Der Fürst zieht für Europa in den Wahlkampf

12. Juni 2009, 18:25
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Karl Schwarzenberg soll Chef einer Pro-Europa-Partei werden

Es passiert nicht so oft, dass ein Politiker im Alter von 71 Jahren beschließt, eine neue politische Karriere zu starten. Genau das aber hat Karl Schwarzenberg, der frühere tschechische Außenminister und seit vielen Monaten populärste Politiker im Land, vor. Er soll Vorsitzender einer neuen europafreundlichen Mitte-rechts-Partei werden.

Ihr Name lautet "Tradition, Verantwortung, Wohlstand" , und Schwarzenberg, der von einem traditionellen, über ganz Europa verzweigten, böhmischen Adelsgeschlecht abstammt, soll dieses Programm verkörpern.

Lange hat sich der "Fürst", wie Schwarzenberg mittlerweile selbst von der linken Presse etwas kokett bezeichnet wird, angeblich geziert, seine vierte politische Karriere in Tschechien in Angriff zu nehmen. Schließlich stand er schon Anfang der 90er-Jahre als Leiter der Präsidentenkanzlei von Václav Havel im öffentlichen Interesse.

2004 erhielt er sein erstes politisches Mandat, als ihm der Sprung in den tschechischen Senat, die zweite Parlamentskammer, gelang. Im Jänner 2007 wurde Schwarzenberg schließlich Außenminister. Doch Chef einer politischen Partei? Das hätte man nicht so leicht für möglich gehalten. Und schon gar nicht von einem so unkonventionellen Aristokraten wie dem 1937 in Prag geborenen Karl Johannes Nepomuk Josef Norbert Friedrich Antonius Wratislaw Mena Prinz zu Schwarzenberg.

Noch vor Tagen wehrte Schwarzenberg Spekulationen über einen Einstieg bei einer neuen Partei ab. Er fühle sich den Grünen verpflichtet, sagte er, und wolle ihnen helfen, ins Europaparlament zu gelangen. Doch nachdem jene Politiker der Grünen, die ihn einst gegen heftige Widerstände von Präsident Václav Klaus für das Außenamt vorschlugen, wegen der schlechten Europawahlergebnisse zurücktraten, war auch diese Allianz dahin.

Politisch jedenfalls war der Hocharistokrat schon immer: In den 1960er-Jahren unterstützte er den tschechischen Widerstand, mischte in der ÖVP mit und war später lange Jahre Präsident der Internationalen Helsinki-Föderation für Menschenrechte. Daneben half der schwerreiche Forstwirt (ihm gehören tausende Hektar Land) und Exhotelier dem heutigen Herausgeber des Standard, Oscar Bronner, bei der Gründung des Wirtschaftsmagazins Trend.

Schwarzenberg ist seit 2008 wieder mit Therese Hardegg verheiratet, das Paar hatte sich 1988 nach 20 Jahren Ehe scheiden lassen. Sie haben zwei gemeinsame Kinder. (Robert Schuster/DER STANDARD, Printausgabe, 13.6.2009)

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