wichtig solche Räume sind - das hilft, die Balance zu halten." Für Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier ist das partielle Alkoholverbot im MQ ein Beweis dafür, "dass in Wien Kunst tot sein muss". Kultur werde als Höhepunkt des menschlichen Daseins gesehen. "Aus selbst mitgebrachten Flaschen trinkende Jugendliche können diesem ästhetischen Blick nicht genügen."

Gesellschaftliche Gruppen außerhalb des Mainstreams würden zunehmend aus dem öffentlichen Raum verdrängt, sagt Heinzlmaier: "Wenn ein älterer Mensch mit seinem Rollator das Seniorenheim verlässt, ist das ja auch schon ein Ärgernis."

Den Widerstand gegen die neue Hausordnung im MQ begrüßt der Jugendforscher: "Junge Menschen lassen sich heute ohnehin viel zu viel gefallen. Und warum sollen nur Bildungsbürger und Touristen das Areal nutzen?" Statt sie in Jugendzentren zu "pädagogisieren", müsse man Teenagern die autonome Aneignung von öffentlichem Raum ermöglichen. "Sie wollen dabei sein und nicht in irgendeinem Keller besachwaltet werden." (Thomas Rottenberg, Martina Stemmer, DER STANDARD Print-Ausgabe, 13./14.06.2009)

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barbara griessner
01
14.6.2009, 10:04
öffentlicher raum

selbst wenn das mq rechtlich gesehen öffentlicher raum wäre...

manche pochen auf ihr recht sich dort anzusaufen, ghetto-blaster aufzustellen usw., manche pochen auf ihr recht dort in ruhe etwas zeit zu verbringen...

wer ist jetzt im recht ?

wenn jeder glaubt der "öffentliche raum" gehört nur ihm persönlich... dann wird das nicht funktionieren...

barbara griessner
00
14.6.2009, 09:45
Stellungnahme zum angeblichen Alkoholverbot im MQ

http://www.ots.at/presseaus... 09_OTS0274

Hellsicht
06
13.6.2009, 22:00
Wenn es um ihr Recht auf das Saufen geht, werden sie aktiv.

Sonst ist von diesen Leuten leider kein Protest zu vernehmen.

barbara griessner
01
13.6.2009, 22:36

unter dem deckmantel: jugendkultur

Ben Vassy
00
14.6.2009, 15:06

... und VP und grüne sind dabei, weil man von den effen gelernt hat: mit alkohol kauft man stimmen.

daniela kraus
00
13.6.2009, 20:27
"die autonome Aneignung von öffentlichem Raum"

...gibt's zum glück auch anderswo in Wien, zb am Augartenspitz, siehe:
http://www.erlustigung.org/
http://www.baustopp.at

marmeladenfreund
03
13.6.2009, 19:52
das mq ist tot! beim nächsten mal wirds besser!

ich finde den protest gegenüber der verschärfung der hausordnung im mq zwar wichtig aber leider total verspätet. das mq ist schon lange kein öffentlicher raum mehr - ja es ist geradezu ein lehrbeispiel für gentrifiziertung und privatisierung bzw. kommodifizierung von öffentlichen räumen. es war doch wohl klar, dass man jene gruppen, die dem mq anfangs einen jugendlich-urbanen touch geben sollten, nicht mehr brauchen wird, sollte der laden einmal laufen. nun ist nur noch das zahlungskräftige publikum erwünscht. woher der wind weht war spätestens seit der verdrängung von institutionen wie dem depot oder der basis wien klar. das mq ist tot! augarten und brunnenviertel sind nun die orte die es zu schützen gilt, ehe auch diese verloren sind!!!

barbara griessner
01
13.6.2009, 20:11

das mq ist Privatgrund mit öffentlichem Durchgangsrecht - kein öffentlicher raum ...

Max Kahlenberg
10
14.6.2009, 00:42
Entschuldigung: Was schwafeln Sie da?

Ein zu 100% von öffentlichen Mitteln finanziertes Areal kann NIE ein Privatgrund sein. Wie immer die Konstruktionen sein mögen. Dieser irrigen Annahme liegt ein kausales Missverständnis zugrunde !!!!!!!
Nämlich: Privatisierung auf Österreichisch. Comprende?

barbara griessner
01
14.6.2009, 09:44
MuseumsQuartier Errichtungs- und Betriebs GmbH

das mq ist quasi im privatbesitz und hat auch pflichten zu erfüllen:

z.B.

(Verkehrssicherungspflicht), jene Sicherheitsmaßnahmen zu setzen, die eine gefahrlose Benutzung der Außenflächen gewährleistet (Reinigung, Instandhaltung etc. ) und eine Gefährdung der BenutzerInnen durch andere BesucherInnen (z.b. durch Randalierer, Betrunkene etc.) abwendet.

....

marmeladenfreund
31
13.6.2009, 21:14

privatgrund einer ausgelagerten gesellschaft, die zu 100% im besitz der öffentlichen hand ist. auch so lässt sich die demokratie aushebeln... ;-)

opelkadett
10
13.6.2009, 20:00
absolut

ihrer meinung. hab mal beobachtet wie die securities vorgegangen sind, als ein paar leute ein paar von diesen gelben oder blauen bänken zusammenschieben wollten, damit sie mit ihren freundInnen sitzen konnten. die waren da wie der blitz obwohl vorher unsichtbar.außerdem steht das mq nur der kunst zur verfügung, die sich in diesen häusern einsperren läßt. danceability performances müssen um aufführungsrecht kämpfen obwohl sogar bei den tanzwochen dabei (über die kann man natürlich auch ne menge posten)......sperrt die 'wa(h)re' kunst ruhig weiter ein + für eine lebendige kunst für alle!!!!

gidolf
00
13.6.2009, 18:57

Also, der letzte Satz mit dem Keller, der ist schon hart.

barbara griessner
00
13.6.2009, 18:05

hab mal in der nähe vom schwedenplatz gewohnt... das nächtliche gegrölle der besoffenen ging mir auch kräftig auf den sack..

*UrsusHibernaticusNeIntreruptus*
30
13.6.2009, 19:18
gerne...

ich tausch gerne sehr gerne ein bisschen lärm in der nacht gegen eine wohnung am schweden platz... das heißt einfach fenster zu in der nacht und am tag halt offen und lüften wenns sein muss im sommer...

barbara griessner
02
13.6.2009, 19:49

tja, fenster zu bringt leider nix bei der lautstärke...

außer man hat panzerglas...

*UrsusHibernaticusNeIntreruptus*
30
13.6.2009, 20:23

ich wohn neben der ubahn (u6) hab blick kontakt mit den gleisen(75meter laut google earth) und bei mir hallt es ziemlich zwischen den gebäuden und ich schlaf mit geschloßenen fenstern prima... fenster sind wahrschinlich undicht oder so entweder neue fenster kaufn , so ohr dinger glaub die heißn ohropacks oder mitfeiern obwohl das geht ned täglich ;-) oder an mich günstig vermieten ...

barbara griessner
03
13.6.2009, 20:36

die dinger heißen ohropax ...

und warum soll ich mit diesen "dingern" schlafen, nur weil sich ein paar anhänger einer "pseudo jugendkultur" mit dem motto "saufen ist cool" nicht benehmen können ?

*UrsusHibernaticusNeIntreruptus*
20
13.6.2009, 21:37

laut google heißn die ohropacks.... und warum sie mit dennen schlafen sollen? damit sie schlafen können ... es is einfacher wenn sie sich die dinger einfach in die ohren stecken als eine jugendbewegung zu belehren versuchen ...

barbara griessner
01
13.6.2009, 22:35

ich kenne die teile sehr gut - hab sie ausführlich erprobt --> www.ohropax.at


ich will niemanden belehren, sondern poste hier nur meine meinung - das erlauben sie mir hoffentlich...

bin mittlerweile von dort weggezogen, weils nicht mehr erträglich war - das schlafen mit ohropacks ist auch nicht gerade angenehm - überhaupt im sommer - wenn die ohren keine luft bekommen...




janwillem
05
13.6.2009, 18:14

Sack ? Aber Barbara ;-)

barbara griessner
12
13.6.2009, 18:46

bin ein mann..

janwillem
40
13.6.2009, 20:00

ich verstehe...

janwillem
00
14.6.2009, 12:01

Fürs Verstehen zwei rote Stricherl ?

NoPod
00
13.6.2009, 17:52
"Junge Menschen lassen sich heute ohnehin viel zu viel gefallen.."

Wie wahr! Ich hatte schon die Befürchtung die alten Revoluzzer müssen aus dem Altersheim ausbrechen um den Jungen vorzumachen wie Widerstand funktioniert. Gratuliere Mädels und Burschen und lassts Euch nix gfalln!

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