Luxusmarina soll reiche Skipper an die Adria locken

12. Juni 2009, 19:12
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Porto Montenegro will Yachtbesitzer zeitlich beschränkt mit Gratisplätzen ködern - Bootsmarkt von Krise voll erfasst

Wien/Tivat - Die Wirtschaftskrise hat die Reichen der Reichen erreicht. Das hat auch die Betreiber des Yachthafens Porto Montenegro, eines Leitprojekts im südlichen Teil der Adria, bewogen, ihre Pläne zu ändern. Die ultramoderne Marina, die auf dem Gelände eines früheren jugoslawischen Marinestützpunkts in der Bucht von Kotor entsteht, hätte ursprünglich 2010 aufsperren sollen. Unter dem Eindruck der Ereignisse ist die Eröffnung nun um ein Jahr vorgezogen worden, obwohl noch bei weitem nicht alles fertig ist.

Bis zu 650 Yacht-Liegeplätze

"Das ist jetzt unsere Chance. Die Leute sollen probieren. Wenn sie die Vorteile dieses Standorts gesehen haben, werden sie uns auch langfristig treu bleiben", sagte der verantwortliche Projektleiter von Porto Montenegro, Oliver Corlette, dem STANDARD.

In dem Projekt steckt viel Geld. Bisher wurden gut 100 Mio. Euro verbaut; rund 200 Mio. Euro werden es nach Abschluss der ersten Bauphase sein. Einige hundert Millionen könnten noch dazukommen, wenn alle Pläne realisiert werden, inklusive Reparatureinrichtungen, Wohnanlagen, Hotels, Restaurants und Shopping-Galerien. Die Anzahl der Liegeplätze für Yachten aller Größenklassen - derzeit 85 - ließe sich bei Bedarf auf bis zu 650 aufstocken, sagte Corlette.

Deripaska mit an Bord

Vater des Projekts ist der Kanadier Peter Munk, Gründer und langjähriger Vorstandschef des weltgrößten Goldproduzenten Barrick Gold. Er hält 60 Prozent der Anteile. Ihm zur Seite stehen Bernard Arnault, Herr und Gebieter über den französischen Luxusgüterkonzern LVMH, und der russische Oligarch Oleg Deripaska. Mit dabei sind auch der Bankier Lord Jacob Rothschild und dessen Sohn Nathan, der mit Hedgefonds ein Vermögen gemacht hat, sowie der ungarische Bau- und Immobilientycoon Sandor Demjan.

Corlette, der ebenfalls Geld in das Projekt gesteckt hat, sieht durch die Krise eine seltene Chance, Yachtbesitzer mit ihren Booten aus anderen Marinas im Mittelmeerraum nach Tivat zu locken: "Wer jetzt bei uns andockt, zahlt zwölf Monate keine Gebühren." Das Sparargument werde seine Wirkung nicht verfehlen, meint Corlette, "mit Reservierungen sind wir schon fast voll".

Strabag baut Appartments

Idealerweise sollen Liegeplätze und Wohnresidenzen im Doppelpack Käufer finden, was durch entsprechende Kombi-Angebote forciert werden soll. Den Auftrag zum Bau von zunächst 30 Appartments hat sich die Strabag gesichert.

Wie schwer die Krise auf dem Bootsmarkt lastet, zeigt eine Studie der Wiener Marktforschung Interconnection. "Der Markt für Boote bis zu 80 Fuß (rund 24 Meter Länge; Anm.) ist um bis zu 40 Prozent eingebrochen" , sagte der geschäftsführende Gesellschafter, Frederic Lehner. Bei größeren Yachten habe man bis vor kurzem noch mit einem Zuwachs von 20 Prozent gerechnet, jetzt mit Stagnation.  (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13./14.6.2009)

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