Schweden wollen Saab kaufen

12. Juni 2009, 19:21
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Die schwedische Sportwagen-Manufaktur Koenigsegg will mit einem norwegischen Industriedesigner dem insolventen US-Konzern GM die Marke Saab abkaufen

Stockholm/Detroit/Wien - Der Koenigsegg CCX beschleunigt in 3,2 Sekunden auf 100 km/h, in nicht einmal zehn Sekunden ist er auf 200, und in knapp einer halben Minute auf 300 km/h. Als "Top Speed" des 806-PS-Wagens werden 395 km/h angegeben. Rund 70 derartige Gefährte wurden bisher seit Mitte der 90er-Jahre hergestellt; sie rollten gegen die Zahlung von mindestens 650.000 Euro in Milliardärsgaragen in der arabischen Wüste oder in den Hügeln Hollywoods. Nun will Christian von Koenigsegg (36), Sportwagenkonstrukteur aus Ängelholm in Südschweden, einen Autohersteller kaufen, der im Vergleich dazu auch alltagstaugliche Autos herstellt: Er stehe vor der Übernahme der bisherigen General-Motors-Tochter Saab, berichteten einige skandinavische Medien vor dem Wochenende. Ein Vorvertrag soll bereits unterzeichnet worden sein.

Finanzieren sollen den waghalsigen Deal angeblich Koenigseggs 49-Prozent-Aktionär Bard Eker, ein Industriedesigner aus Oslo (er ist auch für die Linienführung der Koenigsegg-Sportwagen verantwortlich, siehe Foto links), sowie andere Investoren, deren Identitäten in der Öffentlichkeit nicht bekannt sind.

"Das klingt ein bisschen verrückt"

Saab, mit Hauptsitz in Trollhättan, hat (nach einigen Jobcuts) rund 3500 Mitarbeiter, Koenigsegg rund 40. Nicht nur wegen der Größenverhältnisse herrscht in Schweden größte Skepsis, was die Tragfähigkeit des Deals betrifft. "Man weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll" , wird ein schwedischer Autobranchenbeobachter zitiert. Die Zeitung Svenska Dagbladet kommentiert: "Das klingt ein bisschen verrückt." Der Kapitalbedarf für ein Überleben Saabs, der schwedischen Traditionsmarke für den gehobenen Geschmack, ist gigantisch: Saab schuldet dem bisherigen Mutterkonzern GM neun Milliarden Kronen (833 Mio. Euro). Für die Fortsetzung der seit einer Dekade chronisch Verlust schreibenden Produktion müssen 7,5 Mrd. Kronen aufgebracht werden.

Der kommende Mittwoch werde entscheidend für die Zukunft des Unternehmens sein, sagt Insolvenzverwalter Guy Lofalk. Dann müssen die Gläubiger, darunter vor allem GM, vor dem Konkursgericht mitteilen, ob sie zu einem Schuldenerlass bereit sind. Schwedens Regierung hat bisher alle Bitten um Bürgschaften für Saab abgewiesen, will nun aber einlenken. Man bereite ein Paket vor, hieß es in Stockholm. Dies halten Beobachter immerhin für ein positives Indiz, dass hinter dem norwegischen Investor seriöse und potente weitere Geldgeber stehen.

Auch mit einer Staatsbürgschaft und Krediten der Europäischen Investitionsbank aber bleibt unklar, wie Saab angesichts weltweiter Überkapazitäten und einer relativ veralteten Modellpalette überleben will. 150.000 Wagen pro Jahr müsse man bauen können, um zu überleben, war in den vergangenen Jahren immer wieder aus der Konzernzentrale in Südwestschweden zu hören. 2008 sank der Absatz auf 93.000 Autos. (szem, dpa, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13./14.6.2009)

  • Koenigsegg, schwedische Sportwagenmanufaktur (im Bild das Modell CCXE,
400 km/h Spitze), will mit norwegischer Hilfe den finanzmaroden
Hersteller Saab übernehmen.
    fotos: koenigsegg, saab, montage: standard/friesenbichler

    Koenigsegg, schwedische Sportwagenmanufaktur (im Bild das Modell CCXE, 400 km/h Spitze), will mit norwegischer Hilfe den finanzmaroden Hersteller Saab übernehmen.

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